Geschichte meines Lesens II

Was Loco_just_Loco über seine Lesensgeschichte erzählt hat,
ließ mich manchmal laut auflachen, weil ich mich sehr darin wiederfand. Manches hatte ich bei meiner Geschichte vergessen, manches nur angedeutet.

Nur angedeutet
habe ich das „Alles Lesen“. Ja, lieber Loco, ich habe auch alles gelesen und noch heute ertappe ich mich dabei. Ja, ich habe auch schon das Telefonbuch gelesen. Und sobald ich lesen konnte, las ich jedes Reklameschildchen in unserer Umgebung.

Ich weiß noch, wie ich meine Mutter in Verlegenheit brachte mit der mitgebrachten Erkenntnis: „Camelia schenkt allen Frauen Sicherheit und Selbstvertrauen“. Ich wusste zwar nicht, wer diese Camelia ist, aber das hing bei Herrn Stenger im Schaufenster der Drogerie gegenüber. Und ich dachte, meine Mutter würde das freuen.

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4 Kommentare

  1. Pingback: Kleine Geschichte meines Lesens - Nachkriegskind

  2. Oh, „Das Beste aus Readers‘ Digest“ kenne ich auch! Die wurden in der Familie hin- und hergeschenkt, mit Geschenkabos meine ich, und jedes Jahr war ein anderes Familienmitglied Schenkender und ein anderes Beschenkter. Damit wurde der Sondertarif für Neuabonnenten ausgenutzt. :DD

    Onkel Toms Hütte habe ich, glaube ich, nie gelesen. Dafür aber den „Nigger von Scharhörn“ – selbst dieses Wort ist da nicht negativ besetzt, wenn ich mich richtig erinnere!
    1984 las bei uns die Oberstufe, im Jahr 1984. Da war ich in der 6. Klasse. Wenig später allerdings bekam ich „Schöne neue Welt“ in die Finger, und das hat mich deutlich geprägt – hoffentlich habe ich es besser verstanden als Dr. Schäuble…

    Dickens habe ich erst als Erwachsener entdeckt, nachdem wir in der Schule – ich war schon Student, aber Aushilfsbratscher im Schulorchester – eine Musicalversion von Oliver Twist gegeben hatten. Für Unterstufenschüler eine sehr tiefgründige Inszenierung!

    Manchmal findet man selbst in Jugendbüchern sehr „proletarische“ Ausdrücke und Umschreibungen. Ich erinnere mich nicht mehr an das Gesicht, wohl aber an die Stimmung, als ich – wohl etwa sechsjährig – meiner Mutter und den Damen ihres politischen Zirkels verkündete, sie möchten mich doch bitte entschuldigen, ich müßte eine Stange Wasser in die Ecke stellen. ❗ Steht auch nicht in meinem Artikel, aber deine Camelia hat mich dran erinnert.

    • Den Ausdruck habe ich aus einem Zeltlager mit nach Hause gebracht und benutze ihn jetzt noch manchmal, wenn ich im Wald halt mal eine Stange Wasser in die Ecke stellen muss.
      Meine Liebste findet ihn nicht sehr witzig.

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