Mutig voran

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Heute wird die Jungschar 100. Ich erinnere mich noch an den Tag, als sie „in mein Leben kam“. Ich war 8.

Meine Mutter kam von der Kirche nach Hause und ich hörte, wie sie zu meinem Vater sagte: „Der Pfarrer hat eine Jungschar angekündigt. Da können wir ihn doch hinschicken“. So begann es…

Jungschar war samstags um drei. Nach dem Mittagessen rückte meine Mutter zwei Stühle zusammen, stellte die Zinkbadewanne darauf und ich musste baden. Erst später hatten wir ein Badezimmer mit einem Kohlebadeofen.

Und dann ging’s los zur Jungschar. Ich glaube, diese Samstagnachmittage waren Höhepunkte in meinem Leben. Samstag für Samstag bin ich hingegangen – nur einmal für ein paar Wochen nicht, weil der Jungscharleiter – ein Diakon – mir eine Ohrfeige gegeben hatte. Erst, als er zu uns nach Hause kam und sich bei mir entschuldigte, bin ich wieder hingegangen.

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Schon mit 8 war ich dann auch beim ersten Jungscharzeltlager. Vierzehn Tage auf der Opelwiese im Soonwald. Kein Strom, im Wald ein Donnerbalken für vierzig Jungen. Gleich in der ersten Nacht mussten alle – auch wir Kleinen – raus und Gräben schippen, weil es in Strömen regnete.

Dann kam ein neuer Jungscharleiter. Ingo ging an Krücken, er hatte Kinderlähmung. Wir bewunderten ihn über alle Maßen. Wenn er mit uns schwimmen ging, lief er Handstand über die Liegewiese, zog sich mit seinen kräftigen Armen die Leiter zum 10-Meter-Turm hoch, robbte dort nach vorne, um an der Kante wieder einen Handstand zu machen und sich kopfüber ins Wasser zu stürzen.

Mit ihm machten wir ungezählte Fahrten und Lager. Entlang von Rhein und Mosel, durch den Odenwald und den Hunsrück, zum Edersee und in die „Texasschlucht“.

Gleich nach der Konfirmation fragte mich der Pfarrer, ob ich nicht auch eine Jungschar leiten wolle. Hochmodern: das Jugendpfarramt in Darmstadt bildete uns aus. 6 Wochenenden in zwei Jahren umfasste die Ausbildung.

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Jungscharleiter war ich mit Leib und Seele. Unglaublich, was damals ging: als Sechzehnjähriger konnte ich mit meinen Jungen alleine ein Zeltlager durchführen. Zum Geländespiel trommelte ich alle Darmstädter Jungscharen zusammen. Über 100 Jungen spielten rund um den Darmstädter Bismarckturm, die Jungscharen von Gemeindejugend, CVJM, EC und Freikirchen.

Gruppenstunde in den 60ern

Mein Fahrtenhemd – inzwischen leider ein bisschen klein geworden – hängt immer noch im Schrank, der Ledergürtel mit der Ankerkreuzkoppel hängt zusammen mit den blauen Halstuch im Amtszimmer und im Regal stehen immer noch das „Handbuch für Jungschararbeit“ und eine kleine Chronik, handgeschrieben.

Gruppenstunde in den 60igern

Der „Jungschar-Vierklang“ bestimmte die Gruppenstunden: Singen – Spielen – Erzählen – Andacht. Nichts davon durfte in einer Stunde fehlen. Nur der Platz der Andacht wechselte. Manchmal am Anfang, manchmal am Ende, manchmal sogar mittendrin. Sonst hätte ja Gefahr bestanden, dass Jungen absichtlich zu spät kommen oder sagen, sie müssten früher gehen…

Happy Birthday, Jungschar.

 

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4 Kommentare

  1. Pingback: Die Jungschar wird 100 | Nichtallzufromm

  2. Ja, in meinem ersten Zeltlager warst Du Helfer. An Fich und an Tommy erinnere ich mich, Thomas Geibel. Und Reinhard Becker mat mit dem Wohnwagen.

  3. Lieber Horst Peter,
    viele Deiner Erlebnisse und Erfahrungen kann ich nachempfinden, war sogar bei einigen mit dabei und habe parallel Du in der Martinsgemeinde, ich in der Johannesgemeinde, da auch Ingo herkam Gleiches, wenn auch einige Jahre früher erlebt. Und dann im Stadtjugendpfarramt gemeinsam. Das Zeltlager im Soonwald und die Fahrten und Lager. Entlang von Rhein und Mosel, durch den Odenwald und in den Hunsrück, zum Edersee und in die “Texasschlucht”, auch nach Doos in Franken insbesondere nach Neunkirchen und nach Beedenkirchen. Das ist mir alles vertraut.
    Eine tolle Zeit – schön, dass Du noch solch plastische Erinnerungen daran hast.

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