Nüchtern zur Konfirmation, gar nicht so einfach

1965

Während meine Liebste sich auf der Terrasse sonnt, muss ich mich mental auf morgen vorbereiten: Konfirmation! Und wie könnte ich das besser, als schnell mal einen kleinen Blog zu schreiben.

Meine erste Erinnerung an eine Konfirmation ist wohl die Konfirmation meiner Schwester, das wird 1961 gewesen sein. Mit ihren 14 Jahren sieht sie auf dem Konfirmationsbild schon sehr erwachsen aus, was wohl an den hochtoupierten Haaren liegt, die damals üblich waren.

Wenn Sie nicht auch aus dieser Zeit stammen, erraten Sie nicht, was sie damals vor allem geschenkt bekommen hat: Sammeltassen!

Das waren hässliche Tassen nebst Untertassen und Teller, die man sich ins „Buffet“, wie die Wohnzimmerschränke hießen, stellen konnte.

Jungen bekamen keine Sammeltassen, zum Glück. Das machte es den Nachbarn nicht einfacher. Denn selbstverständlich brachte jeder Nachbar sein Geschenk vorbei. Und jeder Laden, bei dem die Familie einkaufte, brachte ein Geschenk.

Für Jungen gab es so sinnvolle Geschenke wie Taschentücher, Portemanes, Strümpfe, Fotoalben, Nyltesthemden,

Sie sehen, Konfirmation war immer – wahrscheinlich sogar früher mehr als heute – das Fest der Geschenke. Ein riesengroßer Geschenketisch wartete darauf, gefüllt zu werden.

Mein Hauptgeschenk war ein Fotoapparat „Agfa Optima Ia“ – ein wunderbares halbautomatisches Gerät (Bei richtiger Belichtung leuchtete ein grünes Lichtchen).

Da ich zum Zeitpunkt meiner Konfirmation aber schon beschlossen hatte, fromm zu werden, nahm ich die Sache ernster und war sehr stolz, als ich zum ersten Mal zum Abendmahl gehen durfte – nüchtern!

Denken Sie jetzt bitte nicht „na, der hat ja früh angefangen“. Nüchtern hieß, dass man noch nichts gegessen haben durfte, wenn man zum Abendmahl kam – warum auch immer. Es hatte irgendetwas mit der „Würdigkeit“ zu tun.

Weil ich trotz meiner selbsterworbenen Frömmigkeit aber nicht ganz sicher was, ob ich würdig war, suchte ich mir den entsprechenden Konfirmationsspruch aus: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine“. Den Prüfauftrag habe ich bislang noch nicht zurückgezogen.

Merkwürdig berührt hat mich immer, wenn ich ins Dorf meiner Großeltern kam. Dort fragten die Leute immer „Biste dann schon aus de Schul?“, womit sie aber nicht etwa wissen wollten, ob ich schon aus der Schule zurück sei, sondern eben, ob ich schon konfirmiert war. Was im Grunde gleichbedeutend war. Nur bei mir nicht, weil ich aufs Gymnasium ging und irgendwie habe ich mich bei der Frage dafür geschämt.

Morgen konfirmiere ich als 7 Mädchen und Jungen, alles nette kleine Nervbolzen, aber ich mag sie. Aufgeregt sind sie auch schon, wie ich früher auch. Mal sehen, was sie zu der Sanmmeltasse sagen.

Waren wir nicht süß?

2 Kommentare

  1. Na, wenn sie dann immer kommen, ist das doch schon viel (finde ich wirklich). Nein, Sammeltassen haben sie nicht bekommen. Euín Kettchen mit einem Kreuz – und einer hat gefragt, ob er das bei ebay versteigern darf.

  2. Du schenkst ihnen doch hoffentlich keine Sammeltassen? 😉

    Ja, 1961 bekam mein Vater sein erstes Auto, um Studium und Nebenberuf unter einen Hut zu bringen… damals war die Konfirmation meist vor Ostern, denn mit den Osterferien endete die Schulzeit für die Volksschüler, mithin 2/3 des Jahrgangs, und dann fing die Lehre an.
    Ich glaube manchmal, diese Generation war auch erwachsener als wir, 26 Jahre später konfirmiert… aber heute? Wissen sie damit umzugehen, daß sie eine gesetzlich geschützte mindestens 16jährige Kindheit haben? Manchmal habe ich den Eindruck, sie fangen mit 8 an zu pubertieren und hören mit 30 langsam wieder damit auf… „Meine“ Konfis aus Stosswihr sind mittlerweile auch 21, keine Kinder mehr, einige von den sechs leben bestimmt schon mit jemand zusammen… und die meisten kommen nur noch zur Kirche, wenn jemand heiratet oder gestorben ist, und zu Weihnachten und Ostern…

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