Biblisches

Den Haussegen gerade rücken?

„Liebste will mit mir im Schnee Spazieren gehen. Sie meint, sonst hänge der Haussegen schief. Dann muss es wohl sein.“, twitterte ich am Sonntagvormittag fröhlich in die Welt.

Einer meiner Follower meinte, das könne eine Falle sein, ein anderer riet mir dringend, den Haussegen mit der Wasserwaage einzurichten und dann festzudübeln.

Eine gute Idee, möchte man meinen, dann kann er nicht mehr schief hängen. Und es gibt auch schon „Haussegen“ in Form einer kleinen Wasserwaage zu kaufen, die man tatsächlich immer wieder gerade rücken könnte. Wenn es so einfach wäre.

Aber natürlich habe ich das sprichwörtlich gemeint. In diesem Sinne hängt der Haussegen bei uns selten schief, die Liebste und ich sind ein ausnehmend harmonisches Paar. Und sie hatte das zwar wirklich gesagt, aber humorvoll gemeint. So schlimm wäre es nicht gekommen.

Vielleicht hat das Leben in einer Beziehung ja wirklich etwas Wasserwaagenförmiges. Ich kann eben nicht jedes Mal, wenn die Liebste spazieren gehen will, sagen: „Nö, habe keine Lust“. Einmal geht das, dann neigt sich die Haussegen-Waage nur um ein klitzekleines Stückchen, beim zweiten Mal dann schon stärker und wenn dann noch etwas dazu kommt…

In jüdischen Wohnungen hängt der Haussegen übrigens immer schief.

Der Haussegen dort, die Mesusa, ist ein Behälter, der schräg an der rechten Seite des Türrahmes befestigt wird. Er enthältz eine Schriftrolle mit dem Schma Jisrael. In der Thora gibt es nämlich die Anweisung „Diese Worte sollst Du auf die Türpfosten deines Hauses schreiben“.

Aber weil da nicht steht, wie die Worte hängen sollen, entstand natürlich eine Diskussion. Während Rabbi Schlomo ben Jizchak meinte, die Mesusa müsse senkrecht hängen, meinte Rabbenu Tam, er müsse waagrecht hängen. So what?

Man einigte sich klugerweise auf einen Kompromiss. Seitdem hängt der Haussegen schief.

Eine andere Erklärung aber sagt, dass die Handlungen von uns Menschen immer unvollkommen – schief – sind. Nur Gott alleine kann die Dinge wirklich gerade rücken.

Viele christliche Haussegen drückten Ähnliches aus: „Wenn Gott nicht das Haus baut, arbeiten die Bauleute umsonst“.

Was uns freilich nicht daran hindern soll, den Haussegen immer wieder etwas zurechtzurücken.

Haussegen

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Kristina und das doppelte Gottchen

Ach Gottchen, jetzt hat das Kristina aber was gesagt.

Ich sage es einmal in meinen Worten: der liebe Gott ist vielleicht weiblich, eine liebe Göttin, oder sächlich, das liebe Gottchen. Oder vielleicht sogar eine dreifaltige Gottheit, männlich, weiblich, sächlich – oder etwas, das unsere Vorstellungen noch übersteigt. Oder vielleicht sogar gar nicht nur lieb.

Ich finde, sie hat Recht. Auch wenn ich zu denen gehöre, die das Vaterunser ohne Bedenken beten und sogar um den Segen „des Herrn“ bitten. Ich weiß dabei, dass all die Namen, die wir Gott geben, nur Versuche sind. Versuche, aus unserer Erfahrungswelt Begiffe zu finden für etwas, was unsere Erfahrungen übersteigt.

Legen wir Gott nicht auf Namen und Vorstellungen fest.

Eine andere Sache ist, wie wir Kindern von Gott erzählen. Sie müssen nicht als erstes erfahren, wie kompliziert die Welt ist und wie kompliziert die Sache mit der Gottheit.

Gott ist wie ein Vater und wie eine Mutter, wie die Sonne und das Licht, wie die Wärme und die Liebe, wie die Hand, die mich hält und wie das Nest, das mich schützt. Das sind einfache Wahrheiten, in denen Kinder Gott begreifen können.

Danke, Kristina.

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