• Books to Go

    Bücher zum Mitnehmen sind eine feine Sache. Gibt es doch schon immer, sagen Sie? Natürlich haben Sie Recht. Seit es Bücher gibt, kann man sie mitnehmen. Gegen Geld und ohne Geld. Aber es hat sich doch viel geändert. Nehmen Sie nur mal zum Beispiel die beiden ältesten meiner Bücher: Die konnte man nicht einfach mal in den Rucksack packen, um sie im Zug zu lesen und billig waren Sie auch mal nicht. Seit es Taschenbücher gibt, ist die Sache schon etwas einfacher. Die sollen angeblich in eine Tasche passen, wie der Name sagt. Ich glaube, da ist an Damenhandtaschen gedacht – da passt ja bekannterweise alles rein. In meine Manteltasche…

  • Welche Probleme löst die gute Ehe?

    1. Ist die Ehe für Sie noch ein Problem? 2. Wann überzeugt Sie die Ehe als Einrichtung mehr: wenn Sie diese bei anderen sehen oder in Ihrem eigenen Fall? 3. Was haben Sie anderen öfters geraten: a. dass sie sich trennen? b. dass sie sich nicht trennen? 4. Kennen Sie auch Versöhnungen, die keine Narben hinterlassen auf der einen oder auf der andern oder auf beiden Seiten? 5. Welche Probleme löst die gute Ehe? 6. Wie lange leben Sie durchschnittlich mit einem Partner zusammen, bis die Aufrichtigkeit vor sich selbst schwindet, d.h. dass sie auch im Stillen nicht mehr zu denken wagen, was den Partner erschrecken könnte? 7. Wie erklären…

  • Ich zähle täglich meine Sorgen

    Weiß der Himmel, warum wir ausgerechnet diese Platte in unserer Philipps-Schallplattentruhe hatten. Denn von den kleinen Dingern hatten wir nur 4 oder 5. Conny zum Beispiel mit “Ob 15, ob 16 ob 17 Jahre alt, da braucht man doch immer einen Rat”. Mit 33 Umdrehungen pro Minuten sang Peter Alexander “Ich zähle täglich meine Sorgen”. Das war 1959. Und stimmt heute auch noch. Erstaunlich nur, wie fröhlich er das singt. Jetzt ist er tot. Schade. Peter Alexander – Ich zähle täglich meine Sorgen…

  • Zwei Stück Fernsehgeschichte

    An “zwei Stück” Fernsehgeschichte habe ich heute morgen gedacht. Ich habe mir angewöhnt, jeden Morgen zu sehen, was an diesem Tag im Laufe der Jahrhunderte geschehen ist, wer geboren und wer gestorben ist. Zugegeben, ein bisschen verrückt ist es, mit sowas seine Zeit zu verbringen. Aber es macht Spaß und ist interessant. Ich kann mein Halbwissen zu manchen Ereignissen und Personen zu einem Immer-noch-nicht-Halbwissen anreichern. Und nebenbei finde ich schöne Zitate, die ich dann twittern und facebuxen und manchmal auch Ihnen hier zum Besten geben kann. Heute wurde ich auf unterschiedliche Weise also an zwei Stück Fernsehgeschichte erinnert. Die Reporter der Windrose In meiner Kindheit, als Fernsehen noch ein Abenteuer…

  • Gelesen: "Die Teilacher" von Michel Bergmann

    Ein wundervolles Buch und ein Kapitel Frankfurter Nachkriegszeit aus der Sicht der “Teilacher”, jüdischer Handelsvertreter, allesamt fast einzige Überlebende des Holocaust. Mit Chuzpe und Tatkraft leben die Teilacher, wo sie nie mehr leben wollten. Voller Witz – eben jüdischem Humor – lässt das Buchdie Ungeheuerlichkeiten der Nazizeit und auch des Nachkriegsdeutschlands nicht aus.

  • Mühsam. Kalenderblatt

    Gebeugte Menschen mit stumpfem Blick hocken in dumpfen Spelunken – den Neid im Auge, die Not im Genick, von elendem Fusel trunken. Da tönt eine Stimme von außen herein: »Kopf hoch! Ihr seid nicht verloren. Ich füll eure Becher mit goldenem Wein. Auch euch ist der Heiland geboren. Heraus ins Freie und folgt mir nach, wo Schätze liegen!« Die Stimme des Mannes, der also sprach, hat plötzlich geschwiegen. Ein Scherge führt ihn gefesselt fort. Den Menschen aber da drinnen klingt seiner Rede lockendes Wort wie ferner Traum in den Sinnen. Sie senken den Kopf auf des Tisches Brett und trinken mit heiserem Lachen … Ein Jude zog aus von Nazareth,…

  • Die Tragik des Lebens. Kalenderblatt

    Der Briefmark Ein männlicher Briefmark erlebte Was Schönes, bevor er klebte. Er war von einer Prinzessin beleckt. Da war die Liebe in ihm erweckt. Er wollte sie wiederküssen, Da hat er verreisen müssen. So liebte er sie vergebens. Das ist die Tragik des Lebens… Joachim Ringelnatz Joachim Ringelnatz (Hans Gustav Bötticher) starb heute, am 18. November, vor 76 Jahren.

  • Wie wenn nichts wäre. Kalenderblatt

    Nicht alle Schmerzen sind heilbar Nicht alle Schmerzen sind heilbar, denn manche schleichen Sich tiefer und tiefer ins Herz hinein, Und während Tage und Jahre verstreichen, Werden sie Stein. Du sprichst und lachst, wie wenn nichts wäre, Sie scheinen zerronnen wie Schaum. Doch du spürst ihre lastende Schwere Bis in den Traum. Der Frühling kommt wieder mit Wärme und Helle, Die Welt wird ein Blütenmeer. Aber in meinem Herzen ist eine Stelle, Da blüht nichts mehr. Ricarda Huch Ricarda Huch starb heute, am 18. November, vor 63 Jahren.

  • Der Marmorknabe

    In der Capuletti Vigna graben Gärtner, finden einen Marmorknaben, Meister Simon holen sie herbei, Der entscheide, welcher Gott es sei. Wie den Fund man dem Gelehrten zeigte, Der die graue Wimper forschend neigte, Kniet, ein Kind daneben: Julia, Die den Marmorknaben finden sah. “Welches ist dein süßer Name, Knabe? Steig ans Tageslicht aus deinem Grabe! Eine Fackel trägst du? Bist beschwingt? Amor bist du, der die Herzen zwingt?” Meister Simon, streng das Bild betrachtend, Eines Kindes Worte nicht beachtend, Spricht: “Er löscht die Fackel. Sie verloht. Dieser schöne Jüngling ist der Tod.” Conrad Ferdinand Meyer