• Kalenderblatt: Das musste mal gesagt werden

    Heute erzähle ich Ihnen einmal eine wirklich peinliche Episode aus meinem Leben. 1972, ich war 21 Jahre alt, wurde in Darmstadt der Neubau des damaligen Landestheaters eröffnet. Nachdem das alte Theatergebäude, der Mollerbau, im Krieg zerstört worden war, fanden die Vorstellungen bis dahin in der Orangerie, einem sehr schönen Provisorium, statt. Viele Darmstädter und vor allem wir jungen protestierten gegen die immens hohen Kosten des Neubaus, der zudem extrem hässlich war. Wenn ich mich recht erinnere, kostete der über 500.000 DM. Der Hessische Rundfunk griff das Thema auf und sendete eine Diskussionsveranstaltung. Ich wurde als “Vertreter der jungen Generation” eingeladen, mitzudiskutieren. Nun saß ich in dem kleinen Studio im Hörfunkgebäude…

  • Aus dem Leben gegriffen

    Freitag Trauung in der alten Nikolaikirche mitten auf dem Römerberg. Da stehst du im Talar rum und zwei Muslims fragen freundlich, ob sie dich fotografieren dürfen. Nach der Trauung wollte ich gleich zur Liebsten fahren. Nixda. Schlüssel vergessen. Nochmal zurück und Wohnung planmäßig durchsucht. Schlüssel unter einem Haufen Papier auf dem Schreibtisch gefunden. Wer Ordnung hält, ist nur zu faul zum Suchen. Samstag Eintrittskarten für den Garten Eden gekauft. Sowas sollte es für das himmlische Eden auch geben. Hab sie verschenkt. Sowas sollte es für das Himmlische Eden auch geben. Geburtstag eines Freundes gefeiert. War mir in der Sonne zu heiß. Mag Sonne nur im Schatten. 7jähriger Sohn meines Freundes…

  • 7 Monde sind es

    “Falsch”, sagt meine Liebste. “Soll ich das jetzt verbessern”, frage ich, “dann erklären mich doch alle für verrückt.” “Ja, das musst du” antwortet die Liebste, “sonst wäre das gelogen”. Ich weiß, ich soll nicht lügen und im Blog schon gar nicht. Deshalb muss ich korrigieren: Wir sind heute gar nicht 7 Jahre und 7 Tage zusammen, sondern 7 Jahre und 7 Monde. Da habe ich so sehr an die Schöpfungsgeschichte und Adam und Eva gedacht, dass ich Monate zu Tagen geschrumpft habe. Aber vor Gott sind 7 Monate auch wie 7 Tage oder noch kürzer sogar. “Bin halt ein Dummerchen.” “Nein”, sagt meine Liebste, die neben mir steht. “Du bist…

  • 7 Tage, 7 Jahre

    7 Tage und 7 Jahre sind meine Liebste und ich heute zusammen. Das verflixte 7. Jahr ist also rum und ehrlich gesagt: es war überhaupt nicht verflixt, sondern wunderbar. Die ersten 7 Tage haben wir gebraucht, um uns zu finden, die nächsten 7 Jahre zum Leben. Glücklicherweise ist die 7 ja auch eine Zahl, die in die Ewigkeit zeigt. Hier finden Sie fast alles zur Zahl 7

  • Wie man Wasser bei 90 Grad sieden lässt und ein Schiff einfach ohne einen abfährt

    Manche denken, die Sommerzeit sei eine gute Erfindung nur wegen der Winterzeit. Denn, denken sie, wenn es die Sommerzeit nicht gäbe, könnte man bei der Umstellung auf die Winterzeit sich nicht freuen, eine Stunde länger schlafen zu können. Das wäre eine gute Erfindung gewesen: die Winterzeit. Aber die gabs sozusagen schon “immer”. Obwohl das ja natürlich nicht stimmt. Die Zeit gabs zwar schon immer, aber dass sie irgendwie eingeteilt wurde, gabs erst später. Naja, ganz schön lange schon. Gott hat gleich als erstes das Licht geschaffen und als er gesehen hat, dass Licht was schönes ist, hat er es “Tag” genannt und die Dunkelheit “Nacht”. Das war gleich am ersten…

  • Hilflos ausgesetzt

    Zu Tränen gerührt war ich gestern abend, als ich in einer jener Vorabendserien mit ansehen musste, wie ein wehrloser Hund ausgesetzt wurde. Haben Sie so etwas schon einmal gemacht? Einen Hund, eine Katze, einen Fisch irgendwo ausgesetzt? Das sind doch widerliche Menschen, die so etwas tun? Trotzdem fragte ich mich als an Selbsterfahrung reicher Mensch natürlich sofort: “Woher kommen die Tränen”? Wie Schuppen fiel es mir von den Augen: ich gehöre selbst zu diesen Menschen. Nein, meine Tochter habe ich nicht vor die Tür gesetzt, mein Hund ist von selbst gestorben, meinen letzten Fisch habe ich erst entsorgt, als das Wasser aus dem Aquarium ausgelaufen war und Katzen laufen mir…

  • Tatortgucker im Sommerloch

    Jeder brave, redliche und regelmäßige Tatortgucker wie ich einer bin wird gestern wieder zornbebend vor seiner Kiste gesessen haben. Gottseidank hatte meine Liebste ein Gläschen Wein hingestellt. Das hat mich besänftigt. Aber es bleibt eine Unverschämtheit den treuesten Tatortguckern gegenüber, am helllichten Sonntagabend eien Wiederholung zu bringen. Das Sommerloch fängt ja gut an. Normalerweise wären wir jetzt ins Bett gegangen. Aber da kamen wir gerade her. Schließlich war ich um Halb 4 aufgestanden, um die Predigt vorzubereiten und um Ihnen noch ein paar Bildchen von meinem Garten zu knipsen. Und den Nachmittag hatten wir uns auf dem Stadtfest vergnügt. Zum Glück sind wir aufgeblieben, kann ich Ihnen sagen. Denn der…

  • Nicht ohne Schuld

    “Wer unter euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein” – Jesus und die Ehebrecherin war der Predigttext heute. Warum auch immer, mir ist eine Geschichte aus meiner Kindheit eingefallen, die ich Ihnen nicht vorenthalten will: Ich war ein kleiner Junge, mit den anderen Kindern spielte ich im Hof. Es war in den Fünfziger Jahren, wir lebten im Hinterhaus, es gab ein großes Vorderhaus mit 8 Mietparteien, es gab das Werkstattgebäude meines Vaters, es gab ein von den Bomben in Trümmern gelegtes Haus und mitten im Hof stand ein uraltes baufälliges Haus. Man pflegte, wie es damals so war, eine gute Nachbarschaft, kannte sich über Jahrzehnte. Mit den Leuten…