Poesie

Kalenderblatt: Nun bitten wir den Heilgen Geist

Einsmals zu Frankfurt an dem Main Viel Fürsten thäten ziehen ein, Ihrer lutherischen Religion gemäß, Nach dem Stift zu St. Barthelmäs. Als dieser Schluß ward offenbar, Vom Volk ein großer Zulauf war; Da nun ein Zeichen ward geläut, Dadurch die Predigt angedeut, Siehe, da kam ein Priester dar, Der dem Papstthum anhängig war: Trat auf […]

Kalenderblatt: Der kannte die Männer und liebte Gott

Lisette Ein junges Weib, sie hieß Lisette; Dies Weibchen lag an Blattern blind. Nun weiß man wohl, wie junge Weiber sind; Drum durft‘ ihr Mann nicht von dem Bette, So gern er sie verlassen hätte; Denn laßt ein Weib schön wie Cytheren sein, Wenn sie die Blattern hat: so nimmt sie nicht mehr ein. Hier […]

Kalenderblatt: Kein Kaltes Herz. Luise Büchner

Schwarzes Eisen, kalt und spröde, Schelten möchte ich dich nicht, Weil es dir an Lebenswärme Und an Biegsamkeit gebricht. Bist du doch in Feuersgluten Zischend einst emporgewallt, Eh du unter Hammerschlägen Musstest werden starr und kalt. Und, so sollt auch ihr nicht schelten, Wenn ihr seht ein kaltes Herz, Sollt ihm heißes Mitleid zollen, Weil […]

Kalenderblatt: Es will mer net in de Kopp enei

Es gibt Dinge, die sollte es eigentlich nicht geben. Dazu gehören: ein Mädchen ohne Schatz ein Pfäffchen ohne Glatz ein Zipfel ohne Wurst ein Schütze ohne Durst Auf Frankfurterisch gesagt: E Mädche ohne Schatze Päffche ohne Glatze Zippel ohne Worschtun Schitze ohne Dorscht –no, daß merr so was kannfu Dweiwel, was e Schann Nein, dass […]

Kalenderblatt: Über Tagespläne, Mahlzeiten und Zeiten

Als ob der mich kennen würde, schrieb er über meine Arbeitsmoral: gestern machte ich mir einen tagesplan für heute heute stehe ich auf und schaue lange nicht darauf es steht darauf was noch nicht getan ist und noch heute soll das alles getan werden und wer soll es sein der das tut diese frage ist […]

Kalenderblatt: ein armer Großstadtspatz

Anstat der üblichen Statistik Gönnt der Autorin etwas Mystik! Die ganz privaten Lebensdaten Wird euch ihr Grabstein einst verraten. Doch mögt ihr, wollt ihr sie beschenken, Am siebten Juni an sie denken. Das will ich hiermit tun. Wohl meine liebste Dichterin. Voll Melancholie und voll Heiterkeit ihre Gedichte. Heute, am 7. Juni, vor 103 Jahren […]

Menschen getroffen

Ich habe Menschen getroffen, die, wenn man sie nach ihrem Namen fragte, schüchtern – als ob sie gar nicht beanspruchen könnten, auch noch eine Benennung zu haben – „Fräulein Christian“ antworteten und dann: „wie der Vorname“, sie wollten einem die Erfassung erleichtern, kein schwieriger Name wie „Popiol“ oder „Babendererde“ – „wie der Vorname“ – bitte, […]

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