• In Mlalo, der ehemaligen Missionstation

    Nachdem Felsbrocken dem Bus den Weg versperrt hatten, ging es noch ein paar Kilometer zu Fuß durch den Urwald. Es war wohl der gleiche Weg, auf dem sich im Frühjahr 1891 die beiden Missionare mit ihren Trägern nach Mlalo durchgekämpft hatten. Diese Karte der Meyerschen Expedition von 1898 haben die Reisenden wohl benutzt. Neugierige Blicke empfangen uns im Dorf, genauso neugierig sind wir natürlich auch. Das Dorf Mlalo gab es schon lange, bevor hier 1890 eine Missionstation gegründet wurde. Diese Station hat das Leben des Ortes nachhaltig verändert. Im alten Pfarrhaus treffen wir auf Frieda Wohlrab und Agnes Rösler, die uns schon erwarten. Frieda ist 80, Agnes 72. Frieda eine…

  • Nahtod

    Ich ersticke. Oder ertrinke. Um mich herum ist es tiefschwarz. So schwarz, wie ich es noch nie erlebt habe. Jetzt weiß ich, wo ich bin. Tief unten im Brunnenschacht in unserem Hof. Ein enger Schacht, man konnte von oben nicht bis auf den Grund sehen. Nur wenn man einen Stein hinweinwarf, konnte man zählen, wie lange er bis zum Wasser brauchte. Der Schacht war immer zugedeckt, nur in ganz heißen Sommern wurde daraus Wasser hochgeholt. Unsere Eltern haben uns davor immer gewarnt. Nun liege ich im Brunnen unter Wasser und drohe zu ertrinken. Aber das ist kein Wasser, merke ich, so schwarz kann das nicht sein. Es ist Blut. Tiefschwarzes…

  • Gomera. Wie es damals war.

    Im Februar 1984 war ich das erste Mal auf Gomera. Mascha war ein Jahr alt. Im Jahr vorher waren wir mit ihr in Portugal, dort hatte ich nach einem nicht entdeckten Blinddarmdurchbruch eine schwere Operation, wegen der ich über 10 Wochen im Krankenhaus bleiben musste, fünf davon in Lagos, dann wurde ich zurückgeflogen nach Deutschland.  Inzwischen hatte ich mich einigermaßen erholt, aber wir brauchten dringend Urlaub. Wohin im Winter, wenn es einigermaßen warm sein soll?  Eine Kollegin war im Jahr vorher auf Gomera gewesen und war begeistert: „Da müsst Ihr unbedingt hin!“. 1984 guckte man nicht ins Internet, das gab es in dieser Form noch gar nicht. Man ging in…

  • Kalenderblatt: In Lahn bin ich nie gewesen

    Schon oft in meinem Leben war ich in der Lahn und auf der Lahn, aber noch nie in Lahn. In der Lahn war ich als Kind, in einer kleinen Furt bei Aumenau habe ich gegen die Strömung schwimmen gelernt. Und vor 3 Jahren wieder, als ich unfreiwillig im Schiffstunnel in Weilburg baden ging. Ich gehöre zu den wenigen Menschen auf dieser Erde, vermute ich, die von sich behaupten können, schon einmal in einem Schiffstunnel geschwommen zu sein. Auf der Lahn war ich mehrmals: als Kind auf selbtsgebauten Flößen, in den letzten Jahren auf Kanus. Aber in Lahn war ich nie. Diese historische Chance habe ich verpasst. Sie bestand nämlich nur…

  • Barbierisch. Frisörgeschichten

    Meine Mutter selig hätte mich am liebsten dauernd zum Friseur geschickt. Jedenfalls in den Jahren zwischen meinem 18. und 30. Lebensjahr etwa. Wer etwas auf sich hielt, hatte damals lange Haare. Zum Abschied pflegte sie mir immer noch schnell einen Kamm durch die Haare zu ziehen und als ich einmal wirklich beim Frisör, wie das damals noch hieß, war, strahlte sie mich an: “Siehst du, jetzt kann ich dich doch wenigstens wieder lieb haben”. Brrrr…., Mütter sind merkwürdige Wesen. Aber in dieser Zeit war es auch – immerhin war ich aber schon Pfarrer – als ein Frisör, bei dem ich schnell mal vorbeischaute, mich anfuhr: “Mit so Haaren würde ich…