• Verbrecherkinder

    Viel schlimmer ist in meiner Seele aber die Erinnerung an jene Untat eingebrannt, die mir ebenfalls bei dieser Zeitungsnotiz einfiel, über die ich gerade geschrieben habe. Den Blog sollten Sie zuerst lesen sollten. Nicht nur, dass ich auch ein eingesperrtes Kind war, ich habe auch einen Erpresserbrief geschrieben. Zu dieser vernichtenden Wahrheit zu stehen, fällt mir noch heute schwer. Wie dieser arme Junge hatte ich gerade Schreiben gelernt. Wie immer spielten wir im Hof. Aber diesmal hat Ingrid nicht mitgespielt. Ich weiß nicht mehr warum, jedenfalls hat uns das geärgert. Weil dann unsere Bande, die “Schwarze Hand” nicht vollständig war. Also haben Klausi, Reinhold und ich einen teuflischen Plan ausgeheckt.…

  • Aus tiefer Not schrei ich zu dir

    Wer kennt schon die tiefe Not eines kleinen Jungen? Ehrlich gesagt: ich kenne sie! Zum einen, weil in mir selbst immer noch ein kleiner Junge steckt (jetzt lachen Sie nicht los, ich meine das rein bildlich, nicht in Anspielung auf meine Körpergröße), zum anderen, weil ich ein fotografisches Gedächtnis hunderter Szenen aus meiner Kindheit habe. Als ich heute morgen in der Frankfurter Rundschau von der tiefen Not eines kleinen Leidensgenossen las, sind zwei Erinnerungen aus der Tiefe meiner armen Kinderseele in mir hochgestiegen. Was muss in diesem armen kleinen Jungen vorgegangen sein? Eingesperrt und zum Aufräumen verurteilt von einer brutalen Mutter. Wahrscheinlich hatte sie ihm selbst noch geraten, falls er…

  • “Salon Wegener”. Mehr Frisörgeschichten

    In meiner Kindheit war ich bei zwei Frisören, im “Salon Wegener” und bei Onkel Paul. Onkel Paul kam auf dem Dorf zu uns nach Hause. Im Salon Wegner am Herrngarten in Darmstadt gab es sogar Micky Maus Hefte, was damals unter die “Schmutz und Schund”-Kategorie zählte. Aber immerhin war “Salon Wegener” auf Kinder eingestellt. (Da fällt mir auf, dass ich schon lange keine Kinder mehr beim Frisör gesehen habe. Gibt es eigentlich extra Kinderfrisöre?) Im Salon Wegener bedienten ein ganz alter Mann, Herr Wegener selbst, und ein älterer Mann, Herr Mertens. Sie hatten hochmoderne Frisörstühle aus Holz, die sie für Kinder oder andere kleine Menschen in die Höhe fahren konnten.…

  • Nüchtern zur Konfirmation, gar nicht so einfach

    Während meine Liebste sich auf der Terrasse sonnt, muss ich mich mental auf morgen vorbereiten: Konfirmation! Und wie könnte ich das besser, als schnell mal einen kleinen Blog zu schreiben. Meine erste Erinnerung an eine Konfirmation ist wohl die Konfirmation meiner Schwester, das wird 1961 gewesen sein. Mit ihren 14 Jahren sieht sie auf dem Konfirmationsbild schon sehr erwachsen aus, was wohl an den hochtoupierten Haaren liegt, die damals üblich waren. Wenn Sie nicht auch aus dieser Zeit stammen, erraten Sie nicht, was sie damals vor allem geschenkt bekommen hat: Sammeltassen! Das waren hässliche Tassen nebst Untertassen und Teller, die man sich ins “Buffet”, wie die Wohnzimmerschränke hießen, stellen konnte.…

  • Waldbardie

    Gestern ist mir die Entscheidung leicht gefalllen. Ich bin nicht zur “Waldbaddie” gegangen. Ums im feinsten Darmschdädderisch zu sagen: Friejer sinn mer als an Himmelfahrd in de Wald gemacht uff die Waldbaddie. Erstens hat es viel zu stark “gerejend un geschdermd” und zweitens weiß ich gar nicht, ob es diese legendären Waldbardies überhaupt noch gibt, die mit zu den herausragenden Festen meiner Kindheit gehörten. Allein das Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Die “Waldpartie”, um es mal hochdeutsch zu sagen, ist nicht etwa eine “Party” – hell erstaunt war ich, als ich im Englischunterricht zum ersten Mal dieses Wort hörte – sondern ein Ausflug in den Wald,…

  • Kinnerfassnachd

    Fassnachd bei uns dehaam

    Jetzd hab ich Ihne ja schun en klaane Oidruck gegewwe vun Fassnachd bei uns dehaam. Ich kennt Ihne noch viel verzähle, awwer es meiste hod Zeit bis Nechstjohr. Awwer damit se sich e bissje vorschdelle kenne dun, wie des wor, versuch ich Ihne emol des Miljeu zu beschreiwe. Mir hawwe im Wadzeverdel (“Watze”, des sinn uf hochdeitsch die Männcher vun de Säu) gewohnt – mir im Hinnerhaus, die annern all im Vorderhaus, dezwische gabs Trimmer un en große gepflasterte Hof. In dem Haus hawwe zeje (in Worde: 10) Kinner gelebt. Wann aans die Uffgawe gemacht hat, hats an de annere Diern geschellt unn gefrocht: “Derf de Klausi e bissje runnerkumme”.…