"Salon Wegener". Mehr Frisörgeschichten

In meiner Kindheit war ich bei zwei Frisören, im „Salon Wegener“ und bei Onkel Paul.

Im Salon Wegner am Herrngarten in Darmstadt gab es sogar Micky Maus Hefte, was damals unter die „Schmutz und Schund“-Kategorie zählte. Aber immerhin war „Salon Wegener“ auf Kinder eingestellt. (Da fällt mir auf, dass ich schon lange keine Kinder mehr beim Frisör gesehen habe. Gibt es eigentlich extra Kinderfrisöre?)

Im Salon Wegener bedienten ein ganz alter Mann, Herr Wegener selbst, und ein älterer Mann, Herr Mertens. Sie hatten hochmoderne Frisörstühle aus Holz, die sie für Kinder oder andere kleine Menschen in die Höhe fahren konnten.

Für einen soo kleinen Menschen genügte das aber nicht, deshalb gab es im Salon Wegener ein Holzbrett, das dann quer über den Stuhl gelegt wurde, Herr Wegener hob einen dann hoch und setzte einen hoch oben auf das Brett. Lustig, aber ein bisschen peinlich.

Dann bekam man einen Kittel umgehängt und schließlich eine ganz furchtbar kratzende überdimensionale Halskrause aus Krepp, die furchtbar kratzte, zumindest am Anfang, bis sie dann umgeschlagen wurde.

In diesem zarten Alter ist wahrscheinlich meine Friseurkonversationsphobie entstanden.

Mit Grausen erinner ich mich an das Gelächter, das Salon Wegner bei diesem Gespräch erfüllte:

Herr Wegener: „Na, was habt ihr denn am Wochenende gemacht?“
Ich: „Wir waren im Wald!“
Herr Wegener: „Ach im Wald? In welchem dann?“

Hier musste ich kurz überlegen, was „in welchem Wald“ heißen sollte. Ich kannte nur den „Wald“ – das war der Wald um Darmstadt und den „Odenwald“, der war zwar auch nicht weit, aber nur mit dem Bus zu erreichen. Gestern waren wir im Wald, aber besonders tief drinnen, also richtig im Wald, da wo er schon ganz dunkel war. Also wollte ich besonders klug antworten, weil ich dachte, das hieße so:

Ich: „Wir waren im Schwarzwald!“
Herr Wegener (höchst erstaunt): „Im Schwarzwald??? Wie seid Ihr denn da hin gekommen?“
Ich: „Mit der Straßenbahn“

Herr Wegener hätte mir vor Lachen fast die Ohren abgeschnitten. Am Lachen des ganzen Salons merkte ich: ich musste etwas sehr Dummes gesagt haben.

Im Salon Wegener war es auch, dass auf der Theke ein kleiner Werbezettel lag: „R3“ und ich Herrn Wegener neugierig fragte, was das sei. „Ach, das ist noch nichts für dich“.

Sowas hätte es bei Onkel Paul nicht gegeben. Aber von dem erzähle ich Ihnen später.

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2 Kommentare

  1. Ich bin der Salon Wegener aber nicht der in der Geschichte beschrieben. Trotzdem kann ich mich an meine Kindheit erinnern, wo ich auch so einen Friseur mit meinem Opa aufgesucht habe. Nur hieß der Krüger. und war in Berlin ansässig.
    Nun bin ich auch schon viele Jahre im Beruf und mein Sohn wird mich weiter vertreten und unsere Kunden so bedienen, wie es sich gehört. Wer was wissen will, der schaut mal auf
    http://www.salon-wegener.com nach Großziethen
    Viel Spaß

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