Auch ich war ein Wuermeling. Kalenderblatt

Besser gesagt: ich hatte einen. Einen Wuermeling. Das war eine Ausweiskarte in Din A6 mit einem Passfoto auf der Vorderseite. Ausgestellt von der Deutschen Bundesbahn, wie sie damals hieß.

Auf der Rückseite stand der unvergessliche Satz: „Gültig auf allen Strecken der Deutschen Bundesbahn und auf der Kleinbahn Niebüll-Dagebüll“. Natürlich wusste ich nicht, was Niebüll und Dagebüll sein sollten. Google gab es noch nicht, aber in meinem Diercke-Weltatlas habe ich sie schließlich gefunden.

Voller Wiedersehensfreude konnte ich diese beiden kleinen Orte vor 5 Jahren endlich einmal von Angesicht zu Angesicht erleben.

Den Wuermeling hatte ich bis zu meinem 18. Lebensjahr. Er berechtigte, zum halben Preis fahren zu dürfen. Den Wuermeling bekamen alle Kinder aus „kinderreichen“ Familien. Mindestens 4 Kinder mussten da sein.

Den Wuermeling gab es bis 1999. Damals wurde die Bahncard eingeführt und der Wuermeling abgeschafft. Mit dem Unterschied, dass man eine Bahncard beuzahlen musste…

Für kurze Zeit gab es – sie hieß tatsächlich so – die Bahncard Wuermeling.

Heute, am 8. November, vor 110 Jahren wurde Frans-Josef Wuemeling geboren. Er war von 1953 bis 1962 Familienminister. Für Wuermlings Wuermeling werde ich ihm ewig dankbar sein.

Übrigens hatte ich als Kind einer kinderreichen Familie auch einen Ausweis, mit dem ich einmal in der Woche das Darmstädter Hallenbad – ein wunderschönes Jugendstilbad – und zweimal in der Woche die Freibäder besuchen konnte. Später hat die Stadt dann alle Darmstädter Kinder die Freibäder kostenlos besuchen lassen.

Zugegeben, kleine Wohltaten. Aber doch Wohltaten, von denen kinderreiche Familien heute nur noch träumen können.

Kleiner Nachtrag siehe Kommentare: der Enkel hat sich bei mir bedankt.

Verwandte Beiträge

3 Kommentare

  1. Pingback: » nichtallzufromm

  2. Herzlichen Dank – freundlich geschrieben – übrigens gabs den „Wuermeling-Ausweis“ bereits ab 3 Kindern.

    Schönen Tag und weiter gute Erinnerungen!
    Michael Wuermeling (Enkel von Dr. Franz Josef Wuermeling)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.