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Eine Reise durch Katalonien (1)

Nie hätte ich mir die Costa Brava so vorgestellt, wie sie mir hier in diesem kleinen Badeort begegnet. Die Costa Brava, das war in meiner Jugend in den 60ern ja das Wunschziel der Deutschen nach den ersten Urlaubsorten in Italien. Und dann in den 70ern war das nahegelegen Torremolinos noch der Treffpunkt der Hippies der Welt.

Wandern, Baden, Kultur, Stadt und Land – unsere Fahrt im September durch den Osten Katalonien verband alles. Dieses Mal fuhren wir mit dem eigenen Auto. Von Wetzlar aus sind es 1.350 Kilometer nach Barcelona. Letztes Jahr nach Andalusien wäre es doppelt so weit gewesen. Aber ich muss zugeben: bei so langen Autofahrten merke ich, dass ich älter werden. Früher bin ich solche Strecken fast am Stück durchgefahren, heute wird es mir doch ein bisschen lang, obwohl ich immer noch gerne Auto fahre und ich mich mit der Liebsten abwechseln kann. Aber in Frankreich ziehen sich die Autobahnen ganz schön – und die abwechslungsreichere Fahrt über die Landstraßen wäre uns doch zu lang gewesen.

In diesem ersten Teil erzähle ich über die Anfahrt durch Frankreich und die Wanderung an der Costa Brava.

Es folgen noch zwei Teile:

  • Rund um Girona
  • Fünf Tage in Barcelona (folgt)

Durch Frankreich: Besançon

Hinzus wollten wir gemütlich fahren und so haben wir sogar zwei Zwischenstopps geplant bei jeweils einem Drittel der Strecke. Besançon und La Grande-Motte bei Montpellier waren unsere Ziele.

In den Mittagsstunden waren wir in Besançon und hatten Zeit zu einem kleinen Stadtrundgang vom zentral gelegenen Hotel durch die schöne Altstadt.

Markt in Besançon
Markt in Besançon

Karussell auf dem Marktplatz
Auf dem Marktplatz
An der Doubs
An der Doubs

Am nächsten Mittag kamen wir in Grand La-Motte an, fanden nach einigem Hin und Her das Hotel – um zu erfahren, dass ich Dummkopf erst für morgen reserviert hatte. Aber der freundliche Mensch an der Rezeption ermöglichte die Stornierung durch Booking Com, obwohl die Frist tags zuvor abgelaufen war und bot sich sogar an, nach einer Alternative herumzutelefonieren.

Kleine Nachbarorte erwiesen sich als sehr malerisch, aber völlig überlaufen und wir mussten ein Stück bis Arles zurückfahren. Von der Stadt sahen wir nichts, dafür gab es einen schönen Pool und abends kam dann ein großer Trupp malerisch verkleideter Menschen. Toreros, wie sich herausstellte, von einem Stierkampffestival.

Wanderung an der Costa Brava

Die ersten zehn Tage in Katalonien haben wir eine Wanderung an der Costa Brava mit einem Badeaufenthalt verbunden. Die Wanderung sollte uns von Sant Feliu de Guíxols nach Begur führen und unterwegs wollten wir in Calella de Palafrugell unterbrechen. Beides hatten wir übrigens individuell über einen Anbieter gebucht, mit dem wir bereits bei unserer Wanderung auf dem portugiesischen Jakobsweg und unsere Reise durch Galizien gute Erfahrungen gemacht hatten. Diesmal hat er uns für eine „Genusswanderung“ wieder wunderbare Hotels mit Halbpension gebucht. Nähere Infos gibt es gerne auf Anfrage.

Landkarte mit Stationen
Etappen der Wanderung

Begonnen haben wir im Hotel S’Agaró, einem komfortablen Hotel, in dem wir dann auch unser Auto für die erste Hälfte der Wanderung stehen lassen konnten. Natürlich, wie es sich gehört, mit offenem Seitenfenster. Das hätte bei stürmischem Regen durchaus zu Misslichkeiten führen und vielleicht auch Diebe anziehen können. Tat es aber nicht, der aufmerksame Wächter verhüllte das Fenster und Diebe gab es anscheinend auch keine.

In S'Agaró
In S’Agaró

Von S’Agarò, wie auch die Bucht heißt, geht es am nächsten Tag etwas aufwärts. Wir folgen dabei dem Camí de Ronda, dem Wanderweg entlang der Costa Brava. Bisweilen werden wir von ihm abweichen, wenn er für mich als Herzkranken zu beschwerlich würde. Aber heute folgen wir ihm zunächst einmal.

Auf dem Camí de Ronda
Auf dem Camí de Ronda

Wir wandern rund um die kleine Felszunge Punta d’en Pau auf einem breiten, schönen Weg. Immer wieder eröffnen sich herrliche Aussichten auf das Meer und schöne kleine Buchten.

Den Yachthafen Port d’Aro muss man umrunden, bevor man dann wieder am schönen Strand entlanggehen kann.

Kurze Rast
Kurze Rast

Die Markierung zeigt, wo ich da gerade sitze und das Bild zeigt auch, wie es doch bergauf und -ab geht.

Wieder am Strand geht es dann fünf Kilometer an der Strandpromenade von Sant Antoni de Calonge entlang, bis wir dann nach Palamós kommen, unserem heutigen Etappenziel. Hier geht es dann aber noch einmal schwitzend und treppensteigend bergauf, bis wir nach einer Dreiviertelstunde endlich unser Hotel erreicht haben. Glücklicherweise hat es einen schönen Pool, in dem wir uns vor dem Abendessen etwas erholen können.

Am nächsten Tag soll es auch schon nach Calella de Palafrugell gehen, wo wir dann unseren Badeurlaub einschieben werden. So beschwerlich der Aufstieg gestern zu unserem Hotel war, so schon ist der Weg von hier aus nach unten zum Strand.

Die Liebste unterwegs
Die Liebste unterwegs

Der Weg ist heute noch schöner – und auch manchmal wilder – als gestern. Er führt uns auch nicht am Strand entlang, sondern auf schmalen Stiegen durch die Berge. Manchmal müssen wir durch enge, dunkle Tunnels gehen.

Blick zurück
Blick zurück

In einer kleinen Bucht essen wir in einem Strandlokal zu Mittag Muscheln.

Kleine Buchten
Kleine Buchten

Vom Cap Roig aus sehen wir dann bereits unser Ziel Calella de Palafrugell. Das Cap Roig ist ein wunderschönes Fleckchen Erde. Hierher werden wir dann die Tage noch einmal eine kleine Wanderung unternehmen.

Blick auf Calella de Palafrugell

Zum Ort hin geht der Weg erst noch einmal steil nach oben, dann Treppchen wieder nach unten und schließlich kommen wir überraschend unterhalb unseres Hotels vorbei, in dem wir die nächste Woche verbringen werden.

Calella de Palafrugell

Unser Hotel gefällt uns auf Anhieb. Es liegt auf einem Felsen oberhalb des kleinen Ortes. Wir haben eine große Terrasse, die einen wunderschönen Ausblick auf das Meer bietet.

Das Hotel Sant Roc auf dem Felsen
Hotel Sant Roc
Sonnenaufgang von der Terrasse
Sonnenaufgang von der Terrasse
Yoga am Morgen
Yoga am Morgen

Im Ort merkt man noch das ursprüngliche kleine Fischerdorf, das Calella de Palafrugell einmal war. Vom Massentourismus ist hier nicht viel zu spüren. Baden kann man an mehren kleine Felsbuchten, eine liegt direkt unterhalb des Hotels. Aber auch die nächste ist nur ein paar Meter entfernt und bietet in der Nachmittagssonne etwas mehr Schatten.

Die Sonne ist im Schatten am schönsten
Die Sonne ist im Schatten am schönsten

Seinen Namen hat der kleine Ort von der fünf Kilometer entfernten Kreisstadt Palafrugell. Im September fährt noch halbstündlich ein kleiner Bus, der eine Rundfahrt zu den Sehenswürdigkeiten der Gegend verbindet. Mit einer Tageskarte können wir so oft ein- und aussteigen, wie wir wollen und so fahren wir natürlich an einem Samstag nach Palafrugell, wenn dort Markt ist.

Markt in Palafrugell
Markt in Palafrugell
Kleiderladen
Kleiderladen
Kirche in Palafrugell
Kirche in Palafrugell

Llafranc

Am nächsten Tag setzen wir unsere Wanderung fort, aber nur für einen Mini-Mini-Abschnitt. Wir „wandern“ nämlich nur nach Llafranc, dem nur zwei Kilometer entfernt liegenden Nachbarort. Der Veranstalter hatte eine Rundwanderung um den nahegelegenen Leuchtturm Far de Sant Sebastià empfohlen. Wir müssen umplanen, weil wir ja unser Auto noch am Ausgangsort der Wanderung stehen haben. Wir beschließen also, den Weg nach Llafranc zu gehen, dort zu übernachten und am nächsten Tag nach S’Agarò zu fahren.

Wir übernachten in einem Hotel direkt am Strand und wir können noch ein bisschen im Meer baden. Zum letzten Mal für diese Reise, was wir aber noch nicht wissen.

Aussicht vom Hotel
Erfrischung

Am nächsten Tag fahren wir mit dem Bus zurück zur Ausgangsstation unserer Wanderung, holen unser glücklicherweise trockengebliebenes Auto und fahren damit zurück nach Llafranc.

Begur

Nach Begur fahren wir nach unserer Wanderung an der Costa Brava. Station machen wir am kleinen Leuchtturm St. Sebastià in der Nähe. Von hier und von unterwegs hat man eine herrliche Aussicht auf die Costa Brava.

Leuchhturm hinter einem schönen Tor
Leuchtturm St. Sebastià
Blick auf zwei Buchten der Costa Brava, vorne Palfrugell
Blick zurück nach Palafrugell

Wir wohnen mitten im Städtchen in der Fußgängerzone. Die ist aber so schön, dass wir dort gerne wohnen. Wir haben auch einen klitzekleinen Balkon, von dem aus wir auf das Treiben in der Gasse unten hinunterblicken können.

Enge Gasse, links und rechts Häuser mit kleinen Balkonen. Blick auf die Burg
„Unsere“ Gasse in Begur

Auf dem Bild ist die Liebste schon unterwegs zur Burg, die die Stadt überthront. Sie stammt aus dem 11. Jahrhundert, wurde aber ein paar Mal zerstört und wieder aufgebaut. Heute gibt es nur noch ein paar Mauern, aber der Aufstieg lohnt sich unbedingt.

Wir kommen vorbei an der Kapelle Sant Ramon, einer kleinen barocken Kapelle aus dem frühen 17. Jahrhundert. Leider ist sie nur zu Festen geöffnet.

Die kleine Kaplle, davor die Statue einer Flamencotänzerin, davor die Liebste.
Zwei Flamencotänzerinnen vor der Kapelle

Die Statue gegenüber der Kapelle stellt eine Flamencotänzerin dar. Es gibt ein weiteres Monument in Begur, das der großen Flamencotänzerin Carmen Amaya gewidmet ist. An dieser Stelle soll la Capitana ihren letzten Tanz aufgeführt haben. Wer sie war und wie es zu dieser Aufführung kam, wird von Nicole Biarnés in Freibeuterreisen sehr schön geschildert.

Gegenüber der Kapelle ist auch der Aussichtspunkt St. Ramon. Von hier blickt man hinunter auf den Strand
Platja de l’Illa Roja und die Medes-Inseln. das ist eine kleine unbewohnte Inselgruppe, die unter strengem Naturschutz steht. Sie kann nur mit fachkundiger Begleitung besucht werden. Um sie herum ist wohl die schönste Unterwasserwelt des Mittelmeers.

Blick auf das Meer
Die Liebste sitzt auf den Mauern der Burgruine, hinter ihr weht die Spanische Flagge.
Auf der Burgruine

Von dort oben hat man eine wunderschöne Aussicht auf die Stadt und die Küste, die hier besonders schön und zerklüftet ist.

Blick auf die Stadt
Blick auf das Meer

Im Zentrum der Stadt liegt auch die Kirche Sant Pere mit ihren farbenfrohen Fenstern.

Kirche Sant Pere

Gleich gegenüber unserem Hotel liegt das Havanna. Hier kann man vorzüglich kubanisch essen. Hält man die Augen offen, sieht man in Begur eine ganze Reihe stattlicher Häuser. Sie wurden von los indianos errichtet. Zwischen dem Ende des 18. und dem Beginn des 20. Jahrhunderts waren aufgrund der wirtschaftlichen Lage etwa 500 junge Männer aus Begur nach Südamerika ausgewandert. Einige von ihnen kehrten als wohlhabende Männer in ihre Heimat zurück und errichteten prunkvolle Häuser.

Hinter einer Säulenreihe zeigt die Hauswand Bilder aus der Karibik
Die Casa Can Sora wurde 1870 von der Familie Cama Martí erbaut
Casa Vicenç Ferrer Bataller

Das Casino Cultural wurde von den indianos 1870 eröffnet. Dort fabekannte Kulturzentrum wurde 1870 als Ort der Erholung und Unterhaltung eröffnet und diente als Veranstaltungsort für Tanzveranstaltungen, Feste, Theateraufführungen und andere Veranstaltungen. Heute ist dort ein Kino.

Casa Pere Pont

Auch über die Geschichte der indianos findet Ihr viel im Freibeuter-Blog. Es gibt auch eine eigene Seite zu ihrer Geschichte und Kultur.

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