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Lahnwanderung: Von Sterzhausen nach Friedensdorf

Nach einem Jahr geht es weiter mit unserer Lahnwanderung, mittlerweile die 17. Etappe. Überraschenderweise führt sie noch einmal durch fast ebenes Gelände, oft Lahnauen. Es wird eine sehr schöne Wanderung durch eine schöne Landschaft, wenn auch häufig auf asphaltierten Straßen. Aber es sind fast ausschließlich landwirtschaftlich genutzte Nebenstraßen oder auch Teile des Lahnradwegs, der Verkehr hält sich in Grenzen.

Für diesen ersten wirklich warmen Tag des Jahres brennt die Sonne schon ganz schön und Schatten gibt es auf unserer Wanderung nicht allzu oft.

Wir beginnen unsere Wanderung am Bahnhof in Sterzhausen, wo wir vor über einem Jahr auch unsere letzte Etappe beendet haben. Für aufmerksame Leserinnen und Leser: für die beiden letzten Etappen gibt es noch keine Beiträge, die folgen aber in Kürze (falls ich meine Schreibhemmung überwinde, aber es warten auch noch Beiträge zu unserer Katalonienreise und sogar noch zum Ende unserer Andalusienreise vor zwei Jahren. So What.)

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Nach Sterzhausen kommen wir, indem wir mit dem Auto zu unserem Zielort Friedensdorf fahren. Von dort aus soll ein Schienenersatz-Bus Richtung Marburg mit Halt in Sterzhausen fahren. Wie immer sorgt die Bahn für die nötige Aufregung: die App des Verkehrsverbundes sagt „Ersatzverkehr“, an der Haltestelle hängt ein Schild, das uns verkündet, dass der Ersatzverkehr nur bis gestern ging. Ein junger Mann, der am Bahnsteig sitzt und wartet, weiß es auch nicht besser. Sowohl Schilder als auch App haben uns schon getäuscht. Aber zum Glück kann man sich direkt zwischen Bahnsteig und Bushaltestelle stellen und so notfalls bei beiden Versionen einsteigen. Eine junge Frau, die dazu kommt, weiß schließlich Bescheid. Nein, es fahre der Bus. Ja, das wisse sie ganz sicher. Das Schild sei trotzdem richtig, weil diese Umleitung nur bis gestern ging. Aber es hänge noch nicht das neue Schild, dass ab heute eine neue Umleitung beginnne…

Bei den Sterzhausener Kiesteichen
Bei den Sterzhausener Kiesteichen

Eigentlich wollten wir ja die Wanderung eine Bahnstation später in Goßfelden beginnen, um an den Kiesteichen vorbeizukommen, die ganz schön sein sollen. Aber in der Aufregung hatte ich dann nur Sterzhausen im Kopf, weil wir dort Zwischenrast machen wollten. Wir haben noch eine Stunde Zeit bis zum reservierten Mittagstisch und gehen noch ein Stück Richtung Teiche. Und tatsächlich ist es da ganz schön, wie das Foto oben beweist.

Und nicht nur schön: die Seen gehören zum

Zurück zum Ort muss man aber an den zugehörigen Kieswerken vorbei, das ist nicht ganz so schön. Mit einem schönen Mittagessen im „Wittgensteiner Hof“ werden wir entschädigt und gestärkt für die Wanderung.

Taubenschlag in Sterzhausen
Taubenschlag in Sterzhausen

Hinter Sterzhausen beginnt die Auenlandschaft, durch die sich auch der Mühlgraben parallel zur Lahn zieht. Wunderschön anzuschauen, kommen die Auen der Regeneration der Landschaft zugute. Die Flächen dienen heute dem Hochwasserschutz, indem sie Wasser zurückhalten oder gezielt ableiten und damit die angrenzenden Häuser und „Unterlieger“, also flussabwärts liegende Häuser schützen sollen. Sie werden mit robusten Tierrassen ganzjährig beweidet.

Dadurch entstehen Gebiete, die sehr struktur- und artenreich sind: Schmackhafte Pflanzen werden von den Tieren gefressen, bittere oder stachelige übrig gelassen. Einige Flächen sind intensiv beweidet, andere werden kaum aufgesucht, weil das dortige Futter nicht schmeckt. Verschiedene Weidetiere zeigen unterschiedliches Fressverhalten: Rinder umschlingen Gras mit der Zunge und reißen es ab, Pferde hingegen oder auch Schafe verbeißen Gras mit ihren Zähnen bis fast auf den Boden. Diese unterschiedliche Besiedlung erzeugt wiederum unterschiedliche Landschaftsarten, die durch eine Vielzahl von Insekten, Vögeln und anderen Tieren der „wilden Weiden“ sind. Dung besiedelnde Insektenarten spielen als Nahrung für verschiedene Fledermausarten eine besondere Rolle, da sie in unserer heutigen Kulturlandschaft nur noch selten vorkommen. (Informationen auf Tafeln)

Auenlandschaft
Auenlandschaft
Insektenturm
Insektenturm

Wir durchqueren Caldern, kommen vorbei an der Mühlenbäckerei und der Nicolaikirche, die wir aber nicht besichtigen können. Sogar ein ehemaliges Zisterzienserinnen-Kloster gibt es hier, zu sehen sind aber nur noch die Grundmauern.

Frühjahr am Ortsausgang Caldern
Frühjahr am Ortsausgang Caldern

Der Mühlgraben zweigt bei einem Stauwehr bei Kernbach von der Lahn ab.

Stauwehr bei Kernbach
Stauwehr bei Kernbach

Etwa einen Kilometer weiter gibt es eine Fischtreppe (Fischabstieg), auch eine der vielen Maßnahmez zur Regeneration der Landschaft und Artenvielfalt.

Gefühlt seit meiner Kindheit habe ich schon keinen Bauern mehr gesehen, der „die Rösslein einspannt“. Gut, wir haben Anfang April, aber das war im Lied mitgemeint.

Im Märzen der Bauer... Bauer eggt das Fald mit drei Pferden.
Im Märzen der Bauer…

Als Kind bin ich selbst noch mit den Pferden aufs Feld gefahren. Unser Nachbar Fritzepat in Aumenau hatte als allererster im Dorf einen Traktor. Der stand auf dem Hof unter einer Schutzplane, aber er nahm die Gäule. Als ich ihn einmal fragte: „Pat, warum nimmst du nie deinen Traktor, wenn du aufs Feld fährst?“, antwortete er: „Waasde, an dere aale Goil kann eich naud mehr kaputtfahre“ (An den alten Pferden kann ich nichts mehr kaputtfahren). Er war halt auch schon ein alter Bauer und zusammen waren seine Goil und er lange aufs Feld gefahren. Warum sollte er daran etwas ändern?

Das historische Carlshütte-Gebäude
Das historische Carlshütte-Gebäude

Hinter Buchenau kommen wir noch an einem interessanten Gebäude vorbei, der Carlshütte. Die „Carlshedde“ wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von Friedrich Carl Klein als letzte Eisenhütte im Oberen Lahntal gebaut. Als das unrentabel wurde, spezialisierte man sich auf Gussöfen.

Von hier aus haben wir immer noch zwei Kilometer zu gehen. Die Füße und Beine tun uns beiden weh, als wir am abgestellten Auto ankommen.

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