Wir erwandern die Lahn

Mit der Lahn verbindet mich viel. Sie ist der Fluss, in dem ich in Aumenau das Schwimmen lernte, als Kind auf einem selbstgebauten Floß treiben ließ, den gefährlichen Leinpfad entlang ging.

Aumenau

Aumenau

Meine Großeltern hatten einen Garten direkt an der Lahn, durch ein kleines Tor konnten wir hinunter zum Fluss und nebenan auf der Brückenkonstruktion klettern.

Wie oft bin ich als Kind mit dem Zug – zuerst noch mit der Dampflok – von Limburg aus bis Aumenau gefahren. Jeder Blick war mir vertraut.

In den Siebzigern habe ich in Marburg an der Lahn studiert. Noch heute fahren wir mindestens zweimal im Jahr dorthin, weil es eine so schöne Stadt ist und der Fluss so schön.

Heute, als alter Mann, wohne ich wieder an der Lahn und sehe sie täglich. Was liegt näher, als die Lahn weiter zu erkunden?

Also haben wir uns vorgenommen, sie von der Quelle bis zur Mündung zu erwandern.

Vier Etappen sind wir nun schon von Wetzlar aus zunächst flussabwärts gewandert:

  • von Wetzlar nach Braunfels
  • von Braunfels nach Weilburg
  • von Weilburg nach Aumenau
  • von Aumenau nach Runkel

Die Wanderwege

Entlang der Lahn führen zwei bzw. drei große offizielle Wanderwege: Der Lahnwanderweg und der Lahnhöhenweg, der in Wetzlar beginnt und den es in der Taunus- und in der Westerwaldvariante gibt. Sie sind im Internet ganz gut dokumentiert. Dort werden für den Lahnwanderweg 19 Etappen vorgeschlagen.

Jakobsweg bei Wetzlar

Jakobsweg bei Wetzlar

Von Wetzlar nach Niederlahnstein führt entlang des Westerwälder Lahnhöhenwegs auch der Lahn-Camino, also der Jakobsweg. Nach Wetzlar führt ein Zubringer vom „Elisabethpfad“, der von Eisenach nach Marburg führt.

Wir orientieren uns an beiden Wegen, suchen dann aber oft unseren eigenen Weg.

Radwege

Man kann die Lahn entlang auch gut mit dem Rad fahren. Der Lahnradweg führt ebenfalls von der Quelle bis zur Mündung und ist gut beschildert.

Mit dem Boot

Mit dem Kanu bin ich nun einige Male auf der Lahn gefahren, mit der Liebsten von Gräveneck über Aumenau nach Runkel, mit meinen Konfirmanden von Aumenau nach Runkel und mit einem Betriebsausflug meiner Gemeinde von Weilburg durch den in Europa einmaligen Schiffstunnel nach Aumenau.

Nicht motorisierte Boote können die Lahn von Roth bei Marburg bis zur Mündung befahren. Schiffbar ist sie etwa ab Gießen. Überall an der Lahn findet man Verleihstationen.

Die ersten Etappen flussabwärts

Von Wetzlar nach Braunfels

Von Wetzlar nach Braunfels sind wir auf dem Lahnhöhenweg gewandert, also auf dem Jakobsweg. Er führt nicht an der Lahn entlang, sondern aus gutem Grund durch die schöne Landschaft des Hinterlandes.

Er beginnt ganz in unserer Nähe bei den ehemaligen Leitz-Werken und führt dann hinauf auf den Kalsmunt, von dem man einen herrlichen Blick auf Wetzlar hat, 300 m von unserem Haus entfernt.

Advent auf dem Kalsmunt

Advent auf dem Kalsmunt

Blick vom Kalsmunt

Blick vom Kalsmunt

Dann geht er über die Hügel hinab ins Siebenmühlental zur Honigmühle. Diesen Weg sind wir schon oft gegangen, ist die Honigmühle doch ein Stammlokal.

Honigmühle

Honigmühle

Rast unterwegs

Rast unterwegs

Dann führt der Weg weiter über den Stoppelberg nach Laufdorf und durch das Solmser Land nach Braunfels.

Braunfels

Braunfels

Schloss Braunfels

Schloss Braunfels

Von Braunfels nach Weilburg

Diesen Weg sind wir in entgegengesetzter Richtung gelaufen. Wir starteten in Weilburg und wanderten entlang des Lahnwanderweges nach Leun, der Bahnstation von Braunfels unterhalb des Berges. Von hier führt ein steiler Weg hoch nach Braunfels.

Weilburger Schloss

Weilburger Schloss

Verladestation Allerheiligen Weilburg-Ahausen

Verladestation Allerheiligen Weilburg-Ahausen

Schleuse mit Löhnberger Mühle

Schleuse mit Löhnberger Mühle

Weg versperrt

Weg versperrt

Schlosskirche Löhnberg

Schlosskirche Löhnberg

Von Weilburg nach Aumenau

Auch diesen Weg sind wir flussaufwärts gelaufen. Er führte uns knapp 20 km auf den Lahnhöhen von Aumenau nach Weilburg.

Mit Aumenau verbinden sich unzählige Kindheitserinnerungen. Hier wurde meine Mutter geboren, ich war dort oft in den Ferien und im ersten und zweiten Schuljahr sogar eine Zeit einmal in der kleinen Dorfschule.

Natürlich hat es sich sehr verändert. Aber man erkennt die alten Häuser und Höfe noch wieder, in denen früher Oma und Opa und um die Ecke Fritze Pat, Hannese Pat und wie sie alle hießen, gewohnt haben. Meine Großeltern hatten einen Garten an der Lahn, direkt hier neben der Brücke gegenüber der heutigen Apotheke. Früher war da „Ketters“, ein Gemischtwarenladen. Aus dem Garten konnten wir direkt an die Lahn laufen. Die Frauen haben hier manchmal noch ihre Wäsche gebleicht.

Aumenau

Aumenau

Dieses Mal war der Weg ziemlich anstrengend. Vor allem im Waldstück zwischen Gräveneck und Weilburg, fernab jeder Straße oder auch nur jedes größeren Weges, gab es fast kein Durchkommen mehr. Der Sturm hatte überall Bäume umgehauen, die wir überwinden mussten. Manchmal musste man unter dichtem Nadelwerk durchkrabbeln – und nie wussten wir, ob es dann wirklich weiter geht.

Eine gute Übung für den Portugiesischen Jakobsweg, den wir zwei knapp zwei Wochen später erwanderten.

Von Aumenau nach Runkel

Ein schöner Weg führte uns von Aumenau aus über die Höhen des hier auslaufenden Westerwaldes zurück zur Lahn.

Blick auf Seelbach

Blick auf Seelbach

Ich erinnere mich, als Kind vor nun über sechzig Jahren einen Teil dieses Weges gewandert zu sein. Es war ein Ausflug an Himmelfahrt. Wir wanderten nach Arfurt und setzten dort mit der Fähre über. Ich glaube, das war die erste Fähre, die ich erlebte. Sie hatte keinen Motor und wurde an einem Seil über den Fluss gezogen.

Ich habe das einmal nachgegoogelt – und tatsächlich: „Bis in die 1960er Jahre gab es einen Fährverkehr über die Lahn nach Villmar.“

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