Die Sage vom Wotansfelsen und Burg Laurenstein. Die Lahn erwandern: Von Balduinstein nach Laurenburg

Die mittlerweile schon siebte Etappe unsere Lahnwanderung führt uns von Balduinstein nach Laurenburg. Selbst meine große Schwester fragt „Hä, wo liegt denn das?“, obwohl sie an der Lahn geboren ist.

Beides sind kleine Orte zwischen Limburg und Bad Ems, um die einigermaßen bekannten Orte zu nennen. Sie liegen vor und hinter einer Lahnschleife. Die haben wir umwandert, obwohl sie sicher einen Besuch wert gewesen wäre.

Denn in dieser Lahnschleife liegt „die schönste Sackgasse der Welt“. Das meint jedenfalls die Gemeinde Cramberg, die auf der Halbinsel liegt, in die hinein nur eine Straße, eben eine Sackgasse, führt.

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Die „offizielle“ Etappe des Lahnwanderwegs, wenn es so etwas gibt, führt von Balduinstein bis Obernhof, das war uns zu weit und vor allem war uns der Weg zu steil. Ich wiederhole mich, aber nach meiner Herzoperation kann ich zwar auch wieder Steigungen überwinden, aber das ist anstrengend und gar zu steil dürfen sie nicht sein.

Wir haben uns also einen Weg ausgesucht, der nur wenige allzu großen Steigungen beinhaltet.

Leider – das ist uns bewusst – verzichten wir damit auf einen Weg mit sehr schönen Aussichtspunkten.

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Hier im unteren Lahntal hat der Wanderer das Glück, dass die Bahnhöfe alle an der Lahn liegen. Wir fahren mit dem Auto zu unserem Zielort Laurenburg und fahren von da mit der Bahn eine Station nach Balduinstein.

Vom schönen Bahnhof Balduinstein, den wir ja schon von unserer letzten Etappe kennen, gehen wir über die Lahnbrücke hinüber auf die Westerwaldseite.

Von der Brücke aus fotografiere ich gleich einmal das, was ich zunächst für eine kleine Fähre halte, sich aber später als eines der Hausboote herausstellt, die inzwischen an der Lahn vermietet werden.

Die "Fähre" entpuppt sich als Hausboot
Die „Fähre“ entpuppt sich als Hausboot

Dann gibt es eine kleine Enttäuschung: es stellt sich heraus, dass unser Wanderweg zunächst einmal ein Straße ist und ein Blick in die Karte zeigt, dass er das im ersten Teil auch bleiben wird.

Aber es ist eine nur mäßig befahrene Straße, auf der nur ab und zu mal vor allem Motorradfahrer entlangkommen – und Postautos. Selten habe ich auf einer Straße so viele Postautos gesehen.

So wird die Wanderung erst einmal zu einem Spaziergang. Der führt meist an der Lahn entlang und ist ziemlich idyllisch. Bereut haben wir diesen Weg also nicht.

Wir haben noch einmal einen schönen Ausblick auf Balduinstein mit Burg Balduin.

Balduinstein
Balduinstein

Hier im unteren Teil ist die Lahn ja schiffbar und man kommt ab und zu auch an einer Schleuse vorbei.

Vom Rhein aus kann die Lahn bis Runkel (bzw. bis zu den Stromschnellen vor Steeden“) befahren werden, ab da kann man nur noch mit Kanus oder ganz kleinen Booten mit wenig Tiefgang fahren und ab Wetzlar dann nur noch mit Kanus, weil ab und zu Stromschnellen umtragen werden müssen.

Das hier ist natürlich nur ein kleiner Nebenarm, der zu einem kleinen Bootshafen führt.

Kleines Gespräch am Gartenzaun
Kleines Gespräch am Gartenzaun
Was zu Essen gibt es auch...
Was zu Essen gibt es auch…

Auf einem kleinen Parkplatz (an dem hintereinander zwei Postautos Rast machen) machen wir eine kleine Verschnaufpause und essen die mitgebrachten Brote – um dann festzustellen, dass wir ja eigentlich direkt vor unserer Zwischenetappe, dem Dörfchen Geilnau sind.

Wir überlegen noch einmal, aber es ist Mittagszeit und „Breuers Lahnterrasse“ ist die einzige Möglichkeit überhaupt auf unserem Weg, einzukehren. Keine schlechte Wahl, wie sich herausstellt. Wir sitzen wirklich über der Lahn. haben einen schönen Ausblick und die nette Wirtin serviert uns hausgemachte Käsespätzle, mir mit einem Leberkäse mit Spiegelei. Köstlich.

Breuers Lahnterrasse müssen wir aber erst einmal suchen, es gibt zwar überall Hinweiszettel, aber von dem Lahnweg aus, auf den wir kurz vor Geilnau schließlich gehen konnten, sehen wir nicht, wo wir hoch zur Hauptstraße abbiegen müssen.

Hausboot speeded vorbei
Hausboot speeded vorbei

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Hinter Geilnau müssen wir dann doch den Berg hoch. Nicht gar so steil, aber doch mit 6%, wie da extra steht (für Radfahrer, aber ich lese es trotzdem), gehen wir einen serpentinenartig angelegten Weg nach oben.

Übrigens könnt Ihr auf den eingebetteten „Komoot“-Karten durch Ziehen der Markierung im Höhenprofil den Weg und die jeweilige Höhe und Steigung verfolgen.

Von der Höhe aus sieht man die Schleuse Scheidt.

Lahnschleuse bei Scheidt
Lahnschleuse bei Scheidt

Scheidt selbst liegt oben auf der Anhöhe über der Lahn, von dort aus geht der Weg wieder bergab zur Lahn.

Am Weg sehen wir ein kleines Schild „Zum Aussichtspunkt Wotansfelsen“. Ein kleiner Trampelpfad, auf dem ich fast wieder Höhenangst bekomme, so schmal und nach beiden Seiten abschüssig ist er. Er führt uns dann wirklich zum Wotansfelsen,

Der Weg lohnt sich. Der Wotansfelsen ist ein frei herausragender Felsvorsprung im Schieferberg oberhalb Laurenburgs. Von hier aus hat man eine wunderbare Aussicht auf die Laurenburg und die Lahn.

Der Wotansfelsen mit Burg Laurenburg
Der Wotansfelsen mit Burg Laurenburg

Vorher ist auf einer alten Tafel eine Sage aufgeschrieben, was es mit diesem Felsen auf sich hat. Ich gab mich der irrigen Meinung hin, im Internet fände ich alles, aber die Geschichte fand ich nirgends.

So unbekannt die Laurenburg ist, sie ist geschichsträchtig. Ist sie doch die Stammburg der Nassauer und der Oranier. Schon um 1090 wurde die Burg unter Graf Dudo von Laurenburg gebaut. Der war der erste bekannte Vertreter des Hauses Nassau.

Wann die Burg zerstört wurde, ist nicht bekannt. Später wurde nur der Burgfried wieder aufgerichtet.

Diese Sage erzählt jedoch, dass Dudo und seine Nachfahren fromme Männer waren. Eines Tages kam ein merkwürdig charismatischer alter, Ehrfurcht erweckender alter Mann an das Tor der Burg. Dudo hieß ihn willkommen. Von un an kam er einmal im Jahr zur Sonnenwende zur Burg – bis er in einem Jahr nicht mehr kam.

Dudo ließ ihn suchen und fand den im Sterben Liegenden. Der sagte ihm, Dudo sei der einzige gewesen, der immer gut zu ihm gewesen sei. Deshalb erzählte er ihm das Geheimnis des Wotansfelsen. Alljährlich zur Sonnenwende müsse hier ein frommer Mann einen Krug mit Wasser ausgießen und dazu einen geheimen Spruch aufsagen, den er ihm dann zuflüsterte.

Daran hielt sich Dudo, sein Sohn und alle seine Nachfahren. Der geheime Spruch wurde von Generation zu Generation an den Erstgeborenen überliefert, der dann jährlich zur Sonnenwende zum Wotansfelsen stieg. Der Spruch aber wurde niemandem weitergegeben.

Es kam, wie es kommen musste: nach vielen Generationen kam ein Graf, der das alles für Weibergewäsch hielt und trotz heftigem Bitten des Burgvogtes nicht mehr zum Felsen steigen wollte.

Was soll ich Euch sagen: im gleich Jahr zogen Landsknechte ein und verwüsteten die Burg!!!

Burg Laurenstein

Die Geschichte habe ich aus meinem schwächer werdenden Gedächtnis aufgeschrieben, vielleicht hat es mich getäuscht. Sollte dies also jemand lesen, der die wahre Sage kennt oder Zeit und Lust hat, darob zum Felsen zu wandern, bitte korrigiere er mich.

Das Burgtor ist verschlossen
Das Burgtor ist verschlossen

Obwohl man der Gemeindehomepage noch entnehmen kann, dass die Burg geöffnet ist und man auch bewirtet wird, ist sie seit einiger Zeit wohl geschlossen. So schade.

Die Sage vom Wotansfelsen und Burg Laurenstein. Die Lahn erwandern: Von Balduinstein nach Laurenburg

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