„Elend“ – Derzeit nicht verfügbar

Ein Seufzer stieg in mir hoch, als ich die Tageslosung für heute las. Erstaunlich oft kommt es vor, dass ich Sie auf den Tag beziehen kann. Heute war es anders.

Sieh an meinen Jammer und mein Elend und vergib mir alle meine Sünden!
Psalm 25,18

Nein. Heute ist mir gar nicht elend zumute und in mir ist kein Jammer. Es geht mir gut. Gestern war ich auf dem wunderbaren Kongress KircheHochZwei, heute bin ich bei der Liebsten, faulenze, surfe ein bisschen im Netz, gleich gehen wir Mittagsschlafen, für morgen freue ich mich auf unseren schönen Taizégottesdienst,

Nein, kein Elend. Kein Jammer. ich freue mich meines Lebens.

Nein, ich habe auch keine Lust, an einem solchen Tag in den Elend-Teil meines Lebens hineinzusehen oder in den der Welt.

Verzeih, lieber Gott.

Ja, ich weiß. Die Psalmen wollen uns hineinnehmen in die Geschichte Gottes mit seinem Volk und können Gedanken, Gefühle, Stimmungen ausdrücken, die sich auch in uns finden.

Im Prinzip finde ich es deshalb sehr schön, dass auch im Gottesdienst ein Psalm gesprochen wird, manchmal gesungen.

Bei der Vorbereitung eines Gottesdienstes überkommt mich bisweilen der gleiche Gedanke. In der Psalmauswahl unseres Gesangbuchs finden sich Klagen über Klagen. Manchmal ist das arg viel verlangt von denen, die ihn mit betend sprechen sollen. Manchmal wird mir der depressive Touch zuviel.

Andererseits, da geht’s mir wie dem Münchner im Himmel: den ganzen Tag frohlocken ist auch nicht mein Ding.

Bei den Gebeten ist es ja nicht anders. Da formuliere ich als Pfarrer etwas, von dem ich überhaupt nicht weiß, wer das eigentlich wirklich mitbeten kann. Ein Teil ja, ein Teil nein.

„Voller Dankbarkeit stehen wir vor Dir“, „ich freue mich über den neuen Tag“ – Wer weiß!

Beim Schreiben kommt mir aber nun doch der Jammer. Deshalb flugs an die Tageslosung von gestern gedacht:

Ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden

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