Im Norden Kataloniens liegt die Vier-Flüsse-Stadt Gerona (Girona), eine der vier Provinzhauptstädte Kataloniens. Nahe Gironas haben wir am Rand des kleinen Ortes Sant Gregori ein paar Tage gewohnt und von dort aus Girona und das kleine Städtchen Besalú angesehen. Figueres haben wir auf der Hinfahrt angesehen und im Naturpark Aiguamolls de l’Empordà waren wir nach unserer Wanderung an der Costa Brava.

Figueres
Kurz hinter der Spanischen Grenze machten wir Halt in Figueres, dem Geburtsort von Salvador Dalí. Im früheren Theater der Stadt, in dem er schon früh seine erste Ausstellung hatte, ließ sich Dalí ein Museum errichten.
Ich war hier vor fünfundzwanzig Jahren schon einmal gewesen und damals hat mich das Museum so beeindruckt, dass ich unbedingt hier noch einmal hin wollte. Bis dahin hatte ich mit dem Namen Dalí nur irgendwie absurde Kunst assoziiert, zu der ich keinen Zugang hatte. Der Besuch lehrte mich eines Besseren: man lernt hier einen begnadeten Künstler kennen, der mit Zeichnen, Malen und Bildhauen gleichermaßen Kunstwerke erschafft. Man kommt in diesem Museum aus dem Staunen einfach nicht heraus.

Vor dem Museum kann man schon ein Denkmal bewundern, dass Dalí für den katalanischen Philosophen Francesc Pujols entworfen hat, den er bewunderte:
DAS KATALANISCHE DENKEN LEBT IMMER WIEDER AUF UND
ÜBERLEBT SEINE ILLUSORISCHEN TOTENGRÄBER
FRANCESC PUJOLS.

Und um die Ecke eine Vitrine mit einer Skulptur…

Und das war’s leider auch schon an Bildern. Denn obwohl man im Museum fotografieren darf, sind die Werke urheberrechtlich geschützt und die schönen Bilder, die ich aufgenommen habe, bleiben dem Fotobuch vorbehalten.
Im Naturpark Aiguamolls de l’Empordà
Der Parc Natural dels Aiguamolls de l’Empordà gilt neben dem Ebro-Delta und dem Nationalpark Coto de Doñana in Andalusien (ich habe hier berichtet) als eines der bedeutendsten Feuchtgebiete Spaniens.
Im Delta der Flüsse Ter, Fluvià und Muga entstand vor mehr als zwei Jahrtausenden diese Landschaft, die seit 1986 als Naturschutzgebiet geschützt wird. Man findet hier Sümpfe, Salzwiesen, Lagunen, Süßwasserteiche und Küstenzonen mit mehr als 300 Vogelarten und einer unglaublichen Pflanzenvielfalt. Auf den Wiesen weiden überall wilde Pferde.
Vom Besucherzentrum aus führt ein Weg in südöstliche Richtung zum Meer hin.
In Sant Gregori bei Salvi und Ignasi
Wunderbare Tage haben wir am Rande des kleinen Sant Gregori verbracht. Dort haben Salvi und Ignasi ein kleines Paradies errichtet, dessen Ursprünge auf das 13. Jahrhundert zurückgehen.

Wohin man hier auch sieht, gibt es etwas zu entdecken. In liebevollster Kleinarbeit haben die Beiden Antiquitäten, Trödel und Kuriositäten zusammengetragen. In der Scheune gibt es ein großes Museum.
Besalú
Eine halbe Stunde von Sant Gregori entfernt liegt das mittelalterliche Städtchen Besalú . Vielleicht würdest Du es wiedererkennen, wenn Du Das Parfum gesehen hast. Der Film wurde hier teilweise gedreht. Und im 9. Jahrhundert hatte hier ungelogen Graf Wilfried der Haarige seinen Sitz.
Besalú soll unbedingt einen Besuch wert sein und das ist es auch – jedenfalls, was das Städtchen betrifft. Wir verlassen es jedoch trotzdem nach einem kurzen Rundgang völlig entnervt: es ist völlig überlaufen, obwohl es schon Ende September ist. Im Sommer sollte man also keinesfalls hierher kommen, es sei denn man liebt Gedränge.

Das Städtchen ist vollständig von einer Stadtmauer umgeben. Der einzige Weg führt über die Brücke Pont Vell, wo noch einmal zwei Wachtürme die Stadt sichern. Früher mussten die Leute hier Wegzoll bezahlen. ich fürchte, das wird bei diesem Betrieb bald wiederkehren.


Von der Brücke aus kann man dann mit etwas Neid Leute sehen, die anscheinend gerade mehr Vergnügen haben.

Girona
Als wir aus unserer Unterkunft morgens herausfahren wollen, erleben wir einen kleinen Schock: wir kommen erst gar nicht raus, weil ein Radrennen direkt am Haus vorbei geht. Irgendwann winkt uns ein Ordner heraus. Wie sich herausstellt, handelt es sich um das Sea Otter Europe, das größte Radsportereignis in Spanien. Girona gilt wohl auch als das Weltzentrum des Profi-Radsports. Hier leben mehr als 120 Welt-Profis und man findet unzählige Fahrradläden und sogar Fahrrad-Cafés.
In Girona habe ich mich verliebt. Wenn irgend möglich, werde ich sicher noch einmal hierher kommen. Man kann definitiv mehr als einen Tag hier verbringen – und wenn man nur vor dem Café (oder einem Cafè in Spanien) sitzt.
Im Barri Vell

Heute reicht es für einen sehr schönen Stadtrundgang, den wir am Plaça de Catalunya beginnen. Der Platz spannt sich über den Fluss Onyar. Von hier führt die Carrer de l’Albereda als wohl einzige Einkaufsstraße in die Altstadt.

Wir begegnen hier zum ersten Mal auf unserer Reise dem wichtigsten Thema Kataloniens in dieser Zeit, dem Kampf um die Unabhängigkeit. Ein paar Tage vorher hatten sich in Barcelona über 800.000 Menschen zum Unabhängigkeitsmarsch versammelt. zu dem dieses Banner aufruft.
Gegenüber gehen wir dann in die Església del Sagrat Cor, die Kirche vom Heiligen Herzen.

Von hier geht es durch das Barri Vell, die Altstadt mit dem Call Jueu, dem Jüdische Viertel hinauf Richtung Kathedrale.

Später essen wir vor dem Cafè le Bistrot zu Mittag. Man sitzt auf der Terrasse auf den Pujada de Sant Domènec, einer steilen Treppe. die zum Kloster Sant Marti hinaufführt.

Das Haus auf der linken Seite ist das Agullana-Haus. Die reiche adlige Familie Agullana verband im 16. Jahrhundert ihr Haus durch eine Brücke mit ihrem neuen Haus. Die Brücke zeigt ihr Wappen. Geht man durch das Tor, kommt man durch enge Gassen der Altstadt.
Übrigens: wenn Du das kennst – hier überall wurde Games of Thrones gedreht. Habe ich mir sagen lassen.

Der Torre Vescomtal diente im Mittelalter als Gefängnisturm. Er wurde im 11. Jahrhundert auf einem römischen Turm aus dem 3. Jahrhundert errichtet.
Kathedrale Santa Maria
93 Stufen führen hinauf zu Santa Maria, der Kathedrale Gironas.

Rund um das Portal der Kathedrale gibt es eine Reihe von Skulpturen. Direkt über der Tür eine Marienstatue. Sie wird Mare de Déu del Déu vos guard genannt. Mit dem traditionellen katalonischen Gruß Déu vos guard – Gott schütze Euch sollen die Besucher empfangen werden.


Innen überwältigt einen die Kirche. Santa Maria hat das breiteste Kirchenschiff der Welt und nach St. Peter in Rom das zweitgrößte überhaupt.

In Westen des Kreuzgangs kommt man zum Kapitelsaal, in dem wertvolle Kunstgegenstände aufbewahrt sind. Am Bedeutendsten ist der Schöpfungsteppich, gestickt im 12. Jahrhundert.


Stadtmauer
Ein ganz besonderes Erlebnis ist auch ein Gang über die Stadtmauer, die Passeig de la Muralla. Sie ist im Osten der Stadt noch sehr gut erhalten. Man sollte tunlichst im Norden beginnen, um bergab gehen zu können. Wir beginnen unseren Weg also am Torre Gironella.
Mit diesem Turm hat es eine besondere Bewandtnis, wie ich (wieder einmal) bei der Freibeuterin erfahre:
Leider gab es im Mittelalter in Girona, wie auch in den meisten anderen, europäischen Städten zahlreiche Judenprogrome. Die Juden flüchteten hier auf einen kleinen Hügel am Stadtrand, in den Gironella Turm. Dort warteten sie auf die Hilfe des Condes, unter dessen Schutz sie standen. Bis der endlich anrückte, belagerte die wütende Bevölkerung den Turm aber schon mal mehrere Wochen. Mithilfe netter Mitbürger, die Wasser und Nahrungsmittel zum Turm schafften, hielten die Juden es mehrere Wochen aus.
Dann wurden sie vor ein Ultimatum gestellt: Entweder sich taufen zu lassen oder im Turm verharren. Womöglich für immer. Das war natürlich kein Zustand und viele gaben auf. Eine traurige Legende besagt, dass ein jüdischer Geschäftsmann schließlich dem Druck nachgeben und zum Christentum übertreten wollte. Der Sitte nach, musste seine Frau ihm Gehorsam leisten und folgen. Die junge Jüdin wollte aber partout keine Christin werden und stürzte sich in ihrem Dilemma lieber vom Gironella-Turm. Welch ein Drama.









Vieles haben wir nicht gesehen, was man unbedingt ansehen sollte. So Gott will, werden wir noch einmal hierher kommen.
Katalonienreise
Katalonien (3): Barcelona folgt.

















