Journal vom 1. September

Gestern mussten wir Abschied nehmen von einem Kollegen, mit dem ich lange und gut zusammengearbeitet habe, ein überaus freundlicher und kluger Mensch. Er war eineinhalb Jahre älter als ich.

Vor ein paar Wochen trafen wir uns in der Oper. Er hatte die gleiche schwere Herzoperation wie ich gehabt und wie ich war er scheinbar völlig genesen.

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Heute wird Pröpstin Gabi Scherle verabschiedet, meine Vorgesetzte und geschätzte Beraterin in meinen Dekanejahren. Auf den Tag ein Jahr nach mir geht sie nun in Ruhestand. Wie ich sie gestern bei der Trauerfeier gesehen habe, werde ich sie heute wieder sehen.

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Beides gibt mir Anlass noch einmal zurück zu blicken auf diese letzte Zeit der Genesung. Ich bin dankbar dafür und auch ein bisschen stolz, dass es mir nun so gut geht. Und weiß doch gleichzeitig: all das steht unter dem großen jakobäischen Vorbehalt

So Gott will und wir leben

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Dass wir leben, konnten wir in der letzten Woche wieder in Fülle genießen: am Wochenende feierten wir den Geburtstag der Liebsten noch einmal im Familienkreis im „Frankfurter Bootshaus“ bei herrlichem Wetter direkt am Mainufer.

Wasser ist für Quentin, unseren Enkel, mit das Größte. Ein rastloser, quicklebendiger kleiner Kerl, der einen wirklich ununterbrochen in Bewegung hält.

 

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Danach über das Museumsuferfest. Ein Muss für Frankfurter. Tradition hat das Loseziehen am Stand der Frankfurter Oper und das Caipi-Trinken bei den Kubanern, wo es eine Freude ist, bei Tanzen zuzusehen.

Und tatsächlich haben wir zwei Karten für die Oper gewonnen. Übernächste Woche dürfen wir dann „Vanessa“ von Samuel Barber. Nie gehört. Wir sind gespannt.

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Zum Geburtstag habe ich der Liebsten außer dem Fotobuch einen Aufenthalt im Rebstock Waldulm im Schwarzwald geschenkt. Da haben wir uns vor 15 Jahren praktisch kennengelernt. „Praktisch gelernt“: vorher hatten wir uns einmal am Opernplatzbrunnen getroffen und stilvoll im Traditionscafé Laumer Kaffee getrunken – und dann gleich zu einem Wochenende. Ganz schön mutig, oder? – Na gut, es waren noch ein paar andere Menschen dabei.

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Ich habe mich am Wahl-O-Mat versucht. Das Ergebnis war doch überraschend und trifft zu. Ich bin und bleibe ein sozialdemokratischer Wähler, obwohl ich inhaltlich eher mit Grünen, Linken und Piraten übereinstimme (in dieser Reihenfolge).

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An einem Tag, an dem Glück und Leid so nahe zusammen liegen, berührt mich die Tageslosung für heute besonders:

Herr, du bist unsre Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

1 Kommentare

  1. Geertje Wallasch

    Uns geht es zur Zeit ähnlich, wir erlebten am Wochenende eine wunderbare Hochzeit eines Herzeskindes. Heute verstarb der Großvater der Braut. Er ist der Bruder meines Vaters, der schon lange nicht mehr unter uns weilt.
    Sehr schön geschriebener Beitrag!

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