Joseph kocht. Und ich auch.

bLOGbuch vom 23.12.2017

Damals bei uns zuhause gab es zu Weihnachten Pute. Natürlich nicht an Heiligabend. Da gab es wie bei den meisten Familien Würstchen und Kartoffelsalat. Selbstverständlich vor der Bescherung. Solange mussten wir uns vor der verschlossenen Wohnzimmertür gedulden.

Das Festessen gab es dann am Ersten Feiertag. Die Pute hing dann schon ein paar Tage vor dem Fenster. Einen Kühlschrank hatten wir noch nicht. Und unser Vater ließ sich nicht nehmen, die Füllung herzustellen. Nach seinem speziellen Rezept mit Hackfleisch und Maronen. Ja, Maronen gab es schon. Die kamen von der Bergstraße, aber hießen noch Esskastanien.

Von der Pute hatten wir sechs mehr als zwei Tage zu essen. Herrlich die verschiedenen Fleischsorten, aber sogar die Füllung hat wunderbar geschmeckt.

Meister von St. Sigmund um 1440. Im Wallraf-Richartz-Museum, Köln.

Meister von St. Sigmund um 1440. Im Wallraf-Richartz-Museum, Köln.

Nicht nur mein Vater kochte für die Kinder ab und zu, sondern auch Joseph. Gut, in der Bibel wird nichts davon berichtet, aber seit dem frühen Mittelalter spätestens waren die Menschen davon überzeugt. Sie kannten die Weihnachtsgeschichte so gut, dass sie sie ausgestalteten.

Irgendjemanden mussten Maria und das Jesuskind ja schließlich haben, der für sie kochte, werden sie sich gedacht haben.

Dass Joseph da einen Löffel in der Hand hat und am Kochen ist, hat aber noch einen anderen Grund. Im germanischen Recht musste der Vater das neugeborene Kind anerkennen. Das tat er, indem er eine fürsorgliche Handlung ausführte.

Wie Joseph mit der Geschichte, die ihm widerfahren ist, umgeht, ist aller Ehre wert.

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Da muss ich natürlich auch kochen. Einen Tag vor Heiligabend habe ich angefangen und den Puter in eine Salzlake eingelegt. Da muss er jetzt bis zum 24. drinbleiben. Angeblich soll dann das Fleisch besonders zart und schmackhaft werden.

Salzlake mit Gemüse und Gewürzen

Salzlake mit Gemüse und Gewürzen

Schon zugebunden

Schon zugebunden

Der Nachtisch steht auch schon in der Gefriertruhe. Lebkuchenparfait und Geeistes vom Kaffee.

Alles andere kommt dann morgen dran. Die Füllung der Pute mit Maronen, Hackfleisch und Äpfel, die Kartoffeklöße, der Rosenkohl und der Bratapfel und die Petersilienwurzelcremesuppe mit Haselnüssen.

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Ich bin sicher, mein kleiner Enkel wird auch einmal kochen. Jede Woche, wenn ich bei ihm bin, koche ich abends und er guckt zu. Und sein Vater kocht auch prima. Das sind doch die besten Bedingungen…

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Heute habe ich einen kleinen Weihnachtsgruß gemalt. Nach einem alten Meister. Ich wünsche Euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest.

Eine Jungfrau ist schwanger

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1 Kommentare

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