Lammbraten in der Senfkruste und all der Chaos in der Kueche. Wie Maenner kochen und wie Frauen kochen

Letzten Sonntag gabs Lammbraten in Senfkruste und das war wirklich was sehr leckeres. Das Rezept gibts unten auch.

Ich hatte meinen freien Sonntag, einmal im Monat hab ich den – diejenigen, die jetzt staunen, werfen einen Blick in „Über mich“ – und da war Kochen angesagt.

Am allerliebsten mag ich alleine kochen. Tür zu. Und gar nicht erzählen, was es gibt, sondern: Tür auf. Überraschung. Alle staunen und bewundern meine grandiosen Fähigkeiten und wie schön das auch wieder aussieht.

Ich glaube, das ist der Unterschied, wenn Männer kochen und wenn Frauen kochen. Mann sollte das in der heutigen Zeit ja gar nicht mehr glauben, aber nach meinen inoffiziellen Statistiken ist das so:

Es gibt nur selten Frauen, die „Kochen“ als ihr „Hobby“ bezeichnen würden, aber es gibt immer mehr Männer, die das tun. Und trotzdem wird Mann immer noch bewundert, wenn er kochen kann. „Oooh, das ist aber selten…“ und ist Mann gar auf Brautsuche, ist Kochenkönnen ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt, der sogar den folgerichtigen Bauch wettmachen kann.

Wie kommt das? In einer Zeit, in der die „3 K“ (Küche – Kinder – Kirche) die Frauen nun wirklich nicht mehr beherrschen, in einer Zeit, in der doch eigentlich niemand mehr richtig „kochen“ lernt? Ich meine so, wie früher die Mädchen wohl einmal von ihrer Mutter das Einmaleins der Küche gelernt haben. Und in der Grundschule gibts Kochen für Mädchen und Buben. So, how comes it?

Es liegt wohl tief in den Genen. Bei Frauen, selbst bei denen, die es gerne tun, ist „Kochen“ in den Gedächtnisgenen unter „Pflicht“ abgelegt, bei Männern unter „Kunst“. Und was dann herauskommt, muss auch ein Kunstwerk sein.

Klar, dass dazu feinste Zutaten, erlesene Küchenmesser, ein Schlückchen Wein und viel Brimborium gehören.

Ja, sooo liebe ich das Kochen.

Zu meiner Rechtferigung muss ich aber hinzufügen, dass ich jahrelang für meine Tochter und mich alleine gekocht habe. Sie hat zwar jedesmal gemurrt: „Nein, nicht schon wieder das“ – egal, welchen Vorschlag ich ihr machte. Aber gegessen hat sie’s immer gerne. Ehrlich. Merkwürdigerweise hat sie nie davon einen Bauch gekriegt.

Aber ich komme wieder – meine Leserinnen und Leser kennen das schon -vom Hundertsten ins Tausendste und meine Leser wissen sogar, woher dieser Ausdruck kommt. Übrigens: diese Woche wurde ich für eine Reportage interviewt über meinen Blog. Gell, da staunen Sie. Aber davon erzähle ich erst nächste Woche.

Vielleicht staunen Sie auch, dass ich am Freitag schreibe und nicht am Samstag, wie es doch sonst meine Art ist. Aber dann haben Sie vergessen, dass morgen nun wirklich kein „Samstag“ ist. Zumindest für einen Pfarrer nicht. Freuen Sie sich lieber, dass ich mir die Zeit nehme, am Tagvor Heiligabend hier noch so ausführlich über Lammbraten zu schreiben – und das nur für Sie!

Deshalb jetzt zurück zum Lammbraten. Den hab ich mir aus dem Bioladen geholt. Ich persönlich hole Lamm gerne beim Türken, aber meine Liebste bevorzugt Nahrung aus dem Bioladen. Was nicht heißt, dass sie bei mir nicht auch mal was anderes gerne mitisst. Aber ihr zuliebe – und ich muss zugeben, es war ein besonders schönes Stückchen Fleisch und in der Größe gerade richtig für uns zwei, reichlich.

Kräuter haben wir im Garten. Man braucht Salbei und Thymian. Knoblauch haben wir nicht im Garten, den braucht man auch. Senf haben wir in verschiedenen Varianten da. Pfeffer aus der Mühle und Salz haben wir auch da. Also kanns losgehen.

Stop. Etwas wichtiges fehlt noch: ein Glas Wein. Nicht etwa für die Sauce, sondern zum Zwischendrintrinken für den Koch. Bei besonders aufwendigen Mahlzeiten, bei denen es in der Küche heiß wird, empfiehlt sich auch ein Fläschchen Bier.

Man sollte natürlich vorher auch überlegen, was es als Beilagen gibt. Wie hieß das in der DDR so schön „Sättigungsbeilagen“, aber wofür haben wir den schönen Braten?

Diesmal gabs dazu Bohnen – eine typische Lammsättigungsbeilage und Kartoffeln. Wie nennt man die eigentlich, wenn man sie erst kocht und dann noch in der Pfanne schön anbrät, dass sie knusprige Farbe bekommen und auch ein bisschen knusprig schmecken? Keine Ahnung.

Jetzt verrate ich Ihnen noch etwas. Ich habe einen relativ einfachen Saucenfonds dafür selbst hergestellt. Normalerweise – das heißt nicht „normalerweise“ an sich, sondern dann normalerweise, wenn ich ein richtig schönes Essen machen will – nehme ich einen Saucenfonds, den ich fertig kaufe. Die Saucen schmecken wirklich wunderbar damit.

Hatte ich aber nicht und der Nachteil dabei ist auch, dass sich der, einmal geöffnet, nicht lange hält. Also ich: trenne vom Lammbraten Haut und Fett ab, schneide es in kleine Stücke und steck das Ganze (Banause, der ich auch bin) mit ein paar Stückchen Karotte und einem kleinen Stückchen Sellerie in die Moulinette. Das ganze kann dann vor sich herköcheln und wird immer schmackhafter. Ab und zu mal etwas Rotwein dazu gießen oder ein bisschen Wasser…

Na wie gesagt, das Rezept gibts unten. Wovon ich Ihnen nämlich eigentlich erzählen will, ist vom Chaos in der Küche. Binnen weniger Minuten siehts in der Küche aus wie auf einem Schlachtfeld. Ich war ja als Kriegsdienstverweigerer noch nie auf einem Schlachtfeld, aber wenn es da so aussieht, wird mir noch nachträglich klar, warum ich damals verweigert habe.

In meiner eigenen Küche ist das nicht schlimm. Aber am Sonntag habe ich ja in der Küche meiner Liebsten gekocht. Und die hat mir nicht gehorcht, als ich nach dem Essen sagte, sie solle noch zwei Stunden draußen bleiben aus der Küche, ich müsse noch ein bisschen auräumen.

Die Tränen haben ihr in den Augen gestanden und wir haben fast einen Streit gekriegt. Ich habe schon befürchtet, dass ich nie mehr bei ihr kochen dürfte. So schlimm wars. Aber wir haben uns wieder versöhnt. Leider hatte ich meine Kamera nicht dabei, um Ihnen mal einen kleinen Begriff von dem Schlachtfeld zu geben. Aber vielleicht hätte das meine Liebste auch als Verhöhnung empfunden, wenn ich das auch noch fotografiert hätte.

Ich hab ihr versprochen, mich zu ändern. Aber sie meinte: „So bist du, da kann mann nichts ändern“ Da sind mir die Tränen in die Augen gestiegen. Ich verspreche hiermit öffentlich, mich zu ändern. Demnächst mehr dazu.

Falls Sie’s nicht gemerkt haben, wo ich „mann“ schreibe, meine ich Mann und wo ich „man“ schreibe, meine ich man.

Und noch etwas: meine Liebste kocht – mindestens! – genauso gut und genauso gerne wie ich. Ich meinte mit meinen Auslassungen oben natürlich mitnichten, dass Männer „die besseren Köche sind“.
Sie macht auch am liebsten die Küche selbst sauber, Sie ahnen warum… Sie ersehen daraus, wie groß die Liebe ist.

Und hier das Rezept:

Lammbraten in Senfkruste

Zutaten:
Lammbraten
1 -2 Knoblauchzehen
Salbei (kleingeschnitten oder gemahlen), Thymian, Senf, Pfeffer, Salz
Olivenöl

Bohnen, Kartoffeln

Rezept

– Sie heizen den Backofen auf 250 Grad vor
– Sie befreien den Lammbraten von Haut und Fett
– Sie enthäuten die Knoblauchzehen und schneiden Sie in Stifte, damit spicken Sie den Braten
– Dann streichen Sie den Braten mit Olivenöl ein und würzen ihn mit Salz, Pfeffer, und Salbei
– und schon kommt das gute Stück in den Backofen (siehe oben: 250 Grad) auf den Rost und bleibt dort 15 Minuten!
– Aber bitte vergessen Sie nicht, unter den Rost eine Fettpfanne mit etwas Wasser zu stellen, sonst stinkt das sehr.

Jetzt – oder natürlich auch schon vorher – bereiten Sie aus Senf und Öl eine Sauce vor.

– Nach 15 Minuten nehmen Sie den Braten aus dem Ofen (Tür wieder schließen, auf 200 Grad reduzieren)und
– bestreichen den Braten schön mit dieser Sauce
– wieder hinein damit in den Ofen und noch einmal etwa 30 Minuten braten lassen.
– Dabei immer einmal mit Sauce einstreichen, vielleicht auch einmal eine Schöpfkelle Wasser darüber schütten und mal umdrehen.

Herausnehmen und servieren.

Dazu gabs diesmal Kartoffel, die zuerst gekocht wurden und dann nocheinmal in der Pfanne angebraten. Schmecken hervorragend. Und Bohnen, die einfach gedünstet wurden.

Bon Appétit!

Verwandte Beiträge

2 Kommentare

  1. Pingback: Alle Rezepte » nichtallzufromm

  2. Frohe Weihnachten, lieber Jahreszeiten und Danke für das Lächeln, das Nachdenken, das Besinnen , das Teilhabenlassen, die Gedichte und Gedanken in den letzten Monaten.
    Ganz liebe Grüße auch an Deine
    *Liebste(n)* Anne

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.