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Speaking Words of Wisdom

„Speaking Words of Wisdom“ sangen die Beatles, sangen danach Joan Baez, Ray Charles, Joe Cocker, Tina Turner. Diese Worte der Weisheit hießen:

Let it be

Wenn wir uns damals beim Bluestanzen die Worte zuflüsterten, hatten sie natürlich eine gewisse Bedeutung. „Lass es geschehen“. Damit flüsterten wir uns ein bisschen Mut zu.

Und der wütenden 68er Jugend flüsterten die Worte ein bisschen Gelassenheit ins Ohr.

Paul McCartney erzählte später, dass ihm seine Mutter im Traum erschienen sei, als er tagelang voll mit Drogen und paranoid im Bett gelegen habe. Sie hat ihm zugeflüstert: Alles wird gut. Let it be. Words of Wisdom.

„Lass es zu“

das war wohl die Hauptbotschaft, die mir mein Gestaltlehrer Klaus Lumma vermittelte. „Zulassen“ heißt zunächst einmal wahrnehmen. Wahrnehmen, was ist. Um mich herum und in mir.

Let it be: ich bin nicht so, wie ich gerne sein würde. Ich habe Gefühle, Gedanken, Wünsche, die ich hasse.

„Der hat doch einen Schatten“, sagten wir früher, wenn einer, naja, halt einen Schaden hatte. Nicht ganz dicht war, gesponnen hat.

Dass jeder Mensch einen „Schatten“ mit sich herumträgt, hat C.G. Jung herausgearbeitet.

Ausatmen

„Let it be“ heißt Ausatmen. Rein kommt die Luft von selbst wieder. Loslassen ist die Kunst. Ausatmen.

Loslassen

Manchem fällt das schwer in Bezug auf Menschen. Manchen in Bezug auf Sachen. Manchen in Bezug auf Wünsche und Hoffnungen.

„Such dir ein Bild aus, ein Foto, das dir besonders lieb ist – und dann zerreiß es“ lautete einmal die Anweisung zu einer Selbsterfahrungsübung. Ich bin mir immer noch nicht sicher, was ich davon halten soll. Aber sie gibt eine Ahnung vom Loslassen.

Die Trutzkraft des menschlichen Geistes

„Let it be“ könnte ja auch heißen: Ergebung in ein „Schicksal“. So missdeuten manche Christentum. Ich denke: wenn ich zulasse und wahrnehme, was in mir ist, kann ich entscheiden. Das macht den Menschen aus.

Das „Let-it-Be-Gebet“

Gott gebe mir Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann.
Und die Weisheit,
das eine vom andern zu unterscheiden.

Friedrich Christoph Oettinger

Mit diesem Gebet kann man dann vielleicht auch in das Lied Eduard Mörikes einstimmen:

Herr! schicke, was du willst,
Ein Liebes oder Leides;
Ich bin vergnügt, daß beides
Aus deinen Händen quillt.

Wollest mit Freuden
Und wollest mit Leiden
Mich nicht überschütten!
Doch in der Mitten
Liegt holdes Bescheiden

Let it Be

Heute, am 21. Mai, vor 40 Jahren wurde der Beatles-Film „Let it be“ uraufgeführt

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1 Kommentar

  1. Anubis 21. Mai 2010

    Sehr sehr schöne Gedanken zu diesem Thema!
    Zu Oettinger und Mörike kann ich noch eins meiner Lieblingszitate aus einem Rilke-Gedicht beisteuern:

    „Lass dir alles geschehn
    Schönheit und Schrecken
    Du musst nur gehn
    Kein Gefühl ist das fernste“

    (Überhaupt, Rilke, „Das Stundenbuch“, Liebesgedichte an Gott… hach! Ich kann seit meiner Jugend etliche davon auswendig)

    Und zum Thema Loslassen (womit ich Zeit meines Lebens Probleme hatte, zumindest, wenn es darum ging, Menschen, Beziehungen loszulassen): eigentlich für trocken werdende Alkoholiker gedacht, hat mir das Buch „Kraft zum Loslassen“ von Melody Beattie, das für jeden Tag des Jahres einen Spruch / Text, ein Gebet, eine Affirmation bietet und sehr viel mit Glauben und Gott „arbeitet“, in einer harten Phase meines Lebens enorm geholfen, als tägliche Lektüre.

    Ich glaube sowieso daran, dass innerer Widerstand gegen etwas, ignorieren und verdrängen, nur dazu führt, dass man es noch intensiver erleben muss. Loslassen, zulassen, dann kann man es verarbeiten.

    Let it be…
    Einen leichten Tag wünscht

    SN

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