Tag der Befreiung ?

Befreiung vom Nationalsozialismus?

Mein Vater hat das zum Beispiel anders empfunden. Für ihn brach eine Welt zusammen.

Geboren noch zu Kaisers Zeiten,

ist er mit 16 zur Hitlerjugend gekommen. „Gekommen“ ist das richtige Wort, denn sein Jugendverband, die „Christdeutsche Jugend“, wurde 1932 in Darmstadt geschlossen in die HJ überführt.

Dort stieg er schnell auf, wurde ranghoher HJ-Führer im sogenannten „Warthegau“, dem 1939 gewaltsam dem Deutschen Reich einverleibten südwestlichen Teil Posens.

Bei Kriegsende kehrte er als gebrochener, mehrfach verwundeter Mann heim.

Sein Leben lang wollte er mit Politik nichts zu tun haben. Hitler lastete er nur den Russlandfeldzug an, weil daran schon Napoleon gescheitert sei.

Mein Vater gehörte zu den „Tätern“

auch wenn ich ihn selbst irgendwie auch als ein tragisches Opfer seiner Zeit ansehe.

Er war kein Einzelfall. So wie er dachten nach Kriegsende die meisten Deutschen.

Nein: [etweet]“Befreit“ wurde Deutschland nur aus der Sicht der Opfer. [/etweet]

Und nur aus Solidarität mit ihnen können wir heute von „Befreiung“ reden. Die anderen, die Täter und die Mitläufer mögen sich erleichtert gefühlt haben, dass der Krieg endlich vorbei war.

Erst 40 Jahre nach Kriegsende,

heute vor 30 Jahren war die Zeit reif für die historische Rede von Bundespräsident von Weizsäcker, der den Begriff „Tag der Befreiung“ prägte.

(Bild: Bundesarchiv, Bild 183-W0506-316 / Georgii Zelma [2] / CC-BY-SA)

Ein Gedanke zu „Tag der Befreiung ?

  1. Ich bin Nichtdeutscher, wohne nicht in Deutschland, darf wohl behaupten einiges geschichtliches Verständnis zu besitzen. Wenn ich aber Deutsche Obertanen von „Befreiung“ und Dank an die Sowjetarmee schwadronieren höre, beschleicht mich ein beklemmendes Gefühl. Ich muss Ihnen gegenüber die in den Jahren 44 bis 1955 an Deutschen begangenen Verbrechen nicht auflisten.
    Wer solcher moralischen Quadrillen fähig ist, hat schnell einen Grund morgen wieder Länder zu überfallen und Köpfe aus zu messen. Seid wachsam.

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