• Freunde im Milieu

    Wenn Sie mich mal besuchen kommen, sehen Sie im Flur als erstes eine Krimilandkarte. Da finden Sie über 200 Ermittler in ganz Europa drauf. Alle kenne ich sie nicht, aber viele meiner besten Freunde sind darauf. Mit einigen von ihnen gehe ich seit Jahren immer mal wieder ins Bett. Ich rede natürlich vom Krimimilieu und von Freundinnen und Freunden, die ich nur aus Büchern kenne. Aber das kann auch sehr intim sein. Einigen begnadeten Krimiautorinnen und -autoren bin ich für diese Freundschaften von Herzen dankbar. Zu ihnen gehört auf jeden Fall Maj Sjöwall, Sie ist heute, am 25. September, vor 75 Jahren geboren. Maj Sjwöwall war die, die mir zusammen…

  • Kalenderblatt: In Lahn bin ich nie gewesen

    Schon oft in meinem Leben war ich in der Lahn und auf der Lahn, aber noch nie in Lahn. In der Lahn war ich als Kind, in einer kleinen Furt bei Aumenau habe ich gegen die Strömung schwimmen gelernt. Und vor 3 Jahren wieder, als ich unfreiwillig im Schiffstunnel in Weilburg baden ging. Ich gehöre zu den wenigen Menschen auf dieser Erde, vermute ich, die von sich behaupten können, schon einmal in einem Schiffstunnel geschwommen zu sein. Auf der Lahn war ich mehrmals: als Kind auf selbtsgebauten Flößen, in den letzten Jahren auf Kanus. Aber in Lahn war ich nie. Diese historische Chance habe ich verpasst. Sie bestand nämlich nur…

  • Kalenderblatt: Und fährt und fährt

    Mein erstes Auto war natürlich ein Käfer. 1969 habe ich ihn von Herrn Stratmann für 300 Mark gekauft. Er war Baujahr 1953 und ich nannte ihn Asterix. Er war natürlich grau wie alle Käfer. Asterix war kein Brezelkäfer. 1953 war nämlich das bis dahin geteilte Rückfensterchen durch ein ungeteiltes ovales Fensterchen ersetzt worden. Asterix hatte noch Winker. Aber seit 1963 waren Blinker gesetzlich vorgeschrieben. Die hatte man nachgebaut. Als ich später einmal einer Freundin (1964 geboren), erzählte, in meiner Kindheit hätten die Autos Winker gehabt, war die Reaktion: “Du verarschst mich doch”. Asterix hatte etwas, was ich an modernen Autos vermisse: einen Reservetank. Wenn das Benzin auszugehen drohte, was man…

  • 42 Jahre kein Notstand ausgerufen.

    42 Jahre kein Notstand ausgerufen Wir waren damals sicher, das stünde kurz bevor. Wofür sonst wollten “die” die Notstandgesetze verabschieden. “Die”, das waren SPD und CDU (“SPD und CDU – lasst das Grundgesetz in Ruh”, “Wer hat uns verraaaten – Sozialdemokraaten. Wer schaut zu – CDU”) und deren Rädelsführer Benda (“Bendaaaa – wir kommmmmen”). Heute, am 30. Mai, vor 42 Jahren wurden von der Großen Koalition die “Notstandsgesetze” verabschiedet. 28 der damals 145 Artikel des Grundgesetzes wurden damit eingeschränkt, verändert oder aufgehoben. Immerhin wurde ein Absatz 4 in Artikel 20 des Grundgesetzes eingefügt Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn…

  • Geschichte meines Biertrinkens: Nichts schmeckt Köstlicher

    Ich ahnte nicht, dass es einen “Tag des Biers” gibt. Aber verdient hat es das Bier, dergestalt geehrt zu werden. Wobei ich gestehen muss, dass ich persönlich im Laufe meines Lebens vom Biertrinker zum Weintrinker mutiert bin. Bier trinke fast nur noch im Sommer wenn mich, wie der Darmstädter sagt “mich so en verschdeggde Durschd quäle dhud” (Datterich) Das war nicht immer so. In meiner Heimatstadt gab es das köstlichste Bier überhaupt: bei Maria Grohe Selbstgebrautes. Wenn Sie mal dahin kommen, das gibt es immer noch. Das legendäre Grohemännchen servierte uns Schülern unsere Krüge mit Beschimpfungen. Wir liebten ihn. Bei Grohe gab es auch bis vor ein paar Jahren die…

  • Feiern wir die Internationale

    Endlich mal wieder ein Sonntag, wie er sein soll: Wärme, strahlende Sonne, strahlende Gesichter, gute Musik, gutes Bier, gute Laune. In Marburg war Stadtfest “3 Tage Marburg” nennen Sie es und ein wunderbarer Anlass, mal wieder hin zu fahren. Obwohl ich dieses Jahr zum “Elisabethjahr” (800 Jahre Hl. Elisabeth) schon dreimal da war. Aber schon wenn ich von Stauffenberg her Richtung Marburg fahre und dann das Schloss über der Stadt sehe, finde ich das jedesmal wieder ein wunderbares Bild. Nostalgie? Schließlich habe ich da Anno Tubak (sprich Anfang der Siebziger Jahre) studiert. Obwohl das zumn Studieren vielleicht die schönsten und aufregendsten Zeiten waren, die man sich vorstellen kann, beneide ich…

  • Barbierisch. Frisörgeschichten

    Meine Mutter selig hätte mich am liebsten dauernd zum Friseur geschickt. Jedenfalls in den Jahren zwischen meinem 18. und 30. Lebensjahr etwa. Wer etwas auf sich hielt, hatte damals lange Haare. Zum Abschied pflegte sie mir immer noch schnell einen Kamm durch die Haare zu ziehen und als ich einmal wirklich beim Frisör, wie das damals noch hieß, war, strahlte sie mich an: “Siehst du, jetzt kann ich dich doch wenigstens wieder lieb haben”. Brrrr…., Mütter sind merkwürdige Wesen. Aber in dieser Zeit war es auch – immerhin war ich aber schon Pfarrer – als ein Frisör, bei dem ich schnell mal vorbeischaute, mich anfuhr: “Mit so Haaren würde ich…

  • Zähne. Oder: Die Kunst, Motorrad zu fahren.

    In einem flagranten Anflug von Selbstüberschätzung meinte ich erst neulich wieder einmal zu meiner Liebsten: “Vielleicht mache ich ja nochmal meinen Motorradführerschein”. “Lieber jetzt nicht widerspechen”, mag sie gedacht haben und lächelte nur still vor sich hin. Glücklicherweise verhält es sich mit meiner Psyche so, dass ich es im Grunde schon für wagemutig genug halte, diesen Gedanken zu hegen, so dass es einer Umsetzung nicht mehr bedarf. Allein der Gedanke, als beleibter älterer Herr mich mit irgendwelchen jungen Schnöseln in der Fahrschule vergleichen zu müssen – das wäre für die jungen Leute doch zu peinlich. Zudem denke ich, seit ich in jungen Jahren Johanniter war und manchen Unglückseligen vomn der…