Was arme Leute essen

Alle zwei bis drei Monate gibt’s bei mir im Wohnzimmer “Literatur im Pfarrhaus”. Dann lese ich aus einem der Bücher vor, die mir besonders gefallen haben und dazu gibt es einen kleinen “Gruß aus der Küche” und ein Glas Wein, aus dem schon auch mal zwei oder drei werden können.

Der “Gruß aus der Küche” soll natürlich möglichst zu dem Buch passen und ein bisschen raffiniert soll es auch sein, aber trotzdem nicht allzuviel Arbeit machen.

Klar, dass es zu “Die Bücherdiebin” nur etwas Einfaches geben konnte. Schließlich geht es um ein Leben im Nazideutschland während des Krieges.

Erst dachte ich an “Arme Ritter”, aber meine Liebste wies mich mit Recht darauf hin, dass die zum einen viel Arbeit machen würden und zum anderen wegen des heißen Öls es aus der Küche ziemlich stinken würde.

“Arme Ritter” war bei uns zuhause wirklich ein Arme-Leute-Essen. Altbackenes Brot wurde in Milch mit Zucker eingetaucht und dann im Öl ausgebacken. Köstlich. Bei meiner Oma hießen die armen Ritter “Kardeiserkleesjer” (Kartäuserklöße)und schmeckten genauso köstlich.

Neulich wurde ich beim Metzger Zeuge eine Gesprächs, bei der eine Kundin der Verkäuferin sagte: “Heute gibt es etwas für arme Leute: Arme Ritter. Brötchen in Milch eingeweicht und gebacken”. Mit Recht erwiderte die Verkäuferin: “Von wegen arme Leute. Bei uns gabs das nur mit altem Brot”.

Arme Ritter

Was also essen arme Leute sonst?

Ich habe ein genial einfaches Gericht gefunden, es kommt aus dem Spreewald. Pellkartoffel mit Sahnetunke. In der Mitte des Tisches stehen Schalen mit Leinöl und mit Salz und eine große Schüssel Pellkartoffeln. Jeder bekommt ein Schüsselchen Saure Sahne und dann werden die Kartoffeln in Öl und Salz getunkt und mit der Sauren Sahne bestrichen. Auch köstlich.

Schmalzbrot gabs auch noch.

Ein Ganz-Arme-Leute-Essen ist das auch nicht mehr. Die Preise für Leinöl vor allem, aber auch die für Kartoffeln haben sich mittlerweile etwas verändert.

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