Von Nassau nach Bad Ems – wir erwandern die Lahn

Rundgang durch Bad Ems

Um es wieder vorwegzunehmen, diese Etappe war – was den Wanderweg angeht – eher langweilig. Highlights waren die Orte unterwegs : Nassau, Dausenau und schließlich Bad Ems. Von unserem Rundgang durch die Oranierstadt Nassau habe ich ja im letzten Beitrag schon berichtet.

Rundgang durch Nassau

Auf der Taunusseite der Lahn gehen wir durch das Gebiet “Schlossberg”, ehemals eine Weinlage, jetzt Neubaugebiet.

Kommt macht es noch einmal
Kommt macht es noch einmal

Der Weg führt uns auf 100m Höhe für ca 3 1/2 km entlang der Lahnschleife bis wieder zu der schönen Ortschaft Dausenau hinunter.

Blick auf Dausenau
Blick auf Dausenau

Dausenau ist ein überaus interessantes Örtchen mit einer sehr bewegten Geschichte. Anfang des 14. Jahrhunderts erhielt es schon eine starke Ringmauer mit neun Türmen und Toren, 1348 erhielt es Stadtrechte.

Am auffälligsten ist der östliche Befestigungsturm: der Schiefe Turm von Dausenau. Mit einem Neigungswinkel von 5,24° wird er nur von der Midlumer Kirche übertroffen. Der Schiefe Turm von Pisa hat dagegen nur eine Neigung von 3,97°.

Der Schiefe Turm von Dausenau
Der Schiefe Turm von Dausenau

Hier soll Kaiser Karl der Große seine Tochter eingesperrt haben, weil sie ein Verhältnis mit seinem Sekretär unterhielt.

Erwiesen ist das aber nicht, schließlich behauptet eine andere Überlieferung, er habe sie verbannt und sei überglücklich gewesen, als er sie in Obermulinheim am Main wiederfand. Weil er dort ausgerufen habe “Selig sei die Stadt genannt, da ich meine Tochter fand”, heißt der Ort seitdem Seligenstadt.

Altes Rathaus von 1434
Altes Rathaus von 1434

Das Alte Rathaus ist das zweitälteste Fachwerkrathaus Deutschlands (nach Esslingen) und wurde 1434 gebaut.

An der westlichen Befestigungsmauer steht noch der Zollturm, daneben sehen wir das Alte Wirtshaus an der Lahn.

Zollturm und Wirtshaus an der Lahn
Zollturm und Wirtshaus an der Lahn

Das wirkliche Wirtshaus an der Lahn zu sein, beanspruchen neben Dausenau Niederlahnstein und Weimar bei Marburg. Am wahrscheinlichsten ist wohl Niederlahnstein, weil es in 4. (historischen) Strophe heißt

“Und wer hat wohl das Lied gemacht?
Zwei Mann Soldaten auf der Wacht
Ein Trommler und ein Pfeifer”

und wohl nur im angrenzenden Turm in Lahnstein Soldaten waren. Aber vielleicht auch im Dausenauer Zollturm? Fragen über Fragen.

Einkehren bei der Frau Wirtin konnten wir nicht. Schade, gerne hätten wir uns an den Eichentisch gesetzt, an dem 1814 schon General Blücher saß und auch Goethe (natürlich) öfters. Er soll in den Tisch eingeritzt haben

„Wasser allein macht stumm – das zeigen im Bach die Fische. 
Wein allein macht dumm – siehe die Herrn am Tische. 
Da ich keins von beiden will sein – trink ich Wasser mit Wein.“

weil er vom Nachbartisch aus ob seines Weinschorle verspottet wurde.

Nirgends in Dausenau konnten wir einkehren, weil alle Gaststätten geschlossen sind.

Vielleicht können wir die Frage ja auf der nächsten Etappe klären, die uns dann – so Gott will und wir leben – zur Lahnmündung nach Niederlahnstein führen wird.

Jetzt war’n wir selber an der Lahn
Und sahn uns die Frau Wirtin an.
Da müssen wir schon sagen,
Ihr Ruf ist zwar bedauerlich,
Doch gut ist ihr Betragen

Die bedeutende und ansonsten offene St. Kastor Kirche können wir nicht besichtigen, weil gerade die Heizung renoviert wird. Schade, muss aber wohl mal sein. Schließlich ist St. Kastor aus dem frühen 14. Jahrhundert, der romanische Turm sogar von 1179.

St. Kastor, Bildrechte: Santiago2000, CC BY-SA 3.0 
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons
St. Kastor, Bildrechte: Santiago2000, CC BY-SA 3.0
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons

Wir verlassen Dausenau durch das Stadttor und bewundern noch die 1000-jährige Gerichtseiche vor dem Tor.

Tausendjährige Eiche
Tausendjährige Eiche

Hinter Dausenau geht es dann wieder auf den Wanderweg oberhalb der Lahnschleife, der uns weiter nach Bad Ems führt.

Wie gesagt, die Wanderung selbst eher langweilig ohne besondere Ausblicke. Aber uns steckt noch die gestrige Tour in den Gliedern, höher in die Berge zu steigen, um schönere Aussichten zu haben, wäre heute nicht drin gewesen.

Der Weg

Bei Komoot kann auch die GPX-Route heruntergeladen werden:

Rundgang durch Bad Ems

Dafür machen wir am nächsten Tag noch einen schönen Rundgang durch Bad Ems.

Für alle, die nicht wie ich herzkrank oder fußlahm sind, empfiehlt sich wohl unbedingt ein Aufstieg über den Felsenpfad und die Heinzelmannshöhlen hinauf zum Concordiaturm. Für uns war das (leider) nichts.

Auf einer schönen Fußgängerbrücke, der Bahnhofsbrücke, überqueren wir die Lahn und haben einen schönen Ausblick auf Kurhaus und Kurpark.

Kurhaus
Kurhaus

Auf der linken Lahnseite

Zwei der Stationen, die wir ansteuern wollen, liegen südlich der Bahnlinie, aber zum Glück kann man sie im Bahnhof unterqueren.

Bahnhof
Bahnhof

Auf der anderen Seite kommen wir in einer Seitenstraße zur Kapelle Maria Königin.

Maria Königin
Maria Königin

Die kleine Kirche ist Zeugin einer kuriosen Vergangenheit: 1661, als sie erbaut wurde, war der Kurbetrieb bereits in Gange. Das Südufer gehörte nicht zu Bad Ems. Landgraf Ernst von Hessen-Rheinfels, dessen Grafschaft um die Burg Rheinfels lag und der keine Gebiete bei Bad Ems besaß, reist des öfteren dorthin. Nun war er aber 1652 zum katholischen Glauben konvertiert und wünschte deshalb auch im (evangelischen) Bad Ems eine katholische Kirche. Da am Nordufer die Hessen-Darmstädter regierten, mit denen er sich als Hessen-Kasseler aber nicht verstand, einigte er sich mit dem am Südufer regierenden (katholischen) Kurfürsten von Mainz und bezahlte dort den Bau der Kirche.

Zunächst war sie reine “Bäderkirche”, dann ließ Kurfürst Lothar Franz von Schönborn sie im 18. Jahrhundert renovieren und sie wurde auch als Pfarrkirche für die umliegenden Höfe genutzt. Über dem Tor ist sein “Stifterwappen”, das seine Herrschaftsgebiete zeigt, den Kurhut und den Bischofsstab.

Wappen von Schönborn
Wappen von Schönborn

Die Kapelle ist verschlossen, aber als wir gerade weitergehen wollen, ruft uns eine Dame, die gerade in ihr Auto steigt, zu, wir könnten bei ihrem Mann den Schlüssel holen. Wollen wir. Also: im Eckhaus zur Wintersbergstraße gibt es den Schlüssel.

Maria Königin
Maria Königin

Innen ist sie erstaunlich schlicht, nur ein einfacher Barockaltar und eine Mariä-Königin-Statue und die Orgel-

Altarraum
Altarraum
Maria Königin
Maria Königin

200 Meter weiter finden wir dann das evangelische Pendant, das freilich erst zweihundert Jahre später gebaut wurde. Schließlich gab es eine reformierte Kirche im “Dorf” Ems. Den vielen Kurgästen des 19. Jahrhunderts war das aber zu weit ab vom Schuss und mit tatkräftiger Unterstützung der Kurgäste Kaiser Wilhelm und Friedrich von Bodelschwingh wurde schließlich die Kaiser-Wilhelm-Kirche gebaut.

Kaiser-Wilhelm-Kirche
Kaiser-Wilhelm-Kirche

Heute ist sie sanierungsbedürftig und ihre Zukunft ist ungesichert. Sie ist derzeit geschlossen.

Wir gehen zurück zur Lahn und promenieren am Fluss entlang nach Westen.

Erst später von oben sehen wir die beeindruckende Gestaltung des klassizistischen Quartiers.

Blick auf das klassizistische Bahnhofsviertel
Blick auf das klassizistische Bahnhofsviertel

100 Meter weiter kommen wir zum Quellenturm. Der wurde 1908 über den “Neuquellen” erbaut und versorgte das “Neue Badehaus” auf der linken Lahnseite mit Thermalwasser.

Quellenbrunnen und Neues Badehaus
Quellenbrunnen und Neues Badehaus
Quellenbrunnen
Quellenbrunnen

Von dieser Seite hat man natürlich auch einen herrlichen Ausblick auf das gegenüberliegende Kurviertel.

Kurhäuser und Kurpark
Kurhäuser und Kurpark

Man blickt auch hinüber zur Kurwaldbahn – die natürlich ausgerechnet heute gewartet wird, weshalb wir später mit dem Auto hinauf zur Bismarckhöhe fahren.

Kurwaldbahn
Kurwaldbahn

Die Russisch-orthodoxe Kirche wurde für die vielen russischen Kurgäste gebaut und 1876 geweiht. Es gab in der Nähe auch eine Englische Kirche, die 1955 abgerissen wurde.

Russisch-Orthodoxe Kirche
Russisch-Orthodoxe Kirche
Englische Kirche, Quelle: dilibri Rheinland-Pfalz (www.dilibri.de)
Englische Kirche, Quelle: dilibri Rheinland-Pfalz (www.dilibri.de)

Oberhalb ist die Talstation der Malbergbahn, eine Standseilbahn, die aber nur bis 1979 in Betrieb war. Die Station ist als Technisches Denkmal eingestuft.

Talstation der Malbergbahn
Talstation der Malbergbahn

Wir überqueren wieder die Lahn hinüber zur Westerwaldseite und werfen einen Blick zurück.

Lahn bei Bad Ems
Lahn bei Bad Ems

Auf der rechten Lahnseite

Witzigerweise gibt es in Bad Ems gleich zwei St.-Martins-Kirchen. Die evangelische ist im Ursprung über 1000 Jahre alt. Am Kurpark liegt die Katholische Kirche.

St. Johannis
St. Johannis

Durch den Kurpark gehen wir dann zurück. Das Haus Vier Türme hat einige Könige beherbergt und war Sommerresidenz von Zar Alexander II.

Haus Vier Türme
Haus Vier Türme

1887 weilten gleich drei (!) Kaiser Wilhelme zur Kur in Bad Ems, das Denkmal im Kurpark zeigt in Reliefs alle drei, als Statue aber Wilhelm I. Und war das erste Mal, das er als Privatmann und nicht in Uniform gezeigt wurde.

Kaiser Wilhelm I
Kaiser Wilhelm I

Auf der Promenadenmauer kann man ein bisschen in der Herbstsonne sitzen.

Herbstsonne an der Lahn
Herbstsonne an der Lahn

Auf der anderen Seite sieht man nun auch gut Schloss Balmoral, das wir auf unserem Rundgang ausgelassen haben. Heute ist das Schloss, in dem immer schon Künstler verkehrt haben, eine Wohn- und Arbeitsstätte für Kunststipendiaten des Landes.

Im Hintergrund: Schloss Balmoral
Im Hintergrund: Schloss Balmoral

150 Jahre vor uns war am 13. Juli König Wilhelm von Preußen über die Kurpromenade spaziert und traf dort um 9.10 Uhr den Französischen Botschafter De Benedetti. Vorausgegangen war eine Auseinandersetzung zwischen Frankreich und dem Norddeutschen Bund über die Spanische Thronnachfolge. Der Botschafter forderte den König auf, seinen Verzicht auf diesen Thron auch für die Zukunft zu erklären, was dieser ablehnte.

Abends schickte ein Mitarbeiter Bismarcks, der den König begleitete, eine Depesche mit einem Bericht an Bismarck, der die Nachricht verschärfte und an Paris und an die Presse weitergab.

Als Emser Depesche ging diese Begebenheit, die einer der Hauptauslöser des Deutsch-Französischen Krieges war, in die Geschichte ein.

Emser Depesche
Emser Depesche

Die Liebste holt extra einen Trinkbecher aus dem Auto, damit wir aus der Römerquelle etwas von dem 42° C warmen Heilwasser trinken können, das verdauungsfördernd sein soll.

Römerquelle
Römerquelle

Immerhin 57° C ist dagegen der Robert-Kampe-Sprudel warm und sprudelt bis zu 8 Meter hoch.

Robert-Kampe-Sprudel
Robert-Kampe-Sprudel

Da die Kurwaldbahn – warum denke ich immer an den Kuhwald, wo ich Pfarrer war – geschlossen ist, fahren wir mit dem Auto zum Abschluss auf die Bismarckhöhe. Man könnte hier im zweiten Kurpark noch spazieren gehen, tun wir aber nicht. Wir setzen uns noch in die Herbstsonne auf die Terrasse des Bismarck’s essen wirklich viel, genießen den Ausblick und bekommen noch etwas eingepackt.

Letzter Blick auf Bad Ems
Letzter Blick auf Bad Ems

Der Rundweg

Bei Komoot kann auch die GPX-Route heruntergeladen werden:

Lies auch:

  1. Burg Runkel

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