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Freundschaft

„Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.“
Johannes 15, 13 – Monatsspruch für März 2010

Mit 5 bin ich in den Kindergarten gekommen. Das ist jetzt über ein halbes Jahrhundert her, aber ich erinnere mich noch wie in einem Film an diesen Tag, weil da etwas Bedeutsames passiert ist.

Die Kindergärtner, Tante Else, schob mich vor sich her in den Gruppenraum. Da gab es einen großen Tisch, an dem Kinder mit Bauklötzen bauten. Mitten auf dem Tisch lag ein Junge, der mir gleich gefiel.

Er sah mich an und fragte: „Willst Du mein Freund sein?“. Ich nickte und wir waren Freunde. So einfach ging das. Erich war für viele Jahre mein bester Freund.

Vor vielen Jahren sagte mir eine junge Frau – sie war Anfang 30 – einmal „In unserem Alter lernt man keine Freunde mehr kennen“. Damals fand ich das entsetzlich – aber irgendwie hatte sie ein bisschen Recht: es ist schwer.

Seit ich bei „Facebook“ bin, habe ich viele „Freunde“. Freunde sind wir deshalb noch lange nicht.

Es ist etwas ganz Besonders, wenn einem eine Freundschaft angeboten wird. Meistens entwickelt sich ja so etwas und irgendwann stellt man fest „Ja, irgendwie sind wir Freunde geworden“.

Jesus redet hier von Freundschaft. Ich glaube, das ist keine Aufforderung an uns, dass du oder ich unser Leben für Freunde lassen sollen. Es ist eine Selbstaussage Jesu: „soweit geht meine Freundschaft“ und ein Freundschaftsangebot. „Ihr seid meine Freunde“, fährt er fort, „jetzt nicht mehr Knechte, sondern Freunde“

Nachdem sie so viel zusammen erlebt haben, bietet Jesus seinen Jüngerinnen und Jüngern die Freundschaft an. Eine unverbrüchliche. Ich habe das immer so verstanden, dass es auch ein Freundschaftsangebot an mich ist.

Er bereitet seine Freunde auf seinen Tod vor: „Nehmt das als Zeichen meiner Freundschaft, dass ich mein Leben für euch hingebe“.

Hingebungsvolle Freundschaft bis zum Tod – das sehe ich, wenn ich das Kreuz sehe. So übersetze ich für mich auch den mir nur noch schwer nachvollziehbaren Begriff „Opfer“ mit „Hingabe“.

Ich glaube: es gibt eine tiefe Sehnsucht im Menschen nach hingebungsvoller Freundschaft.

Vielleicht ist ein kleiner Schritt, einmal wieder jemandem ausdrücklich Freundschaft anzubieten.

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10 Kommentare

  1. Anonymous 21. März 2010

    Kein Problem…so gehaltvoll war er ja nicht…derr Kommentar ;-)…ich dachte eher, dass ich einen Fehler begangen hatte.

  2. Anonymous 21. März 2010

    Meiner Meinung nach ist es mit den Freundschaften ähnlich wie mit der Liebe. Viele wünschen sich Liebe und Freundschaften die ein Leben lang halten. Es wäre wohl der Idealfall. Aber Lieben vergehen nun mal und Freundschaften können zerbrechen. In jungen Jahren ist dies sicherlich leichter hinzunehmen. Der Wert von Freundschaften und Liebe steigt u.a. mit zunehmender, gemeinsame Biographie. Ist das vielleicht ein Grund warum wir annehmen, dass Freundschaften im Alter nicht mehr so leicht einzugehen sind. Oder liegt es daran, dass es mit steigendem Alter schwierig wird neue Freunde zu gewinnen, weil die Angst vor Verletzungen mit zunehmender Dünnhäutigkeit steigt.
    Gruß! Franzi

    • jahreszeiten 21. März 2010

      Ich habe eine Reihe sehr guter Freundinnen und Freunde, die ich nun seit Jahrzehnten kenne – leider inzwischen über ganz Deutschland verstreut.

      Einige andere Freundschaften sind eingeschlafen. Und wenige zerbrochen. Ja, es kann sein, dass die Verletzlichkeit – in dieser Beziehung – steigt.

      Übrigens: entschuldige, dass ich deinen Kommentar zu „Frühling kommt!“ gelöscht habe – ich musste den ganzen Artikel nochmal neu reinstellen und dabei ist der Kommentar verschwunden.

  3. jahreszeiten 21. März 2010

    Natürlich kann man auch mit 50 noch Freunde finden – es wäre furchtbar sonst. Aber es erfordert viel – wenn man nicht das Glück hat, zum Beispiel auf nette Nachbarn zu treffen.

    Meine Tochter hat immer unterschieden zwischen ihren „Freundinnen und Freunden“ und Klassenkameradinnen.

    Vielleicht müsste man einen neuen Begriff finden für „Freundschaften“ wie hier im Blog oder in facebook. Ansonsten ist mir der Begriff hier auch egal, natürlich – obwohl ich in der Auswahl trotzdem sehr wählerisch bin.

    • etoile-filante 22. März 2010

      mit 57 bin ich nach frankreich ausgewandert. Ich hätte den schritt vielleicht nicht getan, wenn ich mir hätte vorstellen müssen, ohne freunde zu bleiben.

      Der unterschied zwischen neuen und alten freunden, ist ein gewisses sebstverständnis, das noch fehlt. Dafür kennen einen die neueren freunde so, wie wir JETZT sind und das kann auch von vorteil sein :))

  4. Loco_just_Loco 20. März 2010

    Meine Eltern haben mit über 50 den Schritt in einen neuen Wohnort gewagt – und sie haben Freunde gefunden. Wahre Freunde, die in der Heimat, wo sie aufgewachsen waren, dem Anschein nach so nicht zu finden waren.
    Es gibt kein Alter, um Freunde zu finden. Auf den offenen Geist und das offene Herz kommt es an!
    Vielleicht ist es bei Kindern einfacher – aber für meinen Sohn sind immer noch alle Klassenkameraden Freunde… nein, er reduziert jetzt auf „Schulfreunde“, aber dennoch ist mir das Wort zu stark für etwas, das nicht weiter geht als Schulhofkameradschaft.
    Über die „Freundes“-Liste hier im Blog wurde vor Jahren auch mal heftig debattiert, du erinnerst dich sicher? Mittlerweile ist mir da der Begriff egal.

  5. orphelins 20. März 2010

    Freundschaft ist etwas ganz besonderes. Aber auch Bekanntschaften können das Leben unglaublich bereichern. Ich denke man sollte nicht zu sehr die Freundschaft suchen oder ihr nachtrauern wenn sie nicht da ist, sie ergibt sich von ganz allein aus einer bereichernden Bekanntschaft.

    (der Flitzestern hat Dir ja schon den Kopf gewaschen, da muss ich ja nichts mehr hinzufügen 😉 )

  6. etoile-filante 20. März 2010

    dem du interessierst mich, ich möchte mehr mit dir teilen worte geben ist etwas kostbares.

    sogar auf der virtuellen ebene. Facebook ist mir zu knapp. Im blog hingegen sind einige wirklich gute begegnungen möglich geworden, durch das anbieten oder annehmen eines freundsschaftsangebotes und die nachfolgende pflege des umgangs.

    Dazu gehört aber nach meiner meinung auch, dass man sich unter freunden (ab)meldet, wenn man sehr lange abwesend ist … Du verstehst? 😉

    vorösterlich windige bisous, la flitz

    • jahreszeiten 20. März 2010

      ich verstehe voll und ganz. ich schwanke seit zwei jahren zwischen bei blog abmelden und „relaunchen“. Wenn ich es jetzt nicht wiederbelebe, werde ich mich in einem Monat hier verabschieden. Aber im Moment bin ich guter Hoffnung. Nichts für ungut.

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