„Geschlagen ziehen wir nach Haus. Die Enkel fechten’s besser aus“ – Schulz und die SPD

Foto: Wikimedia – Ziko van Dijk

Gestern nun die Nachricht, dass Schulz doch nicht Außenminister werden wolle. Vorher die Nachricht, dass Gabriel sich in der Presse beleidigt zeigte, dass Schulz sein Versprechen gebrochen habe, nachdem er Außenminister bleiben solle.

Ein gewisses Verständnis hatte ich für Gabriel, insofern er nicht einfach schlucken wollte, was ihn wohl schwer verletzt hatte. Andererseits: Gabriel ist sicher derjenige in der SPD, der in den letzten Jahren am meisten ausgeteilt hat. Auch nach seinem Rücktritt als Parteivorsitzender verhielt er sich nicht Gabriel gegenüber nicht übermäßig loyal, gelinde gesagt.

Meine Gefühle, was diese Partei betreffen, fahren Achterbahn. Hatte ich im November nach dem Scheitern Jamaikas noch einen flammenden Appell geschrieben, die Partei möge sich ihrer Verantwortung bewusst werden und GroKo-Verhandlungen beginnen, fand ich die Ergebnisse der Verhandlungen überaus bescheiden. Ich musste dann aber zur Kenntnis nehmen, dass dies in den überwiegenden Reaktionen nicht so gesehen wurde. Und die Talfahrt der SPD unablässig weiterging.

So schrieb ich dann letzte Woche durchaus ernst gemeint:

Ich bin übrigens froh, dass die SPD-Mitglieder über die Koalition entscheiden und nicht ich. Mit der Entscheidung wäre ich restlos überfordert.

Ich weiß nicht, was ich Schulz geraten hätte. An diesem Punkt seiner Karriere sicher das, was er getan hat: den Hut nehmen. Er hatte sich einfach in eine unhaltbare Situation gebracht, hatte Stärke zeigen wollen an Punkten, wo es nicht angebracht war:

  • in dem unsäglichen Auftritt in der Elefantenrunde am Wahlabend, wo er gegen Merkel zu Felde zog, als habe die SPD nie mit ihr an einem Tisch gesessen
  • mit der definitiven Absage an eine Große Koalition
  • mit der definitiven Absage seiner Beteiligung an einem Kabinett Merkel

All dies musste er revidieren, der Glaube an seiner Verlässlichkeit ist ins Bodenlose gesunken.

Zu allem Überfluss hat er auch sofort nach dem Bekanntgeben des GroKo-Verhandlungsabschlusses seinen Rückzug als Parteivorsitzender bekanntgegeben. Das hat ihm keinen einzigen Pluspunkt eingebracht und verhindert nun, dass er noch eine Zeit in Ehren Parteivorsitzender bleiben könnte.

Schulz ist eine tragische Figur. Er kann einem eigentlich nur leid tun. Einer, der sich durchaus Verdienste um diese Partei erworben wird, wird nun abgehalftert abtreten müssen.

„Geschlagen ziehen wir nach Haus,
die Enkel fechten’s besser aus“

(Aus den Bauernkriegen)

Hoffen wir auf eine ferne Zukunft der SPD.

 

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