Dies und Das

Glaube an Gott und binde Dein Kamel fest

Die zerbrochene Schale

Eine verheiratete Frau hatte auf einer Reise einen Liebhaber kennen gelernt und mit ihm eine schöne Zeit verbracht. Wieder zu Hause, dachte sie fortwährend an ihren Freund. Nichts erweckte mehr ihr Interesse.

Der Erfolg des Mannes war ihr gleichgültig wie die Wolken am Himmel. Sie langweilte sich. Vor Trauer und Langeweile hätte sie weinen wollen, musste aber das Weinen unterdrücken, weil sie befürchtete, ihre Tränen könnten sie und ihre geheimen Wünsche verraten.

Wie unabsichtlich ließ sie am Abend eine kostbare Schale fallen. Die Schale zerbrach, und die Frau fing so herzzerbrechend an zu weinen, dass ihr Mann ihr nicht böse sein konnte.

Im Gegenteil, zusammen mit der Schwiegermutter tröstete er seine Frau und sagte: „Meine geliebte Frau, so schlimm ist es doch nun wieder nicht. Die Schale ist Deine Tränen nicht wert“.

Doch die Frau weinte sich ohne Unterbrechung ihre Langeweile und ihren Kummer vom Herzen.
Ich lernte ihn 1986 kennen: ein kluger, bescheidener, überaus freundlicher Mann. Dabei hatte er damals schon einige Bücher veröffentlicht und es kamen noch etliche dazu.

Ich hatte ihn eingeladen, einen Abend zum Thema „Interkulturelle Psychotherapie“ bei einer Reihe über interkulturelle Medizin am Fachbereich Humanmedizin der Frankfurter Uni zu halten. Er faszinierte alle mit seinem Humor und seinen Geschichten.

Heute, am 18. Juni, vor 82 Jahren ist Nossrat Peseschkian, geboren. Er starb vor fünf Jahren in Wiesbaden.

Nossrat Peseschkian war ein Vermittler zwischen den Kulturen. In Persien (Iran)geboren, kam er 1954 nach Deutschland und brachte die Weisheit seines Volkes mit. Er war der Begründer der „Positiven Psychotherapie“, lange bevor das flache „Think positiv“ modern wurde.

In die Psychotherapie brachte er vor allem unglaublich viele Geschichten, Humor und Weisheit ein. Sie sehen, ich bewundere diesen Mann.

Hier drei seiner Geschichten

Zum Arzt kam ein Schuster, der unter starken Schmerzen litt und dem Tod nahe
schien. Der Arzt gab sich Mühe, fand aber kein Rezept, das noch hätte helfen können.

Ängstlich fragte der Patient: „Gibt es nichts mehr, was mich retten kann?“ Der Arzt antwortete: „Ich kenne leider keine anderen Mittel.“

Darauf antwortete der Schuster: „Wenn nichts mehr hilft, dann habe ich zum Schluss noch einen Wunsch: Ich möchte einen Eintopf mit zwei Kilo dicken Bohnen und einem Liter Essig.“

Der Arzt hob resigniert die Schultern: „Ich halte nicht viel davon, aber wenn Sie meinen, können Sie es versuchen.“

Die Nacht über wartete der Arzt auf die Todesnachricht. Am nächsten Morgen aber war der Schuster zum Erstaunen des Arztes quicklebendig und gesund.

So schrieb er in sein Tagebuch: Heute kam ein Schuster zu mir, für den es kein Mittel mehr gab. Aber zwei Kilo Bohnen und ein Liter Essig haben ihm geholfen.

Kurze Zeit darauf wurde der Arzt zu einem schwerkranken Schneider gerufen. Auch in diesem Fall war er am Ende seiner Kunst. Als ehrlicher Mann gestand er dem Schneider dies ein. Der bettelte: „Wissen Sie nicht noch eine andere Möglichkeit?“

Der Arzt dachte nach und sagte: „Nein, aber vor nicht allzu langer Zeit kam ein Schuster zu mir, der unter ähnlichen Beschwerden litt wie Sie. Ihm halfen zwei Kilo Bohnen und ein Liter Essig.“ „Wenn nichts mehr hilft, werde ich halt das versuchen.“, antwortete der Schneider. Er aß die Bohnen mit Essig und war am nächsten Tag tot.

Daraufhin schrieb der Arzt in sein Tagebuch: Gestern kam ein Schneider zu mir. Ihm war nicht zu helfen. Er aß zwei Kilo Bohnen mit einem Liter Essig, und er starb.

Was für die Schuster gut ist, ist nicht gut für die Schneider.

Ein Faghih, ein Lehrer in früheren Tagen, las bei einer Unterrichtsvorbereitung in einem klugen Buch, das sieben Weise geschrieben hatten, den Satz: “Kleiner Kopf und langer Bart sind ein untrügliches Zeichen für Dummheit.“

Voll Interesse nahm er einen Spiegel und betrachtete sich lange Zeit: „ Ich habe einen langen weißen Bart“ sprach er vor sich hin. Angestrengt starrte er weiter in den Spiegel: „Gott bewahre mich, mein Kopf ist auch nicht gerade groß. Wenn ich das Wort der Weisen morgen vor meinen Schülern lese, wie stehe ich dann vor ihnen da?“

Das unglückliche Zusammentreffen der Merkmale der Dummheit in seiner Person ließ ihn so schnell handeln wie denken: „ Von kurzem Bart und kleinem Kopf als Zeichen von Dummheit steht nichts in dem Buch.“

Keine Schere war zur Hand, kein scharfes Messer, um den Bart zu kürzen. So griff der Faghih in seinem Eifer nach einem Leuchter, um die verräterische Länge des Bartes zu stutzen. Wie eine Stichflamme fuhr das Feuer an seinem Bart hoch. Bevor er die Flamme löschen konnte, war sein Bart versengt, die Haut seines Gesichtes vom Feuer verbrannt und schwarz vor Ruß.

Da er sich ohne Bart und mit Brandwunden vor anderen Menschen – erst recht vor seinen Schülern – nicht zeigen konnte, hatte er genügend Zeit zum Nachdenken.

Neben den verhängnisvollen Satz „Kleiner Kopf und langer Bart sind ein untrügliches Zeichen für Dummheit“ schrieb er in gestochenen Schriftzeichen: „Diese Behauptung hat sich in der Praxis als wahr erwiesen.“

Die Gläubigen kamen in Scharen, um die Worte des Propheten Mohammed zu hören. Ein Mann hörte besonders aufmerksam und andächtig zu, betete mit gläubiger Inbrunst und verabschiedete sich schließlich vom Propheten, als es Abend wurde.

Kaum war er draußen, kam er wieder zurückgerannt und schrie mit sich überschlagender Stimme: „Oh, Herr! Heute morgen ritt ich auf meinem Kamel zu dir, um dich, den Propheten Gottes, zu hören. jetzt ist das Kamel nicht mehr da. Weit und breit ist kein Kamel zu sehen. Ich war dir gehorsam, achtete auf jedes Wort deiner Rede und vertraute auf Gottes Allmacht. jetzt, Oh, Herr, ist mein Kamel fort. Ist das die göttliche Gerechtigkeit? Ist das die Belohnung meines Glaubens? Ist das der Dank für meine Gebete?“

Mohammed hörte sich diese verzweifelten Worte an und antwortete mit einem gütigen Lächeln: „Glaube an Gott und binde dein Kamel fest.“

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