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Der leichte Schmerz, den mir der Stich gewährt

Die Mücke

Ein leises Gesurr. Auf meine Hand
sinkt flügelschwirrend eine Mücke nieder,
ein Hauch von einem Leib, sechs zarte Glieder –
Wo kam sie her aus winterlichem Land?

Ein Rüssel … schlag ich zu? Missgönn ich ihr
den Tropfen Blut, der solches Wesen nährt?
Den leichten Schmerz, den mir der Stich gewährt?
Sie handelt, wie sie muss. Bin ich ein Tier?

So stich nur zu, du kleine Flügelseele,
solang mein Blutgefäß dich nähren mag,
solang du sorgst um deinen kurzen Tag!

Stich zu, dass es dir nicht an Kräften fehle!
Wir sind ja beide, Mensch und Mücke, nichts
als kleine Schatten eines großen Lichts.

Dieses Gedicht schrieb Albrecht Haushofer 1945 vor seiner Ermordung durch die SS im Gefängnis Moabit.

Moabiter Sonette

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1 Kommentar

  1. Anonymous 21. August 2010

    ja, gut, die eine nur, die zweite auch…wenn sie will…aber dann…wohin führt es?

    …was ist das Ende, wenn ich mich im Wald befinde an einem Flussufer?

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