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Der Tag hat’s in sich

Der 17. April hat’s in sich.

Das merkte ich schon an der Tageslosung
,
die es in sich hat:

Lernt Gutes tun, trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten!
Jesaja 1,17

Mal sehen, wo ich das heute anwenden kann.

An manchen anderen Tagen ist es zum Verzweifeln. Kein Thema für einen netten Blogeintrag in Sicht. Und auch ein Blick in die Geschichte hilft nicht weiter. Nichts passiert an diesem Tag.

Dagegen heute: ich glaube, jedes der folgenden Ereignisse, die an diesem Tag stattfanden, wäre einen Blog wert.

Vera Brühne
als Doppelmörderin zu lebenslänglich „Zuchthaus“ (so hieß das damals noch) verurteilt, starb am 17.4.2001. Prozess und Urteil waren skandalös. Aber einer geschiedenen Frau war alles zuzutrauen.

Sir John Paul Getty II.
legendärer Multimilliardär, lange Zeit der reichste Mann der Welt, ein Partyhengst und Rauschgiftkonsument – und einer der wohltätigsten Menschen der Welt: 183 Millionen Dollar spendete er für wohltätige Zwecke. Elisabeth II. schlug ihn dafür zum Ritter. Er starb am 17.4.2003.

Max Josef Weber
wurde vom sog. „Volksgerichtshof“ unter Vorsitz von Freisler zum Tode verurteilt. Freisler: „Eine solche Pestbeule muss ausgetrocknet werden“.
Im Urteil heißt es: „ein Verrat, den unser gesundes Volksempfinden für todeswürdig hält“.
Weber war katholischer Pfarrer. Nach seinen Erfahrungen als Militärpfarrer im ersten Weltkrieg trat er für internationale Versöhnung ein. Am 17.4.1944 wurde er hingerichtet.

Benjamin Franklin
erfand den Blitzableiter. Als wäre das nicht schon genug Segen für die Menschheit gewesen, war er der Unterzeichner der amerikanischen Verfassung und Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung:

“We hold these truths to be self-evident,
that all men are created equal,
that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights,
that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.

Wir halten diese Wahrtheiten für so selbstverständlich,
dass sie keiner Erläuterung bedürfen:
dass alle Menschen gleich geschaffen sind,
dass sie von ihrem Schöpfer
bestimmte unveräußerliche Rechte erhalten haben:
zu diesen gehören
Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit

[meine Übersetzung]

Von Anfang an war Franklin entschiedener Kämpfer gegen die Sklaverei.

Für seinen Grabstein wünschte er sich diese Inschrift:

„Hier ruht der Körper des Buchdruckers Benjamin Franklin,
den Würmern zur Nahrung wie der Deckel eines alten Buches,
dessen Inhalt herausgerissen, ohne Titel und Vergoldung.
Jedoch das Werk selbst ist nicht verloren gegangen,
sondern wird, wie er glaubte,
neu erscheinen in neuer und feinerer Ausgabe,
durchgesehen und verbessert vom Verfasser.“

Franklin starb heute vor 220 Jahren.

Luther vor dem Reichstag
Heute vor 489 Jahren musste Martin Luther vor dem Reichstag erscheinen, um seine Schriften zu widerrufen. Als er sich weigerte, wurde der Reichsbann über ihn verhängt.

Daher kann und will ich nichts widerrufen,
weil wider das Gewissen etwas zu tun
weder sicher noch heilsam ist.
Gott helfe mir, Amen!

Frere Roger gründet Taizé
Heute vor 61 Jahren gründete Roger Schutz die Communauté de Taizé, eine ökmumenische Gemeinschaft. Jedes Jahr kommen inzwischen ca. 6000 Jugendliche aus aller Welt hierher.
Der LichterNACHTgottesdienst nach dem Vorbild der Taizégebete gehört in unserer Gemeinde zu den geistlichen Höhepunkten des Jahres.
Frere Roger wurde 2005 während des Abendgebetes ermordet.

Religiöse Sozialisten
Eine von Leonhard Ragaz einberufene „religiös-soziale“ Versammlung gilt als Keimzelle der „Religiösen Sozialisten“. Sie fand heute vor 103 Jahren in Zürich statt.

„Jesus von Nazaret hat das Reich Gottes für diese Erde verkündet.
Darum treten Religiöse SozialistInnen für eine Gesellschaft ein,
in der alle Menschen gerechte und gleiche Lebensbedingungen antreffen.

Wir tun das als Teil der ökumenischen Christenheit,
verbunden mit dem Erbe der Arbeiterbewegung
und solidarisch mit den Befreiungsbewegungen Lateinamerikas und Schwarzafrikas.“

Die Schweinebucht
Heute vor 49 Jahren landeten Exilkubaner in der Schweinebucht auf Kuba. Die vom CIA gesteuerte „Invasion“ sollte erreichen, dass ein kleiner Stützpunkt in Kuba für ein paar Tage gehalten wird, die kubanische Exilregierung dann die USA zu Hilfe rufen könnte und die USA einen Anlass hätten, Kuba militärisch anzugreifen.

Ein Misserfolg auf der ganzen Linie. Kuba machte 1000 Gefangene. Das Ansehen John F. Kennedys, erst 90 Tage im Amt, wurde schwer geschädigt.

Die Invasion und die ihr folgende Eskalation führte in der „Kubakrise“ die Welt an den Rand des 3. Weltkrieges – was John F. Kennedy wiederum nicht schadete, sondern zu einem „starken Präsidenten“ stilisierte.

Himmlischer Frieden
Ein Hoffnungszeichen: Tausende versammeln sich heute vor 21 erstmals auf dem „Platz des Himmlischen Friedens“ in Peking, um für Reformen zu demonstrieren.
Noch einen Monat später, am 14. Mai 1989, nehme ich am Pfingstsonntag in meiner Predigt auf die Demonstrationen Bezug, nenne sie „Hoffnungszeichen himmlischen Friedens“.
Am 4. Juni werden 3000 Menschen von der chinesischen Armee ermordet.

Verrückt: ich glaube noch immer daran, dass Frieden machbar ist.

Lesenswerter Blog

Am heutigen Tag erscheint mein Blog als „lesenwerter Blog“.
Zuviel der Ehre!

Nicht wahr, der Tag hat’s in sich.
Bin gespannt, was er uns noch bringt

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3 Kommentare

  1. Loco_just_Loco 17. April 2010

    Heute hat mein Hund Geburtstag und wird 12 Jahre alt. Nicht weltbewegend…

    • jahreszeiten 19. April 2010

      Durchaus wichtig! Habt ihr ihm denn auch was geschenkt und ein Liedchen gesungen („Wie schön, dass du geboren bist?“)
      Das ist jetzt ernst. Bei unserem haben wir immer Geburtstag gefeiert.

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