Auf der Insel – Die Tage im „Valle“ (3)

Im „Valle“, dem Tal der Könige, war ich 1984 mit Frau und Kind (damals 1) zum ersten Mal, seitdem insgesamt zehn mal, das letzte Mal war nun allerdings zehn Jahre her. Es hat sich viel verändert, seit den frühen 80ern – aber das ist ein anderes Thema, über das ich bald auch einmal schreiben will.

Von Playa de Santiago aus konnten wir mit einer Schnellfähre in den Westen der Insel nach Valle Gran Rey fahren, entlang der beeindruckenden Felswände.

Wie schon am Vortag in Santiago, leuchtete uns ein riesiger Regenbogen.

Wir nähern uns dem Hafen

Wir nähern uns dem Hafen

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In diesem Jahr wohnten wir in einem Mini-„Studio“ in La Playa, einem der Ortsteile von Valle Gran Rey. Ein kleiner Schock angesichts der Größe und eine Umstellung vom Komforthotel, aber dann nahmen wir’s gelassen und es ließ sich aushalten.

Maria war einmal der zentral abendliche Treffpunkt

„Maria“ war einmal der zentral abendliche Treffpunkt

La Playa war einmal der zentrale Treffpunkt im Valle, hier traf ich auch Doris Dörrie. Um die Ecke bei „El Fotografo“ gibt es noch die gleichen Postkarten wie 1984. Zugegeben, sie sind schöm, aber inzwischen doch ein bisschen in die Jahre gekommen – und neue hat er anscheinend nicht fotografiert, mein Bekannter aus der Darmstädter Jugendzeit. Auch sein Lädchen wirkt inzwischen etwas heruntergekommen.

El Fotografo

El Fotografo

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Wo früher nur ein Trampelpfad ging, führt jetzt eine beleuchtete Straße zum „Paya des Ingles“. Mit meinen fast 70 Jahren macht es mir immer noch einen Riesenspaß, unter den hohen Wellenbrechern hindurchzutauchen. Ganz ungefährlich ist das nicht, hier sind schon eine ganze Reihe Deutscher ums Leben gekommen.

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An der kleinen Kapelle bei Maria treffen sich noch immer die alten Männer, inzwischen nur noch in einer etwas ruhigeren Ecke, alles andere ist von Hippies belagert, die wie eh und je ihre Ketten und Bilder anbieten.

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Calera

Calera

Gleich am ersten Abend gehen wir natürlich hoch zu „Sebastian“, einem meiner Lieblingslokale, dass es jetzt bald 50 Jahre gibt. Sebastian und seine deutsche Frau Marianne kochen und bedienen hier Tag für Tag (nein, sonntags nicht).

Auf unsere Frage, was sie empfehlen könne, antwortet Marianne etwas unwirsch „Alles. Bei mir schmeckt alles gut. Wir haben jeden Tag das gleiche“.

Sebastian und Maria

Sebastian und Maria

So ist sie. Hinterher bringt sie uns selbstverständlich Plastikpackungen, um die Hälfte der Portionen, die wir nicht verdrücken können, einzupacken. Zweimal gehen wir in dieser Woche zu ihr.

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Auch das Fischrestaurant in Vueltas gibt es noch. In der Kühltheke kann man sich den frischen Fisch aussuchen. Wie bei Sebastian ist die Terrasse inzwischen ausgebaut, sonst hat sich nichts verändert. Für Samstag bestellen wir eine Meeresfrüchtepaella für zwei. Köstlich.

Paella

Paella

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Freitags fahren wir mit Tinas Excursionen raus zum Delphinwatching. Erst denken wir, wir kriegen nichts zu sehen, so lange fahren wir.

Bis ich erkannt habe, dass das große Holzstück, das da treibt, eine große Meeresschildkröte ist, die uns auch noch anblickt, ist es zum Fotografieren zu spät.

Aber dann sind sie da und wir können nicht genug kriegen: um uns tummeln sich die Delfine und tuten die Wale. Letztes Jahr waren wir ja begeistert von den Pottwalen in Norwegen, aber diese kleinen hier sind auch toll. Sie geben merkwürdige Töne von sich, wie Stöhnen.

Die Delfine springen und flitzen um unser Boot. Anscheinend macht es ihnen wirklich Spaß, mit uns um die Wette zu schwimmen.

Unsere Route

Unsere Route

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Auch schön war es im „Tropischen Fruchtgarten“. Seit 1984 hat hier das Ehepaar Schrader mühsam zuerst Terrassentreppen und denn den Fruchtgarten angelegt, seit 1990 kann man ihn besichtigen.

In der engen Schlucht ist das ideale Klima für alle möglichen Arten tropischer Früchte, kleine Proben dürfen wir kosten.

Lulo

Lulo

Die Lulo heißt auf den Kanaren „Naranjilla“. Sie wächst in Südamerika und wird vor allem für Säfte verwendet.

Jabuticaba

Jabuticaba

Die Jabuticaba „Baumstammkirsche“ kommt auch aus Südamerika.

Frucht des Feigenkaktus

Frucht des Feigenkaktus

Das Fruchtfleisch der Kaktusfeigen schmeckt erfrischend süß-säuerlich.

Cochenillelaus

Cochenillelaus

Die Cochenillelaus, die sich auf Kakteen ansiedelt, war schon im Alten Testament sehr begehrt, später war der scharlachrote Farbstoff, der aus den Läusen gewonnen wird, den Kardinälen vorbehalten. Heute wird er noch zum Färben von Campari verwendet. Also Vegetarier: nicht trinken!

Bananen

Bananen

Die köstlichen Bananen, die auf Gomera wachsen, entsprechen nicht den EG-Richtlinien und dürfen deshalb nicht exportiert werden. Die riesigen Bananenplantagen sind deshalb im Laufe der Jahre geschrumpft, mit Fördergeldern Spaniens wird für die Kanaren aber immer noch produziert.

Das rote „Anhängsel“ ist übrigens die männliche Blüte.

Von hier oben aus öffnet sich ein schöner Blick zum Hafen.

In den Höhlen ringsum lebten die erste Hippies, die auf die Insel kamen.

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Abends in Calera

Mein Freund, der Baum

Mein Freund, der Baum

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Am letzten Tag machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch das Tal von Valle Gran Rey hinauf bis zum Künstlerdorf El Guro. Hochzus führt unser Weg entlang des Flussbettes. Hier habe ich noch gewaltige Flutmassen herunterkommen sehen, heute ist das Flussbett stillgelegt.

Hinunter gehen wir dann wieder durch die Ausläufer des Dorfes.

 

 

 

 

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