Gomera. Wie es damals war.

Im Februar 1984 war ich das erste Mal auf Gomera. Mascha war ein Jahr alt. Im Jahr vorher waren wir mit ihr in Portugal, dort hatte ich nach einem nicht entdeckten Blinddarmdurchbruch eine schwere Operation, wegen der ich über 10 Wochen im Krankenhaus bleiben musste, fünf davon in Lagos, dann wurde ich zurückgeflogen nach Deutschland. 

Inzwischen hatte ich mich einigermaßen erholt, aber wir brauchten dringend Urlaub. Wohin im Winter, wenn es einigermaßen warm sein soll? 

Eine Kollegin war im Jahr vorher auf Gomera gewesen und war begeistert: „Da müsst Ihr unbedingt hin!“. 1984 guckte man nicht ins Internet, das gab es in dieser Form noch gar nicht. Man ging in ein kleines Reisebüro und fragte nach einem billigen Flug nach Teneriffa.

Mit zwei

Mittlerweile war ich neunmal insgesamt auf Gomera: 1984, 1985, 1986 mit Frau und Kind. 1988 im Jahr der Trennung alleine. 2003, 2005, 2007, 2008 und jetzt wieder 2018.

Wie man nach Gomera kam

Schon am Flieger erkannte man, wer auch nach Gomera wollte. Man erkannte sie am Rucksack, unabdingbar für den Trip nach La Gomera. Auf dem kleinen Flughafen auf Teneriffa stellten sich dann schnell Paare mit kleinen Kindern zusammen und man organisierte zusammen ein Taxi, das einen für billiges Geld Zur Fähre nach Los Cristianos, damals noch einem relativ beschaulichen Ort brachte.

Einmal waren meine Frau und Kind vorausgefahren, weil ich noch arbeiten musste. Als ich an der Fähre ankam, stellte ich fest: sie fuhr für ganze drei Tage nicht. Mit ein paar anderen suchte ich einen Fischer, der uns mit seinem Kahn bei Nacht und Nebel übersetzte.

In der Regel fuhr aber einmal am Tag dann die Fähre nach Gomera, sie brauchte fast fünf Stunden. Tunlichst nahm man aber in San Sebastian ein Zimmer, um dann morgens mit dem Bus ins Valle zu fahren, damit man sicher sein konnte, ein Zimmer zu bekommen.

La Calera

La Calera

Dafür ging man dann einfach durch die Gassen von La Vuelta und wurde schnell angesprochen, on man ein Zimmer wünschte. Zwei Jahre später eröffnete der junge Trujillo eine kleine Zimmervermittlung, in der man nach freien Zimmern fragen konnte. 

Um ein schönes Appartement zu bekommen, habe ich später dann bei meinem insgesamt zehn Gomerafahrten  immer den alten Senior Trujillo angerufen, einen sehr seriösen Rechtsanwalt, der die schönsten kleinen Wohnungen vermietete. Im Gegensatz zu seinem Sohn, der berüchtigt dafür war, bei allem seine Hände im Spiel zu haben.

Valle Gran Rey

La Calera

Valle Gran Rey besteht aus mehreren Ortsteilen, in allen habe ich inzwischen gewohnt. Anfang der 80er waren nur Calera und La Vueltas nennenswerte Besiedlungen, in La Playa gab es nur „Maria“ am Playa und ein Appartementgebäude, in der „El Fotografo“ seinen Laden hatte.

Das Ortszentrum ist La Calera, malerisch oben am Berg gelegen. Größenmäßig wurde es von den anderen Ortsteilen längst überrundet. 

Die Zumeria in La Calera war früher Dreh- und Angelpunkt für alle Gomerafahrer.

Vor der Zumeria

Vor der Zumeria

Hier kam der Bus an, hingen am Schwarzen Brett Angebote und Wünsche, bekam man von anderen die ersten Informationen. Daneben war die Bank, bei der man seinen ersten Scheck einlöste oder die ersten Pesetas eintauschte. Ein paar Häuser weiter die Bar „Kuba Libre“. 

Ganz oben in Calera der legendäre „Sebastian“, von jeher eines der besten Lokale. Spartanisch eingerichtet, aber mit hervorragendem Essen, das vom Besitzer seit den frühen 80ern Tag für Tag zubereitet und von seiner deutschen Frau serviert wird.

Sebastian in den 80ern

Sebastian in den 80ern

Inzwischen gibt es eine überdachte Terrasse, sodass man vor allem draußen sitzt, dicht zusammen an einfachsten Tischen.

Am Ortseingang von Calera war früher auch der Marktplatz mit festen Buden. Eine davon war die Post. Die günstigste Methode, Geld eingetauscht zu bekommen, bestand früher darin, sein Postsparbuch mitzunehmen. Überall in Europa konnte man damit kostenlos Geld zum offiziellen Wechselkurs einlösen.

Unterhalb Caleras auf dem Weg nach Vueltas lag das „Las Palmas“. Der Besitzer war ein dicker Mann, de kaum auf das Moped passte, mit dem man ihn durch das Tal brausen sah. Sein damals kleiner Sohn war ein witziger Neunmalkluger, der später das Lokal übernahm.

Unterwegs nach Calera

Unterwegs nach Calera

+++

Vueltas

In Vueltas wohnten die Paare mit Kindern, hier gab es etwa größere Appartements als im engen Calera, in dem es nur kleine Zimmer gab. Außerdem hatte man es nicht weit zu den beiden Stränden, die für kleine Kinder geeignet waren: den Hafen und den „Babybeach“.

Der Babybeach war meistens eher eine Pfütze, aber die Kinder konnten gut baden und man konnte vor der Wellblechhütte sitzen und was trinken oder wunderbare Thunfischsteaks essen.

Am Babybeach

Am Babybeach

Der Besitzer baute dann gegenüber ein elegantes Restaurant. Heute ist er dort immer noch und bedient wie vor 35 Jahren.

Der Hafen war damals nur für die paar Fischerboote, aber der Strand war nicht abgetrennt. Wer schwimmen wollte, schwamm zwischen den Booten durch.

Im Hafen

Im Hafe

In Vueltas wurde dann auch eine Disco gebaut, inzwischen hat sie wieder zu. Als ich alleine auf Gomera war, habe ich dort manche Nacht getanzt. Die Cacadua-Bar ein paar Schritte weiter gibt es immer noch.

+++

Unser Lieblingsrestaurant in Vueltas damals schon war „El Puerto“. Hier gab es tollen Fisch. Den gibt es auch heute noch.

Paella

Paella

La Playa

Von Vueltas aus ging man einen recht beschwerlichen Weg hinüber nach La Playa. Bei Maria traf man sich zum spektakulären Sonnenuntergang, den es heute noch zu sehen gibt 🙂

Bei Maria

Bei Maria

Maria gibt es nicht mehr. Die Strandtplattform musste schon vor ein paar Jahren weichen und als Maria starb, konnten sich die Erben nicht einigen. Bis jetzt hat sich noch kein Käufer gefunden, das alte Haus müsste wohl grundsaniert werden und die Erben wollen einen horrenden Preis. Zu befürchten ist ein Betonklotz an dieser Stelle.

Maria heute

Maria heute

Vor der kleinen Kapelle am Ufer trafen sich die alten Männer. Heute sind sie noch etwas weiter an den Rand gedrängt worden.

„El Fotografo“, Thomas Müller, ist ein Jugendfreund von mir. Aber merkwürdigerweise traf ich ihn dort nie. Die ersten Jahre wusste ich gar nicht, wer sich hinter dem legendären „El Fotografo“ verbarg. Er war wohl der erste, der auf Gomera Geld machte mit wirklich tollen Postkarten und seinem kleinen Laden.

El Fotografo früher

El Fotografo früher…

...zwischendurch...

…zwischendurch…

...und heute in die Jahre gekommen

…und heute in die Jahre gekommen

Hinter den paar Häusern ging ein Trampelpfad zum Playa Ingles. Mit Kind konnte man dort nicht hin, die Brandung war viel zu hoch. Heute führt dort eine ausgebaute und beleuchtete Straße hin und es gibt FKK. „Oben ohne“ war in den 80ern die Regel.

+++

Bei „Mago“ traf man sich spät am Abend zum damaligen Kultgetränk „Campari Orange“ mit natürlich immer frisch gepressten Orangen. Damit setzte man sich auf die Mauer am Meer und guckte in den Abendhimmel.

Vor Mago

Vor Mago

 

+++

Playa de Santiago

Mehrmals sind wir früher mit einem klapprigen Mietwagen über die Insel gefahren. Das war ein Abenteuer. Enge Serpentinen, meist ohne Begrenzung. Vor jeder Kurve musste man hupen. so eng waren die Straßen. Durch den Regenwald ging es dann z.B. nach Playa de Santiago, einem kleinen Fischerort, in dem es nur ein paar Häuschen und eine Bar gab, die mich mit ihrer Schwingtür an einen Westernsaloon erinnerte.

Manchmal kam man nicht durch. Einmal musste ich umdrehen, weil der schmalen Weg nach Santiago durch im Sturm umgestürzte Bäume und Wassermangen versperrt war.

Damals ging schon das Gerücht, dass hier Fred Olsen, der Besitzer des Fährschiffes, ein Luxushotel errichten wollte, aber das konnten wir uns auf dieser Insel nicht vorstellen. 1988 wurde des dann gebaut.

Die Liebste hatte dort schon Urlaube verbracht, bevor wir uns kennenlernten und so fahren wir seitdem eine Woche in das „Jardin Tecina“ und eine Woche nach Valle Gran Rey.

Playa Santiago früher

Playa Santiago früher

 

 

 

Verwandte Beiträge

Hinterlasse doch einen Kommentar!