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Damals im Valle

Mein Beitrag Gomera, wie es damals war hat viel Interesse gefunden. Merkwürdigerweise findet man im Internet nur wenige ältere Fotos von Gomera, die meisten auf der Facebook-Seite von „Buba“ Burkhard Bartels, der mir auch Hilfen zu einzelnen Fotos hier gegeben hat.

In den letzten Wochen habe ich alle meine alten Bilder eingescannt und dabei noch einiges gefunden.

Ich lade Euch ein

  • zu einem kleinen Rundgang durch Valle Gran Rey – damals und heute
    und
  • (folgt) zu einer kleinen Rundfahrt über die Insel – damals und heute

Valle Gran Rey

Die dunkel hinterlegten Gebiete auf der Karte gab es in den 80er Jahren noch nicht. Vor allem die Ortsteile l Borbalán und Playa haben sich sehr vergrößert.

Unser Rundweg beginnt an der Kaimauer des Hafens (1), führt uns über den Hafen (2) durch Vueltas (3) und dann die Straße hoch über Borbalán (4) nach La Calera (5). Von dort geht es wieder hinunter nach Playa (6) und am Strand über La Puntilla (7) und den Babystrand (8) wieder Richtung Vueltas (3).

Im Hafen

Im Hafen
Blick vom Hafen auf Vueltas 2004 / 2008

Die alte Kaimauer gibt es schon lange nicht mehr. Sie ist einem überdimensionierten Hafenprojekt gewichen. Es ist auch kaum zu glauben, wie viele Fischerkutter es damals noch gab.

2008 lag nur noch die im Stich gelassene Orion X im Hafen und 2018 gab es längst das überdimensionierte Becken.

Rund um den Hafen sah es Mitte der 80er Jahr noch ziemlich heruntergekommen aus. Aber, wie man in der Vergrößerung des Hafenbildes von 1984erkennt, hatten schon einige Bauarbeiten begonnen.

Links grenzte noch ein kleiner Bananenumschlagplatz an. Damals gab es noch überall Bananenplantagen (siehe unten bei Borbalán), bis dann die heimischen Bananen nicht mehr den EU-Standards entsprachen. Ab 1985 gab es dann die legendäre Disco „Quasimodo“.

Neben dem kleinen Hafen war (und ist bis heute) ein kleiner Strand. Das war neben dem Babybeach im ersten Jahr der einzige Strand, den ich überhaupt kannte. Eine Bekannte, die auch auf Gomera war, fragte mich, ob wir denn gar nicht am Strand gewesen seinen. „Nein“, sagte ich, „einen Strand gibt es nicht“. Gut, den Americana, aber der kommt mit Kind nicht in Frage. Wie verwundert war ich, als sich später herausstellte, dass der Strand im Winter viel schmäler als im Sommer ist und in diesem Winter überhaupt nicht da war! Man schwamm zwischen den kleinen Booten.

Im Hafen Mitte der 80er Jahre

Fiesta del Carmen

Im Juli wird in Vueltas die „Fiesta del Carmen“ gefeiert. Die Bilder stammen (wohl) aus dem Jahr 2000.

Im Hafen um 2000

Seit der Hafenerweiterung gibt es im Hafen auch eine Kantine, die Cofradia de Pescadores.

Manche sagen, dort gäbe es den besten Fisch. Ich schwöre aber seit nunmehr 35 Jahren auf den Fisch im El Puerto. Heute ist die Terrasse umbaut.

Vueltas

Noch immer versammeln sich im hinteren Teil des Lokals die Männer an der Bar und starren auf den – inzwischen um einiges größeren – Fernseher.

Männer in der Bar

Es kann allerdings auch sein, dass dieses Bild in einer anderen Bar aufgenommen wurde, etwa in dem wunderbaren aber schlichten Eden oder sogar noch in der legendären Mago.

1984 gab es noch keine Zimmervermittlung und kaum kamen wir mit Rucksäcken und Baby in Vueltas an, trafen wir an der ersten Ecke die Señora, die uns eine Wohnung in ihrem Haus gleich neben dem kleinen Supermarkt Olivio, den es heute noch gibt, vermietete. Wie viele Spanierinnen und Spanier war sie sofort verliebt in unsere Kleine und die in sie.

Einen etwas größeren Supermarkt gab es oberhalb des jetzigen Supermarktes, wenn man neben dem Heiligenhäuschen die Gasse nach oben ging. Was heißt Gasse, damals war das ein holpriger Feldweg.

Heiligenhäuschen in Vueltas 1984
20 Jahre später

Durch das enge Abisina-Gässchen kam man zur Cacatua Bar. Den schönen Garten gab es damals noch nicht, aber abends ging die Post ab.

Eingang zur Cacatua
Die Cacatua-Bar

Eigentlich war es überall romantisch, aber mühsam zu gehen. Man musste schon genau aufpassen, wo man hintrat, wenn man sich nicht den Fuß verknacksen wollte. 20 Jahre später sah das schon ein bisschen anders aus – immerhin auch schon etwa 15 Jahre her.

Eine der „Institutionen“ Vueltas – und ganz Gomeras – ist Capitano Claudio Claus Heinrichs. 1984 kannten wir ihn noch nicht, erst 1985 ist er auf der Insel gelandet.

Capitano Claudio 2008

Und schon 1986 haben wir sein Boot verpasst. Da saß ich am Ostersonntag mit Frau, Kind uns Schwägerin auf der Terrasse dieses schönen Hauses, frühstückte in Ruhe und freute mich auf den gebuchten Ausflug mit dem brandneuen, inzwischen legendären Schiff von Capitano Claudio. Nun muss man wissen, dass Ostersonntag 1985 am 30. März war, also für diesen Tag Zeitumstellung angesagt war. Die gab es immerhin schon ganze 6 Jahre und war unabhängig davon, dass man auf den Kanaren seine Uhr sowieso eine Stunde zurückstellen musste.

Café Tambara

So schön sah übrigens 1984 die Rückseite des weißen Hauses rechts aus.

Rückseite

Verträumt gucke ich aufs Meer – und was sehen meine entsetzten Augen: da segelt doch Capitano Claudio an uns vorbei! Am nächsten Tag habe ich mich fürchterlich beschwert bei „El Fotografo“, wo die Karten verkauft wurden. Ob sie noch nichts von Sommerzeit gehört hätten! Doch, haben die gesagt, deshalb sei das Schiff ja früher abgesegelt.

Ich war außer mir. Ob sie nicht wüssten, dass es hätte später fahren müssen wegen der Sommerzeit. Sie waren unbelehrbar, aber schließlich haben sie wohl ihren Irrtum eingesehen und mir mein Geld zurück gegeben und waren still. Trotzdem war ich noch ziemlich wütend auf diese Bande.

Wenn ich heute nochmal nachrechne schäme ich mich etwas.

Borbalán

Wir verlassen Vueltas und gehen die Hauptstraße hinauf Richtung Borbalán.

Vor Vueltas (Höhe Parque Infantil?)
Auf dem Weg nach La Calera
In den Bananenplantagen
Borbalán, rechts das „El Palmar“

La Calera

Weg nach Calera

1984 oder 1985 erlebte ich, dass der Barranco del Valle Gran Rey alles überschwemmt hatte, nur barfuß und vorsichtig konnte man ihn in Höhe der Tankstelle überqueren, unten am Playa gab es kein Durchkommen.

Heute ist alles einbetoniert und sieht furchtbar aus.

Gezähmter Fluss
Vor der Zumeria
La Calera unterhalb Las Pistas 1984
Straße Las Palmitas

Heute:

In den Gassen Caleras

Einen schmalen Weg, heute eine breite zweispurige Straße gehen wir nun hinunter Richtung La Playa.

Nach Sonnenuntergang (2018)

Jeder, der in den 80er Jahren dort entlang ging, erinnerte sich an den kleinen Schusterladen und das in der Nähe wunderschön geparkten R4. Den Laden gibt es heute noch.

Am Weg nach La Playa

La Playa

Blick auf La Playa 1985

Unten in La Playa begannen Anfang der 80er Jahren nach und nach Bauarbeiten. Auf der Ausschnittvergrößerung oben sieht man, dass es nur eine erste Hausreihe entlang des Playas gibt, allerdings schon Bungalows Richtung Playa de Inglés.

Man kann auch noch die Bar am Strand, die es bald schon nicht mehr gab.

Die Yaya-Bar (Foto 1988 Burkhard Bartels)

Auf diesem Bild mit meiner Kleinen sieht man noch im Hintergrund rechts die entstehende Heladeria im Rohbau.

Beim Karneval 1988 ist sie fertiggestellt.

Karneval 1988
„El Mago“ José Lucas Ortiz Mendoza
El Mago vor Maria

Nur ahnen kann man 2007, was für ein hässlicher Klotz an dieser schönen Ecke entsteht.

Ecke Maria

Während sich bei Maria und Yaya die Touristen (oh Gott, waren wir das wirklich?) versammelten, waren der Platz vor der Eremita de San Pedro den Alten vorbehalten.

Messe in der Ermita
Bei Maria

Bei Maria habe ich übrigens einen Abend mit Doris Dörrie verbracht. Auch eines schöne Geschichte, die Du mal lesen solltest.

Richtung Puntilla

Ging man weiter Richtung La Puntilla kam nach dem Paraiso nichts mehr, bis links dann die eigentlich schon immer etwas heruntergekommene Bar Eden (in der ich nichtsdestotrotz immer mal gerne war) kam und rechts dann die paar Häuser mit kleinen Läden.

Hier steht heute das Hotel Gran Rey

Der Weg war so holprig, dass man mit dem Buggy eigentlich nur auf der Kaimauer weiterkam. Später wäre das wohl nicht mehr möglich gewesen, da sah die Mauer aus wie vorher der Weg.

Unterwegs zwischen La Playa und La Punitlla
Kaimauer

Schließlich dann rechts der „Babystrand“.

Hier habe ich den ersten Thunfisch meines Lebens gegessen. Ich konnte nicht glauben, dass das der gleiche Fisch wie die kleinen Stückchen aus der Dose sein sollten. Der Besitzer hat dann gegenüber ein schönes Restaurant gebaut, noch lange in seiner freundlichen Art dort selbst bedient. Und auch nach 20 Jahren hat er mich immer noch erkannt.

Charco Del Conde ensteht

Noch ein Stück weiter kommt man dann zurück nach Vueltas. Unterhalb des war dann die „Mago-Bar“, dessen Besitzer ihr oben gesehen habt.

In Vueltas

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1 Kommentar

  1. Dagmar 22. Mai 2021

    Super schön! Da werden Erinnerungen wach. War 86 das 1.Mal dort.

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