Auf dem Caminho Português 1 – Die Vorbereitungen

Nur noch sechs Wochen, dann geht es wieder zu einem Abenteuer los. Am gleichen Tag wie im letzten Jahr zum Nordkap. Diesmal ist das Ziel näher, aber schwerer zu erreichen. Wir werden auf dem Jakobsweg pilgern.

Den Entschluss haben wir auf unserer Nordkapfahrt gefasst. Das kam so:

Noch vor zwei Jahren konnte ich keine noch so kleine Steigung überwinden oder Treppe steigen ohne japsend stehenbleiben zu müssen. Dann wurde ich am Herzen operiert, zwei Bypässe gesetzt und ein Stückchen Schwein als Herzklappe eingesetzt bekommen.

Auf der Nordkapfahrt war es dann so, dass wir das erste Mal wieder wandern konnten. Nicht so furchtbar weit, aber durch anstrengendes Gelände und ziemlich bergauf.

Ich empfand das als großes Glück, so etwas wieder machen zu können. Am Abend im Wohnmobil sagte ich dann zur Liebsten „Wollen wir nächstes Jahr nicht auf dem Jakobsweg gehen?“. „Ja“, hat sie gesagt.

Gesprochen hatten wir darüber schon öfter, aber bisher lag das völlig außerhalb meiner Möglichkeiten.

Inzwischen hat sich noch eine Freundin angeschlossen („Oh, das wollte ich schon so lange machen“). Wir werden also zu dritt sein.

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„Wollt Ihr den ganzen Weg laufen?“, werden wir fast immer gefragt. Nein, natürlich nicht. Ein kleines Stück, 250 km.

Als ich dann zu recherchieren begann, sind wir schnell auf den „Caminho Português“ gestoßen, von dem ich bis dahin noch nie gehört hatte. Aber er ist sogar der zweitbeliebteste Weg.

Wir lieben den Norden Portugals und so war uns sofort klar: der soll es sein.

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Der Caminho Português führt von Lissabon nach Santiago de Compostela. Wir werden das Teilstück von Porto nach Santiago laufen. Da gibt es zwei Wege, den „klassischen“ und den Küstenweg, wir gehen entlang der Küste. Die einzelnen Etappen findet Ihr hier.

Wir haben uns für eine sehr komfortable Lösung entschieden, die uns angemessen erschien. Wir haben nämlich über einen Veranstalter Unterkünfte vorgebucht. Und unser Gepäck wird transportiert, natürlich mit Ausnahme dessen, was man tagsüber bei einer solchen Wanderung über bis zu 25 km braucht.

Das ist gar nicht so wenig. Man muss für fast jedes Wetter gerüstet sein. Wir haben die erste Junihälfte gewählt, weil das wohl eine der schönsten Zeiten ist. Wahrscheinlich ist es schon warm, die Hauptregensaison ist vielleicht vorbei und vielleicht ist es noch nicht so heiß.

Ihr seht: viele „vielleicht“. Denn relativ sicher ist eigentlich nur, dass es keinen Schnee geben wird. Relativ sicher ist auch, dass es an der Küste oft windig und manchmal stürmisch sein wird und dass es auch Regen geben wird. Galicien (der nordwestliche Teil Spaniens, in dem Santiago liegt) ist „die Regenwanne Spaniens“.

+++Bei unseren Vorbereitungen ist Facebook eine unschätzbare Hilfe und hier vor allem die wunderbare Facebookgruppe „Jakobsweg-Caminho Português“. Sie wurde gegründet und wird betreut von  Anne-Chantal. Sie hat nahezu blind im Rollstuhl den Weg innerhalb von fünf Jahren zwölfmal (!) zurückgelegt und betreut die Gruppe und gibt auch jedem, der unterwegs ist, jede nur denkbar Hilfe.

Hier konnte ich praktisch alles bekommen, was wir an Informationen benötigen.

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Unsere Vorbereitungen:

Training

Natürlich sind wir seither immer mal wieder gewandert. Aber das Weiteste war bisher 16 km. Bei allen Zweifeln vertrauen wir einfach darauf, dass wir das schaffen werden.

Wir sind zwar nicht die Fittesten. Aber die Liebste macht jeden Morgen eine halbe Stunde Gymnastik, ich zweimal in der Woche mein Fitnesstraining. Es wird gehen.

Planung

Unsere Etappen sind ja vorgeplant. Der große Vorteil dabei liegt darin, dass man eine komfortable Unterkunft abends hat, ohne lange suchen zu müssen. Der Nachteil, dass man auf eine Etappe festgelegt ist und dann abends auch sein Ziel erreicht haben sollte.

Wir haben uns Reiseführer besorgt. Sehr detailliert ist der Reiseführer von Raimund Joos, der auch sehr handlich ist. Eher anekdotisch ist der Erfahrungsbericht „Himmel, Herrgott, Portugal“ von Herbert Hirschler, aber schön zu lesen und man bekommt Vorfreude.

Für unterwegs habe ich dann auch mein Smartphone dabei. Bei allen Wanderungen (bis zum Nordkap) nutze ich „Komoot“, mit dem ich weltweit Strecken planen und dann auch offline abrufen kann. Im Internet bekomme ich für jede Wegstrecke aber auch vorgefertigte „Tracks“ (also Routeplanungen), die ich importieren kann.

Der Weg soll aber auch sehr gut mit den gelben Jakobspfeilen markiert sein.

Kleidung

Die meisten Pilger müssen ja mit dem auskommen, was in einem Rucksack untergebracht und auf dem Buckel geschleppt werden kann. Wir können immerhin einen zusätzlichen Koffer mitnehmen. Trotzdem müssen wir natürlich nur einpacken, was dem normalen „Pilgerstandard“ entspricht.

Für mich ist das:

  • eine Trekkinghose (Zip) für unterwegs und eine Jeans für abends
  • Schuhe. Ich habe mich entschlossen, meine eingelaufenen „Hiking“-Halbschuhe zu nehmen und ein paar leichte Sandalen zusätzlich.
    Viele Erfahrungsberichte zeigen, dass man auf diesem Weg fast mit allem laufen kann. Stiefel waren mir zu warm, bei Sandalen befürchte ich Steinchen und Sand.
    Dazu Trekkingstrümpfe.
  • zwei Hemden
  • Unterwäsche ist für mich ein Problem. Ich schwitze so, dass ich immer ein Unterhemd tragen muss, weil sonst die Hemden klatschnass werden. Jetzt habe ich mir neu zwei Merino-Shirts besorgt.
  • Regenponcho. Zuerst dachten wir, ein einfaches Plastikregencape würde genügen, weil Regen im Juni eher unwahrscheinlich sei. Als wir sahen, dass auch dann gelegentlicher starker Regen eher wahrscheinlich ist, haben wir uns doch für Ponchos entschieden.
    Die Meinungen gehen hier auseinander, fifty-fifty stimmen die Erfahrenen für Regenjacke und Regenhose. Das wäre uns zu unpraktisch und würde noch mehr Platz im Rucksack wegnehmen. Nachteile des Ponchos könnten sein, dass Hosen und Schuhe zu nass werden und er bei Sturm zu sehr rumflattert. Wir werden sehen.
  • Kopfbedeckung. Man sollte etwas gegen die Sonne dabei haben. Früher habe ich oft im Sommer einen Strohhut getragen. Aber ich festgestellt, dass der zwar vor der Sonne schützt, ich ihn aber ständig absetzen muss, weil ich darunter zu sehr schwitze. Jetzt haben wir beide einen „Fischerhut“ – vielleicht wird das besser.

Die Liebste wird ein paar Wanderstöcke mitnehmen, ich mag lieber freie Hände haben. Vielleicht schnitze ich mir unterwegs einen Pilgerstock.

Pilgerausweis

Caminho Portugues

Caminho Portugues

Einen Pilgerausweis benötigt man natürlich nicht unbedingt. Man braucht einen, wenn man in Santiago eine „Pilgerurkunde“ bekommen will. Dann muss man mindestens die letzten 100 km zu Fuß (oder Pferd oder Rollstuhl) zurückgelegt haben und jeden Tag zwei Stempel haben, die das belegen.

Bestellen kann man den Ausweis bei der Jakobsgesellschaft.

Auf unserem Rucksack und auf dem Hut haben wir das Erkennungszeichen der Jakobspilgerer, die Jakobsmuschel.

Fotografieren

Eines meiner Hauptprobleme bei der Vorbereitung: wie halte ich es mit dem Fotografieren?

Manche Pilger sagen natürlich: „Überhaupt nicht! – Mit dem Herzen sehen“. Ich will „mit dem Herzen sehen“ und fotografieren. Fotografieren gehört für mich dazu, gerade wenn ich etwas ganz erfassen will. Es ist für mich tatsächlich auch ein Teil des „Gewahrsam Seins“.

Die Großartigkeit von Landschaften, einen besonderen Augenblick oder eine Kleinigkeit am Wegrand: das Fokussieren mit der Kamera ist für mich ein Innehalten.

Aber welche?

Am liebsten hätte ich meine „große“ Kamera mitgenommen, die gehört zu den kleinsten Spiegelreflex, aber mit Objektiv wiegt sie 1,5 kg und nach ein paar Stunden merkt man sie doch.

Nur mit dem Smartphone fotografieren. Damit kann man zwar auch tolle Bilder machen, aber qualitativ sind sie nicht wirklich vergleichbar. Trotzdem habe ich das lange favorisiert,

Aber schließlich habe ich, nachdem ich wie üblich lange recherchiert habe und alle möglichen Meinungen eingeholt habe, mir eine neue Kompaktkamera gekauft, die Sony RX 100III.  Ich halte sie für das Beste, was es da gibt und da es inzwischen schon die IV und V gibt, ist die III relativ preisgünstig. Relativ.

Auch bei dieser Wahl habe ich lange gezögert. Der einzige Nachteil dieser Kamera ist der Zoomfaktor, der nur bis 70mm geht. Lieber hätte ich eine viel weitere Brennweite gehabt. Aber schließlich habe ich entschieden, dass die großen Vorteile (1,8 Lichtstärke, hohe Bildqualität, Sucher, schwenkbares Display und alle denkbaren technischen Möglichkeiten) diesen Nachteil ausgleichen.

Sony RX100 III

Sony RX100 III

Übrigens habe ich die nicht nur für mich gekauft. Schließlich wollt Ihr ja schöne Bilder zu sehen bekommen.

 

 

 

 

 

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