Frontex an der Flüchtlingsfront

Ehrlich gesagt, mir war nicht geläufig, dass es FRONTEX wirklich gibt. Frontex ist eine „Agentur“ der EU zum Schutz der europäischen Grenzen, vor allem vor Flüchtlingen.

Darum ging es gestern im Tatort. Kommissarin Lürsen und ihr Kollege Stedefreund ermittelten in einem Entführungsfall, der sich schließlich als inszeniert entpuppte.

Ziel der Inszenierung war, die Kripo ermitteln zu lassen, was sich auf dem Mittelmeer zugetragen hatte. Deutsche Polizistinnen und Polizisten, die ins Mittelmeer abgeordnet waren und die Vertreter der Agentur Frontex bestritten energisch, dass überhaupt etwas dort passiert sein.

Aber Inga Lürsen lässt nicht locker und findet schließlich heraus, dass ein Polizeikreuzer mit einem Flüchtlingsschiff zusammengestßen ist, die Flüchtlinge nicht an Bord ließ, sogar Schüsse fielen. Alle Flüchtlinge ertranken. Bis auf Amali, eine junge Afrikanerin, deren Kind ebenfalls ertrank. Amali ist nun zusammen mit ihrem Freund Peer, einem Polizisten nach Deutschland gekommen, um sich zu rächen – indem sie für die Aufdeckung der Vorfälle sorgen wollen.

Am Ende werden Amali und Peer ermordet, aber das ist fast Nebensache in diesem spannenden Tatort gewesen.

Wieder einmal – wie in letzter Zeit in fast alle Tatortsendungen – wurde ein brandaktuelles politisches Problem aufgegriffen. Als wäre er eigens für die Vorfälle vor Lampedusa getimt worden.

Gezeigt wurde die Fragwürdigkeit der hermetischen Abriegelung der Grenzen und die Unmenschlichkeit vieler Aktionen.

Die Synode der EKD hat im Herbst letzten Jahres einen Beschluss zu Frontex gefasst, in dem sie auf die Einhaltung der Menschenrechte dringt.

3 Gedanken zu „Frontex an der Flüchtlingsfront

  1. Italien hat, mit Billigung der EU, ein Abkommen mit dem netten Herrn Khaddafi, der dann auf einmal plötzlich ganz unerwartet wie ein Blitz aus heiterem Himmel ein böser Diktator wurde, nach fast 50 Jahren netter Herr – ja, also, Italien hat mit dem einen Vertrag, daß der den Italienern die Flüchtlinge vom Hals hält.

    Hmmm…

  2. Ich habe den Krimi nicht gesehen, aber ich weiß, daß es Frontex gibt. In mir hat dieser Name, als ich ihn zum ersten Mal hörte, ein sehr ungutes Gefühl ausgelöst; (leider nicht stark genug, dass ich etwas unternommen hätte) Frontex würde ich ein Unkrautvernichtungsmittel nennen oder einen Giftcocktail von der Art, wie Kammerjäger sie benutzen – aber niemals eine Organisation, die es mit Menschen zu tun hat.

    Noch ist es zum Glück nicht so weit, dass an den Grenzen Giftköder und Klebefallen ausgelegt werden – aber was tatsächlich geschieht an den Grenzen der ach so humanen Europäischen Union, ist kein Stück besser – und es würde sicher ein Aufschrei durch die Europäischen Staaten gehen, wenn nur wirklich bekannt wäre, was da in unserem Namen geschieht…

    Darum kommen Berichte über das Elend der Flüchtlinge auch immer in schön homöopathischen Dosen in die Nachrichten, damit es uns nie so sehr aus der Ruhe bringt, dass wir etwas unternehmen oder auch nur einmal nachfragen, was da eigentlich wirklich los ist…

    Insofern kann so ein Krimi nur Gutes bewirken, der uns wenigstens ein bisschen die Augen öffnet.

    Und jetzt nur nicht denken: Ach Gottchen, die Armen, aber wir können ja doch nichts ändern…

    Guckt mal ins Telefonbuch; es gibt auch in Eurer Stadt ein Hilswerk, das Asylbewerber und Flüchtlinge unterstützt…

  3. Dieser Tatort war genial, was nicht an der Kommissarin lag, sondern an dem brisanten Thema. Danke für den link – Frontex muß die Menschenrechte einhalten, in diesem Tatort sicher überzeichnet – aber bestimmt auch nicht aus der Luft gegriffen. Bin noch sehr beeindruckt, sehr aufwühlend und spannend bis zum Ende. Das Liebespaar ist tot – schade -aber Happy End hätte zu diesem Krimi auch nicht gepasst.

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