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Kein Versteck? Nirgends?

Im Urlaub habe ich ein Buch gelesen, bei dem ich oft lächeln musste. Wusstest du, wieviel Verstecke es gibt? Petri Tamminen hat sie alle ausfindig gemacht. Aber nur, um Seelenverwandten Tipps zu geben. Also wenn dir mal Frau oder Kinder zuviel sind, der Chef dir nachrennt, weil du wieder etwas nicht erledigt hast oder dir gar einer auf die Schliche gekommen ist, der dich jetzt in aller Öffentlichkeit bloßstellen will. Es gibt sie noch, die schönen Verstecke! (vgl. Lesefrüchte)

In meiner Kindheit stand im religionsbuch eine Geschichte, die ich ganz und gar ungerecht fand: Da hat ein Junge Äpfel geklaut. Damit ihn niemand sieht, ist er zum Essen in den dunklen Keller gegangen, der Arme. Aber es kam raus, ich weiß nicht mehr wie, und zwar – jetzt kommts – weil Gott ihn gesehen hatte!

Ich habe ja Gott geliebt, aber die Geschichte fand ich abscheulich, weil ich einfach nicht glauben konnte, dass man nicht einmal im Keller sicher sein kann. Und keinesfalls würde der liebe Gott kleine Kinder verpetzen!!!

Psalm 139 ist ein Trostpsalm und kein Drohpsalm. Vielleicht ist Gott eher wie einer der mit uns im versteck sitzt? Vielleicht schubst er manchmal „Jetzt trau dich raus“. Aber petzen – niemals!

Mir ist dabei ein Psalm eingefallen:

Aus Psalm 139
Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht? Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten. Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein -, wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.

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4 Kommentare

  1. jahreszeiten 18. September 2005

    Da hab ich ja ein schwieriges Thema angespielt.

    Äpfelklauen und Morden sind zwei grundverschiedene Dinge und es führt auch kein weg von dem einen zum anderen. Und in meiner Kindheit wurden Äpfel auch nicht aus der Auslage, sondern von den Bäumen geklaut, was wiederum zur Rubrik „Mundraub“ gehörte, die straffrei war (sagte man jedenfalls).
    „Gott“ war für viele ein Moralintriefender Erziehungshelfer, mit dem man gut drohen konnte.

    Und petzen ? – Nicht umsonst gilt ja für Pfarrer das Beichtgeheimnis, bei dem Petzen auch nicht gilt, sondern das schwerste Dienstvergehen ist.

    Aber Eissturm hat natürlich auch recht, dass man die andere Seite auch sehen muss: dass Gott einer ist, der (Psalm 23) „auf rechten Wege“ führen will – ob das nun mit Strafen ist? Manchen hat der Knast erst recht die schief Bahn runterrutschen lassen.

    Wenn wir denn schon beim Bild eines Gottes bleiben, der eingreift, dann vielelicht so, dass er einen Menschen schickt, dessen Freundlichkeit…. Ach ja, ich bin ein Optimist.

  2. Eissturm 16. September 2005

    Formulieren wir mein Beispiel um, damit ihr mich nicht missversteht:
    Der Junge klaut, merkt, dass es niemandem auffällt und Verbrechen das Leben einfacher machen. Irgendwann ist er soweit und mordet. Wäre es nicht barmherzig von Gott gewesen, ihn dann zu verpetzen, als ihm nur eine kleine Strafe drohte?
    Wäre es nicht strafender gewesen, wenn er den Jungen hätte ins offene Messer laufen lassen?
    Jede Münze hat zwei Seiten und man sollte nicht jene betrachten, welche zu sehen ist, denn die Seite, auf der die Münze liegt, hinterlässt ihren Abdruck im Sand.

  3. Tara-Anne 16. September 2005

    Irgendwie glaube ich auch eher das Gott mit uns im Dunkeln munkelt und unter einer Decke steckt. Er würde niemals petzen, aber wenn man ihm ein Geheimniss anvertraut, wenn man was schlimmes gemacht hat, dann hilft er wohl es wieder gut zu machen? Ich möchte , wenn ich schon an einen Gott glaube, viel eher an einen barmherzigen guten Gott glauben, der seinen Sohn von Menschen verraten ließ, denn an den alttestamentarischen strafenden Gott.

  4. Eissturm 15. September 2005

    Wieso sollte Gott uns nicht verpetzen? Wir haben etwas Falsches getan und durch das Geheimhalten dessen, lügen wir in gewisser Hinsicht doch auch. Wir setzten voraus „Der Herr ist mein Hirte“(Psalm 23): Hat der Hirte denn nicht die Pflicht, das vom Weg abgekommene Vieh wieder in auf den Weg zu treiben? Nun gibt er dazu dem Vieh einen Schlag, damit das Vieh nicht von Wölfen gefressen wird, oder einen Abhang hinunter fällt. Das Vieh wird sich -wenn auch erst verängstigt- vom Schlag schnell erholen und auch wenn dieser Schlag bis ans Ende seiner Tage zu spüren ist, der Hirte hat es doch vor größerem Übel bewahrt. Wieso sollte der Hirte nun das Vieh nicht schlagen, wenn er es doch aus Sorgen tut?

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