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Merkel kündigt

Dass Merkel so unvermutet kündigt, hätte ich nicht gedacht. Ich kann nicht sagen, ob es ein Schock war – jedenfalls überkam mich ein ungläubiges Staunen, als ich dies gestern in der Rundschau las.

Und das auf nüchternen Magen. Denn mein erster Weg morgens führt mich zum Briefkasten. Ja: noch vor dem Gang zu jenem bewussten Örtchen – denn was solte mann da ohne Zeitung machen?

Und da stand es schwarz auf weiß auf der Titelseite:

Kanzlerin kündigt

Sie müssen wissen, dass ich zu der Sorte Leser gehöre, die ihre Tageszeitung systematisch lesen: zuerst die Lokalnachrichten, dann das Feuilleton, dann „Aus aller Welt“, ganz zum Schluß die Politik.

Aber gestern hat mich diese Nachricht so irritiert, dass ich sofort weiterlesen musste, und das sogar noch auf meinem Weg zum Örtchen.

Durch meinen Kopf schwirrten verschiedene Fragen: „Warum so plötzlich?“ – „Geht das überhaupt: kann eine Kanzlerin kündigen, muss sie nicht zurücktreten?“

Mit einer gewissen Erregung schlug ich die Zeitung auf. „Kanzlerin kündigt Initiative der EU an“ – Hätte ich nicht die Zeitung in beiden Händen gehalten, hätte ich mir vor die Stirn geschlagen wegen meiner Dummheit. Die Zeitung war just nach „Kanzlerin kündigt“ gefaltet gwesen.

Was lernen wir daraus?

1. Nicht so ungeduldig sein: die Zeitung nie auf dem Weg, sondern immer erst am Frühstückstisch oder auf dem Klo ganz in Ruhe lesen
2. Nie der Schlagzeile trauen und schon gar nicht der halben
3. Kanzlerinnen kündigen nicht
4. Soo schlimm wärs auch nicht gewesen (obwohl ich im Moment keine bessere wüsste)

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