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O Welt, ich muss dich lassen.

Vier schlaflose Nächte liegen hinter mir, seit ich meinen letzten Eintrag hier verfasst haben.

Nicht so sehr, dass ich dieses schlimme Wort angedeutet habe, vielmehr dass ich Herrn Gayadhar Parida Unrecht getan habe, lässt mich mich nächstens auf dem Kopfkissen wälzen.

Ich habe es zwar nicht ausgesprochen, aber ich habe mich doch – vielleicht sogar von einem Gläschen Wein oder gar zweien etwas enthemmt – hinreißen lassen zu einem angedeuteten Spott darüber, dass Herr Parida, der seit 50 Jahren auf einem Baum lebt, gefühlt habe, wie sich Spiritualität in ihm entwickelt habe.

Das reut mich zutiefst. Denn ich kann Herrn Gayadhar Parida im Grunde meines Herzens verstehen. Er ist ein Seelenverwandter.

Ja, auch ich bin ein Weltenflüchter. Dabei habe ich die erstaunliche Fähigkeit erwickelt, an jedem Ort der Welt sozusagen auf einen Baum zu steigen und für meine Umwelt unerreichbar zu sein. Früher musste ich mir dazu noch die Ohren zuhalten, beim Lesen zum Beispiel, heute schalte ich einfach ab. Weg bin ich. Früher besaß ich sogar die Fähigkeit, bei schwierigen Beziehungsdiskussionen schnell mal einzuschlafen. Glauben Sie mir, ich konnte nichts dagegen tun.

Wer in einer kinderreichen Familie mit einer, naja sagen wir wortgewaltigen Mutter versehen, wird verstehen.

Meine Liebste nimmt’s gelassen und findet es gar nicht so schlimm. Jeder zweite Satz meiner Tochter hingegen lautet. „Du hörst mir gar nicht zu“. Aber sie übertreibt.

Eine Zeitlang hatte ich einmal mein Arbeitszimmer im Keller, das war ideal. So eine Höhle, in der der Computer stand. Nullkommanix war ich weg und nicht mehr auffindbar. Genial.

Also, ich kann mich in Herrn Gayadhar Parida in gewisser Weise hineinversetzen. Obwohl das Leben auf dem Baum auch Nachteile bringt. Gerade jetzt, wo es warm wird und man schön grillen kann. Deshalb bleibe ich vorerst hier unten.

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2 Kommentare

  1. Kehrtraud 7. Mai 2006

    ich bekomme immer den Vorwurf: „warum hast du denn Gaim nicht an? So kann ich dich nicht erreichen.“
    Immerhin sitze ich im Erdgeschoß, der andere PC ist im 1. Stock.

  2. Loco_just_Loco 6. Mai 2006

    Eine Zeitlang hatte ich einmal mein Arbeitszimmer im Keller, das war ideal. So eine Höhle, in der der Computer stand. Nullkommanix war ich weg und nicht mehr auffindbar. Genial.

    Ich auch… Es hat mir enorme Vorwürfe eingebracht, obwohl ich da unten nicht nur per eMail, sondern auch per Telefon und Haustelefon erreichbar war… aber eben nur technisch. De facto war ich in anderen Welten.

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