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Soll man Trauergäste schlagen?

Dieser Tage soll ein (römisch-katholischer) Geistlicher bei einer Bestattung Trauergäste geschlagen haben. Ein durchaus interessanter Versuch, die Bestattungsliturgie zu ändern.

Man muss sich liturgisches Schlagen ja nicht dergestalt vorstellen, wie man sich die – sicher niemals geschehenen – Schläge Mixtas auf lernunwillige Schüler vorstellen könnte.

Nein, wir kennen Schläge durchaus zu würdigen Anlässen. Beispielsweise werden noch heute angesehene, meist adlige Menschen, zu Rittern des Johanniter- oder Malteserordens geschlagen,
was mittels leichten Schlages mit dem Schwert auf den Kopf geschieht und erwiesenermaßen das Denkvermögen erhöht.

Aus alten Trauerritualen wissen wir, dass es gar üblich war, dass sogenannte Klageweiber sich selbst schlagen müssen oder die Haare ausreißen (so weit ist der römisch-katholische Kollege jedoch nicht gegangen).

Manche Kollegen pflegen auch das Kreuz derart zu schlagen, dass man meinen könnte, sie schlügen auf die Andächtigen ein. Das freilich ist ein billiger Ersatz für das liturgisch angedeutete Schlagen der Trauernden.

Symboltheoretisch könnte das Schlagen der Trauernden wie alle wichtigen Symbolhandlungen unterschiedliches ausdrücken:

– zum einen (wie es auch bei besagten Klageweibern anklingt) den Selbstbestrafungswunsch der Hinterbliebenen ob etwaiger Versäumnisse an ihrem Verstorbenen in geordnete Bahnen zu lenken

– zum anderen den Wunsch, doch anstelle des Verstorbenen den Schlag des Todes auf sich zu nehmen (so spricht man volkstümlich im Hessischen ja auch von „den hat de Schlach gedroffe“)

Trotz dieser wie dargestellt durchaus überlegenswerten Gründe scheint das Ritual nicht angenommen worden zu sein. Wie man hört, haben sich die Trauergäste dagegen gewehrt.

Ich würde daher davon abraten, diesen Gedanken weiter zu verfolgen und eher das Augenmerk auf einen zweiten – in der Diskussion leider vernachlässigten – Aspekt lenken:
Augenzeugen berichten, besagter Pfarrer sei „ausgerutscht“.

Hier kann ich von einem Kollegen erzählen, der ebenfalls bei einer Bestattung am Grab ausrutschte und sich nur durch einen schnellen Sprung über das Grab retten konnte.

Ihm war das zunächst natürlich peinlich. Aber vor der nächsten Beerdigung wurde er gebeten: „Herr Pfarrer, und Sie springen doch sicher wieder so schön feierlich über das Grab, gell?“.

Er hat sich diesen Sprung warenrechtlich schützen lassen und verdient seitdem viel Geld damit als freier Springredner bei Beerdigungen.

Anmerkung: Der geneigte Leser hat sicher Verständnis, dass ich mich nicht nur aus Zeitmangel scheute, diese Gedanken in der Karwoche zu veröffentlichen. Nun, nach Ostern dürfen wir über die Gräber lachen.

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7 Kommentare

  1. jahreszeiten 10. April 2010

    Meinst du, wir sollten sie jetzt schonen? OK werde mich zurückhalten-

  2. jahreszeiten 10. April 2010

    Ist ja auch egal, aber ne nette Ente, oder?

    • Loco_just_Loco 10. April 2010

      Ich weiß nicht… unsere römisch-katholischen Geschwister im Herrn haben auch ohne Bonaventure (wörtlich: gutes Abenteuer!) schon genug Stress und Schlagzeilen…

  3. Loco_just_Loco 10. April 2010

    Ich bin immer noch skeptisch, ob diese Geschichte (von der ich im Bestatterweblog las) nicht doch eine Ente ist. Der bewußte „Schläger“ heißt nämlich Bonaventure, und Père Bonaventure ist eine Persönlichkeit der französischen Literatur anfangs des 19. Jahrhunderts…

  4. etoile-filante 10. April 2010

    nicht springend (muahahaha!)dafür so pazifistisch, wie nur möglich, wünscht ich dir ein zufriedenes wochenende, la flitz

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