Das Leben des Menschen ist nicht nur vergänglich, sagt dieser Psalm, sondern seine 70, wenn es hoch kommt, 80 Jahre fliegen dahin. Es ist wie Gras, das am Morgen noch blüht und abends bereits verwelkt ist. Unsere Arbeit ist deshalb vergebliche Mühe und unser Leben wie ein Geschwätz.
Das sind ernüchternde Sätze, die vielleicht auch für das Leben unserer Gemeinden und unseres Dekanates gelten. Was morgens blüht, ist abends verwelkt. Und vieles mag wie ein Geschwätz vor Gott sein.
Die Worte des 90. Psalms wären harte Worte, stünden da nicht am Anfang und am Ende und auch in der Mitte Sätze, die einen anderen Ton anstimmen: Herr, du bist unsere Zuflucht für und für, heißt es am Anfang und Der Herr unser Gott sei uns gnädig und fördere das Werk unserer Hände. Ja, das Werk unserer Hände wolle er fördern heißt es am Ende.
Ich finde diesen Zusammenhang erstaunlich.
Der Herr fördere das Werk unserer Hände nicht weil wir so große Dinge vollbringen oder etwas für die Ewigkeit gestalten wollen. Sondern in unserer Begrenztheit und unserer Vergänglichkeit nicht nur unseres Lebens, sondern auch dessen, was wir vollbringen und leisten, bitten wir, dass Gott dennoch und deshalb das Werk unserer Hände fördern möge.
Unser Bibelwort steht auch am Ende der Kirchenordnung unserer Kirche.
Manchen erstaunt das: am Schluss eines Gesetzestextes, der den Auftrag und die Gestalt der Kirche mit juristischen Formulierungen ordnet und festlegt, ein solcher Satz.
Mich hat das beim Lesen immer angerührt. Und ich gestehe, das war ein Grund, dieses Wort als Grundlage dieser Predigt zu wählen.
Der andere Grund war: in den Gottesdiensten zum 15. Sonntag nach Trinitatis, den wir heute feiern, soll es um die Thematik Gottvertrauen gegen den Geist der Sorge gehen. Sorget nicht um euer Leben, so beginnt das Evangelium dieses Sonntages und Alle Sorgen werfet auf ihn, denn er sorgt für euch ist der Wochenspruch dieser Woche.
Zurück zur Kirchenordnung: Passt das zueinander? Juristische Texte und Bibelvers? Passen zusammen Kirchliche Leitung und die Gelassenheit des Gottvertrauens?
Sie ahnen schon meine Antwort: ich glaube Ja.
Die Kirchenordnung endet nicht nur mit einem Bibelwort, sondern sie beginnt auch mit einem. Also am Anfang und am Ende: Gottes Wort. So, wie wir singen: Ausgang und Eingang, Anfang und Ende liegen bei Dir, Gott. Füll du uns die Hände, so haben die Mütter und Väter unserer Kirchenordnung ihr Werk eingeordnet.
Menschliche Ordnungen und menschliche Werke sind Dinge zweiter Ordnung. Anfang und Ende von allem, was wir tun und lassen, liegen in Gott. Ihm vertrauen wir unsere Wege an.
Aber nun der erste Satz. Der formuliert einen Anspruch. Alles, was ihr tut mit Worten oder Werken, das tut alles in dem Namen des Herrn Jesus und danket Gott, dem Vater, durch ihn.
Das ist ein hoher Anspruch an alle unsere Bemühungen. Am Anfang steht eine Herausforderung, wenn Sie so wollen eine Mahnung. Eine, die kirchliches Handeln orientiert. Alles ist daraufhin zu prüfen, ob es im Namen des Herrn Jesus geschieht.
Gut, dass am Ende dann die Bitte steht: Fördere du unserer Hände Werk. Anspruch und Herausforderung auf der einen, die Einsicht in die eigene Begrenztheit, das Wissen des Angewiesenseins, darauf, dass Gott unser Werk fördern möge, auf der anderen.
Wenn wir bitten, dass Gott das Werk unserer Hände fördere, sagen wir damit dreierlei:
Das erste: es ist nicht selbstverständlich, dass Gott dies tut. Menschenwerk ist nun einmal nicht Gottes Werk und sei es auch auf noch so wichtige Dinge gerichtet wie den Aufbau einer neuen Struktur für die evangelische Kirche in Frankfurt. Ob der liebe Gott das auch so wichtig findet, dass er es fördert, wissen wir nicht. Ich fürchte, manchmal lächelt er ob unserer Bemühungen. Oder sollte ich das hoffen?
Das zweite: Das Werk unserer Hände ist nicht vollkommen. Wir bitten darum, dass Gott unsere Werke fördern möge, weil wir uns dessen bewusst sind. Das ist Grund, bei allem Anspruch nachsichtig mit uns selbst und mit anderen umzugehen.
Das Dritte: wir bitten zwar, dass Gott das Werk unserer Hände fördere, aber wir ordnen das ein. Es gibt nämlich Wichtigeres für Christenmenschen als das Werk ihrer Hände.
Das Wichtigste steht in der Mitte des 90. Psalms. Fülle uns frühe mit deiner Gnade,so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang
Jetzt hatten wir einen so wohltuend kurzen Predigttext, den man sich merken kann, dann soll die Predigt nicht zu lang werden. In Ihrem Gottesdienstblatt ist das Psalmwort abgedruckt zusammen mit einem kleinen Foto.

Ich finde das ein schönes Bild für unserer Hände Werk. Hände, die etwas bauen.
Große Hand und kleine Hand stellen da gerade Steine zu einem Kreuz zusammen und das ganze ist Teil eines Turmes, vielleicht einer Kirche.
Als ich in den Kindergarten ging das ist schon ein paar Jahre her gab es da einen Bauteppich, auf dem wir miteinander gebaut haben. Sicher teilen viele mit mir solche Erinnerungen. Wir haben Straßen gebaut und Häuser, aber vor allem Türme.
Wir haben dabei gelernt, dass sie nicht zu hoch werden durften. Das wissen wir auch aus der Bibel, aus der Geschichte vom Turmbau zum Babel.
Ohne zu wissen, wie die Dinger heißen, lernten wir, dass die Steine unten stabil stehen müssen. Später haben wir das Wort Grundstein dafür gelernt oder Eckstein und aus der Bibel, dass Jesus der Eckstein ist, für viele ein Ärgernis, für uns kostbar.
Schön war es, wenn wir zusammen bauten. Wenn zwei oder drei zusammen waren und Steine aufeinander bauten, vorsichtig und sorgsam. Das machte mehr Spaß und dann hatte man auch mehr Steine.
Immer mal wieder brach ein Turm zusammen. Manchmal, weil wir das so wollten, manchmal, weil er einfach in den Himmel wuchs und zu schwanken begann. Manchmal aber auch, weil ein anderes Kind einen Baustein wie einen Flieger dagegen warf.
Was wir noch nicht wussten, wie das einmal Wirklichkeit werden sollte: gestern vor 9 Jahren stürzten die Türme in New York zusammen und Tausende wurden unter den Steinen begraben.
Wir wussten auch noch nicht davon, dass einmal Steine in die Scheiben jüdischer Geschäfte geschleudert wurden, Auftakt zu viel Schlimmerem.
Auf dem Bauteppich im Kindergarten ahnten wir erst, dass aus Steinen etwas erbaut werden kann und Steine tödlich sein können, nicht nur im Iran. Jetzt wissen wir davon.
Angesichts einer bedrohten Welt, angesichts des Todes und angesichts der Vergeblichkeit allen menschlichen Werkes glauben wir an einen Gott, der uns freundlich ist.
Der Menschen und ihre Werke sterben lässt, aber immer schon sagt: Kommt wieder, Menschenkinder
Das Bild ist für mich ein Sinnbild dessen, was wir tun: auf dem gelegten Eckstein eine Kirche bauen. Dieses Werk ist noch lange nicht zu Ende. Sie und ich sind dabei lebendige Steine.
Der Herr unser Gott sei uns gnädig und fördere das Werk unserer Hände. Ja, das Werk unserer Hände wolle er fördern.
Amen
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen
Anonym 14. September 2010
sehr berührt von dem was ich gerade lass – du machst das gut – bleibe MENSCH!
Anuubis 13. September 2010
Eine wunderbare Predigt, ein schönes Thema, und ich bedaure gerade zutiefst, dass ich sie gestern nicht „live“ in der Kirche gehört habe! Alles Gute zum nun ganz offiziellen Amt!
Sabi57 13. September 2010
Ich wünsche Dir viel Kraft beim Bau der Lebenskirche und viele kräftige Hände an Deiner Seite! Den Grundstein hast Du ja schon gelegt…..