• Das Rentnergärtchen

    Jetzt wird es langsam ernst mit dem Ruhestand. Noch fünf Monate bis dahin. Was genau ich mit der gewonnenen Zeit dann anfangen werde, weiß ich noch nicht genau. Ich halte auch nicht soviel davon, das dritte Lebensalter zu planen. Wenn Du Gott zum Lachen bringen willst: mache einen Plan. Sicher werde ich mehr lesen, fotografieren. Freunde besuchen. Ab und an – nicht zu oft – mal einen Vertretungsgottesdienst irgendwo halten, wo ich gerne gesehen bin. Nicht zuletzt natürlich auch Zeit mit meinem Enkel, Quentin, verbringen. Jetzt ist er schon fünf Monate alt und jedes Mal, wenn ich ihn sehe, ist er größer und interessierter geworden. Die Liebste und ich haben…

  • Zur Erinnerung an Deinen Sohn…

    Ob sich meine Mutter wohl noch an mich erinnert? Diesen Eintrag schrieb ich ihr in ihr Poesiealbum, das ich irgendwo fand. 1958 war ich in der ersten Klasse. Tiefen Einblick in unsere Familienverhältnisse gibt auch der Eintrag meines 2 1/2 Jahre jüngeren Bruders: “Wenn dir dein Bruder weh getan, sei wieder gut und denk nicht dran! Sprich freundlich: “Komm, ‘s ist nun vorbei!” und tröst ihn, daß er freundlich sei.”

  • Kalenderblatt: Das musste mal gesagt werden

    Heute erzähle ich Ihnen einmal eine wirklich peinliche Episode aus meinem Leben. 1972, ich war 21 Jahre alt, wurde in Darmstadt der Neubau des damaligen Landestheaters eröffnet. Nachdem das alte Theatergebäude, der Mollerbau, im Krieg zerstört worden war, fanden die Vorstellungen bis dahin in der Orangerie, einem sehr schönen Provisorium, statt. Viele Darmstädter und vor allem wir jungen protestierten gegen die immens hohen Kosten des Neubaus, der zudem extrem hässlich war. Wenn ich mich recht erinnere, kostete der über 500.000 DM. Der Hessische Rundfunk griff das Thema auf und sendete eine Diskussionsveranstaltung. Ich wurde als “Vertreter der jungen Generation” eingeladen, mitzudiskutieren. Nun saß ich in dem kleinen Studio im Hörfunkgebäude…

  • Hat’s was geschadet?

    Besagte Lehrerinnen wissen wenigstens, wie sie ihre Schüler wirklich treffen. Ich dagegen weiß mir überhaupt keinen Rat. Wenn ich leise sage: “Jetzt seien Sie doch bitte mal ein bisschen leiser”, stört das keinen Menschen im Unterricht. Dabei hatte ich mir so viel von meinen Lehrerinnen und Lehrern früher gemekt. Aber alles, was die so drauf hatten, ist heute nicht mehr gerne gesehen, ja sogar verboten. An dem “Gymnasium für Jungen”, das ich die Ehre hatte, besuchen zu dürfen, hatte fast jeder Lehrer sich eine besondere Art ausgedacht: Herr Roßkopf liebte es, die Ohren zu rubbeln. “Pohl, hol dir einen Satz heiße Ohren ab”, hieß es dann. Man musste nach vorne…

  • Allerliebst. Die vorerst letzte Frisörgeschichte.

    Was bleibt übrig, wenn ein Manta bei einem Unfall verbrennt? – Ein goldenes Kettchen und eine weinende Friseuse. Jetzt muss ich mal was zur Ehrenrettung meiner Friseurin sagen. Viel sogar. Erstens ist sie keine Friseusin, sondern eine Friseurin, zweitens kein Dummchen, sondern eine intelligente junge Frau, drittens würde sie sich nie in einen Mantafahrer verlieben. Schon deshalb nicht, weil sie so jung ist, dass sie vielleiocht niccht ein mal mehr weiß, was ein Manta war. Meine Friseuse fragt mich, wenn ich reinkomme, ob ich einen Kaffee möchte, wahlweise Kaffee, Espresso, Capuccino, alles vom Feinsten. Dazu gibts manchmal ein Skleines Stückchen Kuchen, im Dezember einen Lebkuchen. Dann wäscht sie mir die…

  • "Salon Wegener". Mehr Frisörgeschichten

    In meiner Kindheit war ich bei zwei Frisören, im “Salon Wegener” und bei Onkel Paul. Im Salon Wegner am Herrngarten in Darmstadt gab es sogar Micky Maus Hefte, was damals unter die “Schmutz und Schund”-Kategorie zählte. Aber immerhin war “Salon Wegener” auf Kinder eingestellt. (Da fällt mir auf, dass ich schon lange keine Kinder mehr beim Frisör gesehen habe. Gibt es eigentlich extra Kinderfrisöre?) Im Salon Wegener bedienten ein ganz alter Mann, Herr Wegener selbst, und ein älterer Mann, Herr Mertens. Sie hatten hochmoderne Frisörstühle aus Holz, die sie für Kinder oder andere kleine Menschen in die Höhe fahren konnten. Für einen soo kleinen Menschen genügte das aber nicht, deshalb…

  • Gott ist ein Menschenflüsterer

    Heute ist wieder ein Satz Tageslosung, der mich von jeher beeindruckt hat und mir in diesen Tagen sehr nahe geht: Der Herr ging vorüber: ein großer, gewaltiger Sturm, der Berge zerriss und Felsen zerbrach, kam vor dem Herrn her; aber der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm ein Erdbeben; aber der Herr war nicht im Erdbeben. Nach dem Erdbeben ein Feuer; aber der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer das Flüstern eines leisen Wehens. 1. Könige 19,11.12 Manchmal bräuchten doch Menschen auch so etwas wie einen “Pfedeflüsterer”, einen, der sie beruhigen kann, wenn sie sich aufbäumen wollen oder aufrichten, wenn sie sich nur noch irgendwo zusammenkauern…

  • Memento

    Mascha Kaléko Memento Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang, Nur vor dem Tod derer, die mir nah sind. Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind ? Allein im Nebel tast ich todentlang Und laß mich willig in das Dunkel treiben. Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben. Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr; – Und die es trugen, mögen mir vergeben. Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur, Doch mit dem Tod der andern muß man leben. Gestern ist C. gestorben, mit 41 ! Der optimistischste, lebensfreudigste und zugewandeste Mensch, den es gibt. Gott, du bist so ungerecht C. hat mir…

  • Mein Hund ist gestorben

      Nein, nicht heute. Vor ein paar Wochen schon ist Joschi gestorben. Aber als ich mein Profil anlegte, musste er natürlich vorkommen. Dabei ist mir wieder das Gedicht Pablo Nerudas eingefallen: Pablo Neruda: Ein Hund ist gestorben Mein Hund ist gestorben. Ich begrub ihn im Garten neben einer alten verrosteten Maschine. Dort, nicht weiter unten, nicht weiter oben, wird er sich einmal mit mir vereinen. Jetzt ist er weg, mit seiner Haarfarbe, seiner üblen Erziehung, seiner kühlen Nase. Und ich, Materialist, der nicht daran glaubt, daß es den verheißenen himmlischen Himmel für irgendeinen Menschen gibt, glaube für diesen Hund oder für jeden Hund an den Himmel, ja, ich glaube an…