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Was für eine dumme Stadt III

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Unfassbar. Alle hatten sich wirklich bekehrt.

Mensch und Vieh war von seinem verderbten Tun abgekommen. Der kleine Hund zum Beispiel pinkelte jetzt nicht mehr einfach in der Fußgängerzone an herumstehende Kisten, sondern nur noch in die Straßenrinne. Aber Sie können sich vorstellen, dass das bei weitem noch nicht das Verderbteste war, was es vorher in Ninive gegeben hatte.

Der liebe Gott war ziemlich baff. Aber ihm wars natürlich recht. So musste er die Stadt nicht vernichten, wie er es in seinem Zorn angedroht hatte. Nicht einmal die Frist von 40 Tagen hatten sie ausgenutzt. Solange hätten sie ja noch ruhig verderbt sein können.

Jona hatte gute Arbeit geleistet

Eigentlich hätte er jetzt zufrieden nach Tarsis ans Mittelmeer fahren können, um sich ein paar Tage vom Predigen zu erholen.

Aber Jona war ein Stadtneurotiker und deshalb wollte er auf der Stelle sterben.

Ein einigermaßen normaler Mensch – wie Sie und ich – begreift das nicht, aber Jona war stocksauer.

„Jetzt hab‘ ich hier mich zum Affen gemacht und allen erzählt, dass die Stadt untergehn wird. Und was passiert? Null passiert. Pustekuchen. Friede, Freude, Eierkuchen.“

Er schimpfte fürchterlich mit dem lieben Gott:

„Dieselbe Tour wie immer. Wenn’s darauf ankommt, bist du gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte – es ist zum Kotzen.

Das mit dem „zum Kotzen“ habe ich jetzt erfunden, aber das „gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte“ ist Originalzitat Jona. Man sollte ja meinen, das sei ein Lob, aber mitnichten. Für Jona sind das Schimpfworte.

Aus seiner Sicht hat er ja vielleicht sogar Recht. Ein bisschen neurotisch, aber immerhin. Die Leute würden über ihn lachen. „Ja, ja, wir wissen schon, in vierzig Tagen, hihii“, „Na, Jona, werden wir wieder untergehen“, „Und Jona, was hat dir der liebe Gott jetzt aufgetragen?“

Wenn der Alte wenigstens zumindest einen Donnerschlag losgelassen hätte und mit seiner sonoren Stimme aus den Wolken verkündet hätte: „Allein durch Jona ist diese Stadt gerettet worden“. Aber nichts dergleichen.

Der liebe Gott hat nur schüchtern gefragt: „Meinst du, dass du mit Recht so zornig bist?“

Jona war mit sich und der Welt fertig

Ohne noch jemanden eines Blickes zu würdigen und ohne auf diese dämliche Frage zu antworten, verließ er die Stadt.

Östlich von Ninive baute er sich eine kleine Hütte, das ging Ruckzuck damals und von da sah er mißmutig auf die Stadt hinunter, um zu sehen, was sich da tat.

Morgen lesen Sie (so Gott will und ich Zeit habe), wie alles nur noch schlimmer wird und Jona endgültig sterben will

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1 Kommentar

  1. Aina 14. August 2010

    Ich liebe Jona! Dieser beleidigten Leberwurst gehört mein allertiefstes Mitgefühl! (Ja, und ich mag soap operas…)

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